BAWAG-Prozess: Verluste für Flöttl

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Finanziell offenbar wenig erfolgreich waren die "Karibik-1"-Geschäfte zwischen Wolfgang Flöttl und der BAWAG für den nun angeklagten Spekulanten: Er habe dabei einen Verlust erlitten, schilderte Flöttl heute, Dienstag, im BAWAG-Prozess.

1991 habe er der BAWAG Russland- und Bulgarienforderungen in Höhe von über eine Milliarde Schilling abgekauft, als Gegenleistung für den dadurch erlittenen Verlust habe er von der BAWAG Kredite in Höhe von 300 bis 400 Mio. Dollar erhalten. Der Vorteil für die BAWAG: Sie musste die notleidenden Ost-Forderungen nicht wertberichtigen.

Mit den Dollar-Krediten der BAWAG sollte er in sieben Jahren seinen aus der Übernahme der Russlandforderungen erlittenen Verlust kompensieren können, schilderte Flöttl jun. Die Russlandforderungen beliefen sich auf 1,136 Mrd. Schilling, das 3,6-fache des Betrags wurde Flöttl daraufhin von der BAWAG als Kredit zugeteilt. In einer Kreditausschusssitzung der BAWAG im Jahr 1991 wurde dies festgehalten: Mit dem Gegenüber werden Geschäfte gemacht, die das 3,6-Fache der verkauften Russlandforderungen umfassen.

In den BAWAG-Protokollen wurde der Geschäftspartner als “US-Investorengruppe” bezeichnet. “Das waren Sie, die Investorengruppe”, konstatierte Richterin Claudia Bandion-Ortner zu Wolfgang Flöttl. Partner des Deals war nämlich keine “Investorengruppe”, sondern Wolfgang Flöttl, Sohn des damaligen Generaldirektors Walter Flöttl. “Die Idee ist von der BAWAG gekommen, nicht von mir, es war ein Gegengeschäft”, sagte Flöttl jun. heute. Die BAWAG sei an ihn herangetreten, “sie hatten Verluste”. Mit dem von der BAWAG zu sehr günstigen Bedingungen gewährten Kapital (Londoner Interbankenzinssatz Libor plus einviertel Prozent) sollte er den genommenen Verlust in sieben Jahren zurückverdienen können.

Die Laufzeit des Kredits wurde aber vorzeitig beendet: Als 1994 die “Vater-Sohn-Geschäfte” und “Karibik-Spekulationen” der BAWAG bekannt wurden, mussten die Geschäfte gestoppt werden. Flöttl hatte inzwischen immer mehr Gelder der BAWAG bekommen und führte schließlich 23 Mrd. Schilling zurück. Zur Höhe des von ihm dadurch erlittenen Verlusts wollte Flöttl heute zunächst keine Angaben machen. Der Sachverständige Fritz Kleiner rechnete vor, Flöttl jun. habe wohl von den 1,136 Mrd. S (Betrag der übernommenen Russlandforderungen) fünf Siebentel verloren, also etwa 810 Mio. Schilling.

Aus Sicht der BAWAG war der Deal mit Flöttl jun. damals ein gutes Geschäft: Für die Russland- und Bulgarienforderungen, deren Marktwert damals auf bis zu 40 Prozent gesunken war, mussten keine Wertberichtigungen verbucht werden. Statt einem Verlust wurde eine Kreditforderung verbucht. “Dieser Gewinn der BAWAG aus der Nichtabwertungsnotwendigkeit wird allerdings sehr euphorisch dargestellt”, monierte der Sachverständige Kleiner. Flöttl jun. selber gab heute auf APA-Anfrage an, er habe die Russlandforderungen damals mit Eigenkapital erworben. Durch den vorzeitigen Ausstieg aus dem “Gegengeschäft” habe er einen Verlust gemacht. Flöttl wollte seinen Verlust nicht beziffern, widersprach aber auch der Rechnung des Sachverständigen nicht.

“Und trotzdem machen Sie mit der BAWAG wieder Geschäfte, wo Sie doch eigentlich ziemlich eing’fahren sind?” wunderte sich Richterin Claudia Bandion-Ortner. “Die andere Lösung war, das einzuklagen. Ich bin kein streitsüchtiger Mensch”, meinte Flöttl. Er hätte höchstens seinen Vater klagen können, das habe er aber nicht machen wollen. “War Ihnen dann die BAWAG nicht noch etwas schuldig?” fragte die Richterin. “Das kann man so sehen”, meinte Flöttl. “War das ein Grund für die Wiederaufnahme der Geschäfte 1995?” hakte Bandion-Ortner nach. “Das würde ich nicht so sehen, das waren neue Geschäfte”, so Flöttl.

Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner, der 1995 Walter Flöttl nachfolgte und die Karibik-Geschäfte mit Flöttl wieder aufnahm, gab heute an, er könne sich an die Übernahme der Russlandforderungen durch Flöttl jun. nicht erinnern. Seine Entscheidung zur Wiederaufnahme der Karibik-Geschäfte habe nichts damit zu tun gehabt, dass die Bank vielleicht Flöttl jun. noch etwas geschuldet habe. Ex-BAWAG-Vorstand Hubert Kreuch hingegen, seit Mitte 1991 im BAWAG-Vorstand, konnte sich noch in Grundzügen an die Russlandforderungen erinnern. Damals habe es immer geheißen, eine US-Investorengruppe habe die Forderungen übernommen.

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