BAWAG-Innenrevision im Mai 1999 "abgedreht"

Am Donnerstagnachmittag kam im BAWAG-Prozess ein Aktenvermerk der BAWAG-Innenrevision vom 25. Mai 1999 zur Sprache.

Die Abteilung hatte – gestützt auf eine entsprechende Vorgabe der Österreichischen Nationalbank (OeNB), wonach sich die Innenrevision die Geschäfte der BAWAG mit Wolfgang Flöttl anzusehen habe – am 17. Mai 1999 eine Prüfung in die Wege leiten wollen, nachdem die Bank trotz des Totalverlusts aus dem Oktober 1998 Neuinvestments bei Flöttl getätigt hatte. Der damalige BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz, der zugleich als Helmut Elsners „rechte Hand“ galt, „drehte“ die vorgesehene Prüfung allerdings ab.

Laut Aktenvermerk gab Nakowitz zu verstehen, die so genannten Sondergeschäfte mit Flöttl seien „rückgeführt“ und mit der Einverleibung des Flöttl-Vermögens beendet worden. Die BAWAG führe diese Geschäfte „in keiner Form und bei keinerlei Gesellschaft“ fort, beschied Nakowitz, obwohl von der Bank bereits im Oktober 1998 wieder Gelder an Flöttl geflossen waren und dieser im Jänner, Februar und April 1999 weitere 110 Mio. Euro bekommen hatte.

Nakowitz stellte sich im Großen Schwurgerichtssaal auf den Standpunkt, diese Geschäfte wären völlig andere gewesen als jene bis zum Oktober 1998. Es habe sich diesmal im Wesentlichen um einen „Betriebsmittelkredit, der neu besichert worden ist“ gehandelt. Er habe sich in diesem Punkt „beim Generaldirektor rückversichert“, ließ Nakowitz den Schöffensenat wissen.

Elsner bestätigte: „Es waren keine Spekulationsgeschäfte, die mit uns in Verbindung stehen!“ Flöttl habe diesmal auf keine 120-prozentige Überdeckung zu achten gehabt, auch sonst hätten die Modalitäten nicht jenen aus den Jahren 1995 bis 1998 entsprochen. Folglich hätten sie auch nicht der Innenrevision gemeldet werden müssen, meinte Elsner.

Die übrigen Vorstandsmitglieder bestätigten diese Sichtweise. Nur Christian Büttner, der sich als Einziger im BAWAG-Vorstand explizit gegen die Fortführung der Geschäftsbeziehung mit Flöttl ausgesprochen hatte, widersprach: „Aus heutiger Sicht sind die Geschäfte zumindest sehr ähnlich.“

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