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Bam soll nicht von der Landkarte verschwinden

Die Erdbebenkatastrophe hat Bam in eine Totenstadt verwandelt. Aber die alte Stadt soll nach dem Willen von Ajatollah Ali Chamenei nicht von der Landkarte verschwinden.

 „Die Stadt Bam wird mit Gottes Hilfe wieder aufgebaut, und diesmal stärker als bisher”, sagt der geistliche Führer des Landes im Gespräch mit überlebenden Einwohnern. „Wir können aus dieser Verwüstung eine starke und entwickelte Stadt errichten.”

Nach vorne schauen auch diejenigen, welche die Katastrophe überlebt haben. Und bei ihnen wächst der Ärger über das Warten auf konkrete Hilfe. „Unsere Angehörigen sind tot, die Verletzten sind weggebracht, und wir sind am Leben und brauchen Geld, nicht Medizin oder Kleidung”, klagt Tehereh Ardschumandi. Die 30-jährige Frau hat Mutter, Schwester, einen Schwager und einen 13-jährigen Neffen verloren. Jetzt steht sie vor einem grünen Tor und einem staubbedeckten Kühlschrank – das ist alles, was von ihrem Haus übrig geblieben ist.

Vier Tage nach dem verheerenden Erdstoß von Freitag früh richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Not der Überlebenden. „Alle von uns sind verantwortlich, die Forderungen der Überlebenden zu erfüllen”, sagt Chamenei bei seinem Besuch in Bam.

Neue Nachbeben machen den Schrecken immer wieder höchst gegenwärtig. Montag früh stürzten dabei noch einige Wände ein, die stehen geblieben waren. „Viele, viel mehr Menschen sind noch unter den Trümmern begraben”, sagt der Sprecher der Provinzregierung, Asadollah Iranmanesch. Mehr als 25.000 Tote wurden bisher in Bam und Umgebung geboren. Es wird aber weiter befürchtet, dass die Gesamtzahl der Todesopfer bis auf 40.000 steigen könnte.

Einige Rettungsteams aus dem Ausland bereiten am Dienstag ihre Abreise vor. Andere aber wollen weiter bleiben. „Es ist nie zu spät, wir machen weiter”, sagt der Norweger Terje Engevik. Mut macht ihnen die wundersame Rettung eines etwa zwölfjährigen Mädchens am Montag, mehr als 72 Stunden nach dem Erdstoß. „Nur weil das Dach nicht völlig einstürzte, blieb sie am Leben”, sagt Schokrollah Abbasi, der das Mädchen zusammen mit drei Helfern in einem bis dahin noch nicht durchsuchten Haus fand – bewusstlos und mit einem gebrochenen Bein. „Es gab Luft für sie zu atmen. Wir fanden sie in der Küche. Ganz in der Nähe war ein Teller mit Reis, und es kam mir so vor, als ob sie das am Leben gehalten hat.”

Aus den Trümmern des selben Hauses wurden die Leichen einer Frau und eines Buben geborgen. Das Mädchen aber wurde zum Flugplatz von Bam gebracht und in ein Krankenhaus ausgeflogen. „Als wir sie herausbrachten, schrien alle: ’Oh Gott, das ist ein Wunder!’”

Bei der Beisetzung so vieler Toter bleibt es nicht aus, dass es zu Pannen kommt. Ein Geistlicher aus der Heiligen Stadt Ghom, Hodschatoleslam Modschtaba Sonnor, berichtet, dass er innerhalb von fünf Stunden drei Mal das Totengebet für Männer gesprochen hat, die sich in ihrer weißen Umhüllung plötzlich zu regen begannen. „Da wurde ein Arzt gerufen. Und der stellte nach kurzer Untersuchung fest: ’Er ist nicht tot, er ist am Leben.’” Die Männer wurden aus ihren Tüchern gewickelt und zu einer Ambulanz gebracht.

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