Ballack über Fotomontage "nicht erfreut"

Die geschmacklose Provokation einer polnischen Boulevardzeitung hat im Lager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Befremden ausgelöst.

“Wir haben die Bilder gesehen und waren natürlich nicht erfreut. So etwas sollte nicht zum Fußball gehören”, erklärte DFB-Kapitän Michael Ballack am Freitag zu martialischen Berichten der Zeitung “Super Express”, für die sich sogar Polens Nationaltrainer Leo Beenhakker entschuldigt hatte. Auf die sportliche Leistung des DFB-Teams aber werde die Veröffentlichung keinen Einfluss haben, betonte der Kapitän: “Im Gegenteil, das motiviert uns vielleicht noch mehr.”

Das Blatt hatte getitelt: “Leo, bring uns die Köpfe” und illustrierte die Schlagzeile mit einer Fotomontage, die Beenhakker mit den abgeschlagenen Köpfen von Ballack und Bundestrainer Joachim Löw in den Händen zeigt. “Einige stempeln das als Normalität ab. Es ist nicht schön, wenn man so etwas über sich oder den Trainer sieht”, bemerkte Ballack. Polen Teamchef Leo Beenhakker verurteilte die Kampagne dieser “kranken Leute” am Freitag erneut. “Ich schäme mich”, erklärte Beenhakker. Mindestens 95 Prozent der polnischen Bevölkerung würden denken wie er. Er habe aber auch den Eindruck, “dass das, was ich gesagt habe, auch in Deutschland angekommen ist”.

Die Karikaturen hatten auch auf politischer Ebene für Verstimmung gesorgt. Die Polen-Beauftragte der deutschen Bundesregierung, Gesine Schwan, kritisierte die antideutsche Berichterstattung in polnischen Boulevardzeitungen mit deutlichen Worten. “Das ist abstoßend und widerlich, das stößt Polen mindestens so ab wie uns”, sagte Schwan. Die deutsche Regierung wollte zu dem Thema politisch nicht Stellung nehmen: “Wir haben Pressefreiheit in Polen und in Deutschland”. Millionen von Fußballfreunden hätten die Geste des polnischen Trainers Leo Beenhakker gewürdigt, “der ja dazu auch die notwendigen Worte gefunden hat”.

Der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda, fand ebenfalls entschuldigende Worte. Auch die polnischen Fußballfans und der größte Teil der polnischen Presse hätten die Veröffentlichungen als Gipfel der Geschmacklosigkeit bezeichnet, erklärte Prawda am Freitag im ZDF-“Morgenmagazin”. “Schon am gleichen Tag, als diese Fotomontage erschienen ist, gab es in Online-Ausgaben unserer Presse sehr viele Kommentare, die einhellig kritisch waren.” Diese spontanen Reaktionen hätten die Stimmung im Land gegenüber Deutschland repräsentiert, so der Botschafter weiter. Er warnte davor, die Veröffentlichungen in Boulevardblättern mit der großen Politik oder der Stimmung im Land zu vergleichen: “Das hat einfach damit nichts zu tun.”

Unterdessen wurde auch Österreich in die Affäre hineingezogen. Die Boulevardzeitung “Fakt” warnte vor einer deutsch-österreichischen Verschwörung auf Kosten Polens: “Unsere Gegner machen keinen Hehl daraus, dass sie sich auf das Ergebnis ihres Spiel einigen könnten.” Die deutsche “Bild”-Zeitung sprang da natürlich gleich auf: “Polen fürchten wie 1982 Betrug”, verweist das Blatt auf die “Schande von Gijon” und fragt sich, warum die Stimmung vor dem deutschen EM-Start weiter “vergiftet” werde. Deutschland spielt am Sonntag (20.45 Uhr) in Klagenfurt gegen Polen. Österreich ist neben Kroatien Gruppengegner der deutschen und polnischen Mannschaft.

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