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"Balkanology": Architekturzentrum widmet sich Südosteuropa

"Balkanology. Neue Architektur und urbane Phänomene in Südosteuropa" ist eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien, die vom 22. Oktober bis 18. Jänner 2010 stattfindet." Von 1815 bis 2009 hat sich die politische Geografie des Balkans mehrfach radikal gewandelt. Aus der Wahrnehmung des durchschnittlichen Mitteleuropäers sei er jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend verschwunden Fünf vor dem Architekturzentrum Wien (Az W) im Museumsquartier-Hof aufgestellte große Landkarten zeigen auf einen Blick: , klagte Az W-Chef Dietmar Steiner heute bei einem Pressegespräch.
Die Ausstellung “Balkanology”, die am Mittwochabend eröffnet wird, soll daher “eine Entdeckungsreise” sein. Zu entdecken gibt es “Neue Architektur und urbane Phänomene in Südosteuropa”.

“In der hegemonialen Architekturgeschichtsschreibung sind der ehemalige Warschauer Pakt und das ehemalige Jugoslawien nicht adäquat wahrgenommen worden!”, sagte Steiner. Dabei sei die gerade die Entwicklung der Moderne hier nahezu parallel erfolgt. Anhand einzelner, ausgewählter Beispiele wird nun Nachhilfeunterricht betrieben – was etwa die Entdeckung ermöglicht, dass an der Errichtung einer großen Srebrenica-Gedenkstätte mit Christoph Hinterreiter und Gerd Wochein (O:SNAP Architecture) auch zwei Österreicher beteiligt waren.

Selten wird derart deutlich, wie eng Architektur und Städtebau mit politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen verknüpft sind. Unmittelbar wird dies an manchen konkreten Bau-Beispielen fassbar, wie etwa dem ehemaligen jugoslawischen Verteidigungsministerium in Belgrad, an dem die zehn Jahre alten Raketen- und Bombentreffer der NATO als Mahnmale noch heute sichtbar sind, oder am ebenfalls mehrfach beschossenen höchsten Gebäude Jugoslawiens, das heute aufwendig umgebaut und erweitert wird.

Der Berliner Urbanist und Publizist Kai Vöckler, der diese in Kooperation mit dem Schweizerischen Architekturmuseum entstandene und im Vorjahr in Basel gezeigte Ausstellung kuratiert hat, schneidet aber auch viele städtebauliche Themen – wie den von Heimkehrern angeheizten “Turbo-Urbanismus” – an und arbeitet wirtschaftliches wie demografisches Zahlenmaterial in die hervorragend präsentierte und durchgehend zweisprachige Schau ein. Migrationsbewegungen und Geldrückflüsse wirken sich jedenfalls ebenso stark auf das Baugeschehen aus wie die sich ständig verändernden politischen Rahmenbedingungen.

“Balkanology” zeigt auch, wie unterschiedlich die Visa-Modalitäten der Balkan-Staaten für die Einreise in die Schengen-Staaten sind. Unmittelbare Auswirkungen hatte dies auch auf die heutige Eröffnung der mit Unterstützung der ERSTE Stiftung zustande gekommenen Schau: Co-Kurator Vladimir Kulic, ein in Florida lehrender Architekturhistoriker aus Belgrad, hätte für seine Teilnahme ein österreichisches Visum beantragen müssen – und zu diesem Zwecke höchstpersönlich in der österreichischen Botschaft in Washington erscheinen müssen. Worauf er aus Zeitgründen verzichten musste. “Das ist absolut grotesk”, kommentierte Kurator Vöckler.

http://www.azw.at

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