Baby nach Tränengaseinsatz gestorben

Ein 14 Monate altes palästinensisches Baby ist nach Angaben von Ärzten offenbar an den Folgen eines israelischen Tränengaseinsatzes gestorben.

Die Soldaten hatten nach Augenzeugenberichten Tränengas und Gummigeschosse auf einen palästinensischen Markt in Hebron gefeuert, um das verhängte Ausgehverbot durchzusetzen. Die Grossmutter habe das kleine Mädchen in Decken eingewickelt sofort ins Krankenhaus getragen, doch sei jede Hilfe zu spät gekommen, berichteten Ärzte und Augenzeugen.

Die israelische Armee erklärte, sie wolle den Berichten nachgehen.

Bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Auto in Gaza wurden am Donnerstag vier Personen getötet, wie Mitarbeiter von Rettungsdiensten berichteten. Die Rakete wurde von einem Hubschrauber abgefeuert. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat unterdessen die seit einer Woche andauernde Belagerung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat gegen alle in- und ausländische Kritik verteidigt. Einige der Männer, die zusammen mit Arafat in dessen Amtsgebäude in Ramallah eingeschlossen sind, seien „die grössten Terroristen, die es gibt“, sagte Scharon in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der „Jerusalem Post“.

Israel hat bislang keine Liste mit Namen der Gesuchten vorgelegt, aber erklärt, der meistgesuchte Mann im Inneren von Arafats belagertem Bürogebäude sei Taufik Tirawi, der Leiter des palästinensischen Geheimdienstes im Westjordanland. Nach Angaben der israelischen Armee war Tirawi an der Finanzierung extremistischer Milizen beteiligt und in mehrere Attentate verwickelt. Israel hatte mit der Belagerung auf einen Anschlag in Tel Aviv reagiert, bei dem sechs Menschen getötet wurden.

Scharon tat in dem Interview die wachsende Kritik aus den USA als Meinungsverschiedenheit unter Freunden ab. Er erklärte weiter, die Palästinenser versuchten, ihre Anschläge gegen Israel vor einem möglichen Angriff der USA auf Irak zu intensivieren.

Bei neuen Kämpfen wurden am Donnerstag drei Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet. Bei einem militärischen Vorstoss in Dschenin erschossen israelische Soldaten am frühen Morgen einen 50-jährigen Bewohner der Stadt im Westjordanland. Nach Angaben seines Sohnes öffnete der Mann ein Wohnungsfenster, um die Truppenbewegungen zu beobachten. An anderer Stelle im Westjordanland erschoss ein gesuchter Hamas-Milizionär auf der Flucht einen israelischen Offizier. Der Palästinenser wurde von anderen israelischen Soldaten erschossen.

Auch im Gazastreifen erschossen israelische Soldaten einen Palästinenser, der nach Militärangaben bewaffnet war und in die jüdische Siedlung Elei Sinai eindringen wollte. Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden erklärte, die versuchte Infiltration gehe auf ihr Konto. Ein Sprecher erklärte, die Truppen suchten nach einem zweiten Angreifer. Im Oktober hatten zwei Palästinenser den Zaun um Elei Sinai überwunden, das Feuer eröffnet und Handgranaten geworfen. Damals wurden zwei Israelis getötet und 15 weitere verletzt.

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