B: Aufregung um Schlüsselfund vor Dutroux-Zelle

Ein vor der Zelle von Marc Dutroux entdeckter Schlüssel hat Spekulationen über einen Fluchtversuch des mutmaßlichen Kindermörders geweckt.

Dutroux gab sich am Donnerstag über seine Anwälte im südbelgischen Arlon aber unwissend. Der Schlüssel für Handschellen war vor Dutroux’ Zelle im Gefängnis von Arlon in einem Salzbehälter gefunden worden. Die belgische Justizministerin Laurette Onkelinx kündigte sofortige Ermittlungen an. Es ist bereits der dritte derartige Zwischenfall seit Prozessbeginn am 1. März.

Dutroux zeigte sich seinen Anwälten zufolge “überrascht” über den Fund. Er habe davon erst am Donnerstagmorgen im Radio gehört. Möglicherweise handele es sich „um einen Versuch, ihn zu diskreditieren”, sagte Dutroux-Anwalt Ronny Baudewijn. Ihm zufolge wurde der Schlüssel in einem Salzfässchen oder Salzpaket gefunden. Die Möglichkeit eines Fluchtversuchs habe jedoch nicht bestanden, betonte Baudewijn. Auch die Nachrichtenagentur Belga zitierte einen Gefängnissprecher mit den Worten, der Schlüssel passe nicht zu den Handschellen Dutroux’.

Bereits in der ersten Prozesswoche hatten zwei Sicherheitspannen für Empörung gesorgt. Am ersten Tag des Verfahrens stand die Hecktür eines Polizeitransporters offen, in dem Dutroux zum Gericht gefahren wurde. Einige Tage später veröffentlichte ein belgisches Magazin Fotos aus dem Gefängnisalltag des Angeklagten. Daraufhin wurde ein Wächter vom Dienst suspendiert. Dutroux gilt als der bestbewachte Gefangene Belgiens. Justizministerin Onkelinx wies nach dem Schlüsselfund erneut darauf hin, dass die Sicherheit im Gefängnis von Arlon mit Beginn des Prozesses noch verstärkt worden sei.

Der Vorfall erinnert an die spektakuläre Flucht Dutroux’ aus der Haft 1998. Damals war es ihm gelungen, bei einem Besuch in einem Gerichtsgebäude Wächter zu überwältigen. Erst ein Großkommando der Polizei konnte ihn nach einigen Stunden wieder festsetzen. Seine Flucht hatte schwerwiegende personelle Konsequenzen: Der belgische Innen- und Justizminister mussten zurücktreten.

Hinter verschlossenen Türen sagten in dem Prozess am Donnerstag Gerichtsmediziner aus. Sie hatten die Leichen von vier getöteten Mädchen untersucht, die im Spätsommer 1996 auf Grundstücken Dutroux’ gefunden worden waren.

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