Autor von "Kottan ermittelt" gestorben

Der österreichische Autor Helmut Zenker ist in der vergangenen Nacht nach langer schwerer Krankheit kurz vor seinem 54. Geburtstag gestorben.

Das teilte ein Freund der Familie am Dienstag früh mit.

Als Erfinder des schrulligen Major „Kottan“ hat Helmut Zenker österreichische Fernsehgeschichte geschrieben. Die satirische TV-Serie um den etwas anderen Polizisten, der von Peter Vogel, Franz Buchrieser und Lukas Resetarits dargestellt wurde, ging als einer der größten Erfolge in die österreichische TV-Geschichte ein. Der kurz vor seinem 54. Geburtstag verstorbene Schriftsteller war aber nicht nur einer der meistgespielten österreichischen Drehbuchautoren. Er setzte sich auch in zahlreichen Romanen, Bühnenproduktionen und Hörspielen mit gesellschaftskritischen Themen auseinander.

Geboren wurde Helmut Zenker am 11. Jänner 1949 im niederösterreichischen St. Valentin als Sohn eines niederösterreichischen KPÖ-Landessekretärs. Nach dem Gymnasium absolvierte er in Wien die Pädagogische Akademie und arbeitete zunächst als Hilfsarbeiter, Lkw-Fahrer, Briefträger und Filmvorführer, später als Lehrer an Haupt- und Sonderschulen in Wien und Kufstein. 1969 gründete Zenker gemeinsam mit Peter Henisch die Literaturzeitschrift „Wespennest“, die er bis 1977 auch als Herausgeber betreute. Unter dem Titel „Aktion Sauberkeit“ legte er 1972 eine erste Sammlung von Prosa-Texten und Gedichten vor.

Seit 1973 lebte Zenker als freier Schriftsteller. Sein Roman-Debüt gab er 1973 mit „Wer hier die Fremden sind“, im Jahr darauf erschien „Kassbach oder Das allgemeine Interesse an Meerschweinchen“. Es folgten unter anderem der Lyrikband „Relationen“ (1975), die Romane „Herr Novak macht Geschichten“ (1976), „Das Froschfest“ (1977), der Krimi „Schußgefahr“ (1979) und „Zünden Bäume und Häuser an“ (1984). 1988 wurde „Kottan ermittelt – Der vierte Mann“ veröffentlicht, 1989 der erste Band der mehrbändigen Krimireihe „Minni Mann“ um eine kleinwüchsige Wiener Privatdetektivin und unter dem Titel „Faschismus“ erstmals auch ein Sachbuch.

1990 gründete Zenker den „Cabal“-Verlag, der ausschließlich seine eigenen Werke herausbrachte, darunter das „Spottbuch“ (1990) und „Kottan ermittelt – Alle Morde vorbehalten“ (1991). Als größten literarischen Erfolg sah der mehrfache Vater, der von seiner Familie getrennt lebte, nach eigenen Angaben sein in rund 20 Sprachen übersetztes Kinderbuch „Der Drache Martin“ (1977).

Mit der von Peter Patzak inszenierten TV-Serie „Kottan ermittelt“ erlangte Zenker breite Popularität als Drehbuchautor. In Zusammenarbeit mit Patzak entstanden auch die Filme „Kassbach“ (1979), „Den Tüchtigen gehört die Welt“ (1981) und „Tiger – Frühling in Wien“ (1984). Als heimliches Meisterwerk des österreichischen Kinos gilt außerdem John Cooks Verfilmung von Zenkers Roman „Das Froschfest“ unter dem Titel „Schwitzkasten“ (1978). Als Hörspiele kamen unter anderem „Kennen Sie Kassbach?“ (1975) sowie „Mutter, Vater, Kind“ und „Der Vertreter“ (beide 1976, zusammen mit Gernot Wolfgruber) heraus.

Für das Theater schrieb Zenker unter anderem das 1976 am Wiener Volkstheater uraufgeführte Stück „Wahnsinnig glücklich“. Außerdem adaptierte er seinen TV-Klamauk „Tohuwabohu“ 1998 für die Bühne des Wiener Metropols. Wegen eines Streits um angeblich fix zugesagte Buchaufträge für „Tohuwabohu“, das 1995 österreichischer Beitrag im Wettbewerb um die „Goldene Rose“ von Montreux war, verkündete Zenker 1998 schließlich seine „Scheidung“ vom ORF. Im Jahr darauf artikulierte er sein gesellschaftspolitisches Engagement auch als Wiener KP-Spitzenkandidat für die Nationalratswahl und stand in seinem Stück „Dirty Old Men“ im Wiener Vindobona erstmals auch selbst auf der Bühne.

Zenker war von 1973 bis 1979 Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Er wurde unter anderem mit dem Theodor-Koerner-Preis (1974), dem Förderungspreis der Stadt Wien (1975), dem Adolf-Grimme-Preis mit Bronze (1985, zusammen mit Peter Patzak) und 1988/89 mit einem Österreichischen Staatsstipendium für Literatur ausgezeichnet. Sein letztes Buch, der Kurzgeschichtenband „Mondgeschichten“, erscheint im Februar bei Deuticke.

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