Austria Wien mit Fehlstart: Blick geht nach vorn

Der Neustart der Wiener Austria endete in einer Bruchlandung.
Der Neustart der Wiener Austria endete in einer Bruchlandung. ©APA/EXPA/ROLAND HACKL
Austria Trainer Manfred Schmid war nach dem Europacup-Aus gegen Breidablik bedient. Dennoch sieht er Potenzial im Kader und richtet den Blick nach vorn.
Niederlage gegen Breidablik

Der beschworene Neustart in die violette Zukunft hat mit einer veritablen Bruchlandung geendet. Nach gelungenen Auftritten im Finish der abgelaufenen Saison, als das Europacup-Ticket auf den letzten Drücker in überzeugender Manier geholt wurde, hat sich die Austria nach einer 45 Minuten lang desaströsen Vorstellung auf Island aus der Conference-League-Qualifikation verabschiedet. Trainer Manfred Schmid muss nach nur vier Spielen den ersten empfindlichen Rückschlag wegstecken.

1:2-Niederlage in Island

Nach dem 1:2 bei Underdog Breidablik trat der 50-Jährige am Donnerstagabend mit ernster Miene vor das Mikrofon. "Ich werde das nicht akzeptieren, was in den 90 Minuten passiert ist", sagte der Neo-Coach der Austria im Interview auf Puls 24. Schmid bemängelte fehlenden Basics in der ersten Halbzeit, als sich die Austria von den Isländern zwei vermeidbare Tore einfing. Kristinn Steindorsson (6.) und Arni Vilhjalmsson (24.) trafen gegen eine viel zu löchrige Austria-Abwehr. Offensiv trat die Austria kaum in Erscheinung.

Wiener Austria gab nicht Gas

Schmid vermisste insbesondere Intensität und Zweikampfverhalten bei seiner Elf. "Das sind Dinge, die ich erwarte, dass sie vorhanden sind", meinte er. Vier Stunden dauerte der Rückflug von der Atlantikinsel nach Wien. Viel Zeit, um über das Gesehene nachzudenken. Schmid, für den das Engagement bei seinem Ex-Club als Profi das erste langfristige als Cheftrainer sein soll, wollte "Dinge intern ansprechen". Er sagte auch: "Wir müssen eine Mannschaft finden, die 90 Minuten bereit ist, Gas zu geben und um unser Wappen zu laufen."

Mit einigen Stunden Abstand klangen die Worte des Trainers wieder versöhnlicher. Er spreche den Spielern nicht ab, dass sie wollten, sagte Schmid Freitagfrüh nach der Rückkehr nach Wien. "Es geht nicht darum, auf die Mannschaft oder einzelne Spieler draufzuschlagen, sondern darum, wie wir der Mannschaft helfen können", meinte er. Es gebe Momente, in denen die Mannschaft in alte Muster verfalle. So habe nach dem ersten Gegentor die Unsicherheit um sich gegriffen.

Austria Wien mit Steigerung in der zweiten Hälfte

Was die Austria danach zeigte, war wenig. Zwar steigerte sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit und machte die Partie nach einem Geschenk von Breidablik zum 1:2 durch Dominik Fitz (68.) noch einmal spannend, mehr war gegen ein Team, das von den Möglichkeiten unter den Wienern sein sollte, aber nicht möglich. Breidablik konnte vor ein paar hundert Fans am Ende verdient den Aufstieg bejubeln, wie Schmid anmerkte. Schon beim 1:1 in Wien hatte die Austria eine schwache Vorstellung gezeigt. Der Traum von den knapp 3 Millionen Euro, die die leere Vereinskasse bei einem Einzug in die Gruppenphase gefüllt hätten, war schon nach der ersten von drei Hürden ausgeträumt.

Verunsicherte Mannschaft

Es stellt sich die Frage, warum die Austria in den Play-off-Duellen mit Hartberg und den WAC glänzte, nun jedoch das Bild einer verunsicherten Mannschaft abgibt. Stützen wie Erik Palmer-Brown, Christoph Schösswendter oder Manprit Sarkaria haben den Club im Sommer verlassen, der aktuell verletzte Patrick Wimmer steht laut Medienberichten vor einem Transfer zu Arminia Bielefeld. Die Neuzugänge plagten sich auf Island. Lukas Mühl hatte in der Verteidigung Probleme, Manfred Fischer tauchte im zentralen Mittelfeld unter.

Personell hat Schmid bis auf Alexander Grünwald bzw. Johannes Handl und Vesel Demaku, die nach ihren Patzern im Hinspiel nur auf der Bank saßen, wenige Alternativen mit Erfahrung zur Verfügung. Eine Verstärkung könnte der von RB Leipzig ausgeliehene Angreifer Noah Ohio (18) sein. Auf die Frage nach weiteren Transfers ließ sich Sportdirektor Manuel Ortlechner keine Ansagen entlocken.

Kader hat laut Schmid Potenzial

"Ich habe schon großen Glauben an das Potenzial des Kaders. Wir schaffen es aber überhaupt nicht, stabil zu sein. Momentan sind wir gut beraten, den Jungs zu vertrauen und Zeit zu schenken", erklärte der wie Schmid neu in seiner Rolle arbeitende Ex-Profi. Ortlechner sprach am Tag danach ebenfalls von einem völlig verdienten Ausscheiden. "Das wollen wir nicht schönreden. Wichtig ist, dass wir sehr viele Aufschlüsse über den Zustand der Mannschaft erhalten haben." Die Spieler hätten sich bei den Gesprächen noch am Flughafen in Reykjavik sehr selbstkritisch gezeigt, berichtete Ortlechner.

Erstes Bundesliga-Heimspiel am Sonntag

Am Sonntag wartet auf die Austria das erste Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison. Nach dem 1:2 in Ried geht es gegen die WSG Tirol, Kapitän Markus Suttner will gegen die Wattener "die Saison in die richtige Richtung lenken". Eine weitere Niederlage wäre dem Klima in Wien-Favoriten nicht zuträglich. Dass sich die Austria womöglich auf harte Jahre einstellen muss, hatte Schmid schon bei seiner Präsentation durchklingen lassen.

Umso verwundert reagierten vor einigen Tagen die Fans, als Insignia-Vertreter Luka Sur via Instagram Fragen der Anhänger beantwortete. Auf jene nach dem Saisonziel schrieb er: "Wir haben für unsere Ziele einen Dreijahresplan. Das Ziel für die kommende Saison ist, sie zwischen Platz zwei und vier abzuschließen." Ortlechner sagte dazu: "Jeder Sponsor kann sich äußern und seine Ziele kundtun. Ob er uns damit einen Gefallen tut, sei dahingestellt."

(APA/red)

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