Ausschreitungen bei serbischer Demonstration in Wien

Eine Demonstration von tausenden Serben, die am Sonntag auf dem Wiener Heldenplatz ruhig begonnen hatte, drohte im Laufe des Nachmittags zu eskalieren. Stadtreporter Video: 

Ein Teil der Protestierenden bewegte sich vom Heldenplatz über den Ring in Richtung US-Botschaft in der Boltzmanngasse. Die massiv vertretene Polizei in Alarmausrüstung riegelte die Gegend jedoch ab, worauf sich rund 400 Demonstranten über den Gürtel in Richtung Ottakringer Straße bewegten. Es kam zu mehreren gewalttätigen Scharmützeln mit der Polizei und Ausschreitungen.

In der Ottakringer Straße wurde ein Espresso mit Steinen und Flaschen beworfen, jedoch stellte sich die Exekutive auch hier den Demonstranten in den Weg. Dennoch gingen Fensterscheiben zu Bruch. Es kam zu heftigen Raufereien zwischen Polizisten und vorwiegend jugendlichen Demonstranten, wobei auch die Beamten durchaus heftig zupackten. So wurde ein rund 15-jähriger Bursch in Handschellen in einen Hauseingang gezerrt und von Beamten attackiert.

Ältere Teilnehmer an der Kundgebung versuchten, die aufgebrachten Randalierer zu beruhigen und von weiteren Gewaltakten abzuhalten. In der Ottakringer Straße befinden sich mehrere Lokale, die vorwiegend von Serben, Kroaten oder Kosovo-Albanern frequentiert werden.

Am Straßenrand hatten sich während des gesamten Verlaufs zahlreiche Schaulustige eingefunden. Deren Reaktionen waren unterschiedlicher Natur. Zum Teil gab es “Szenenapplaus” für den serbischen Protest, es waren aber auch weniger wohlmeinende Zwischenrufe wie “Schleicht’s eich endlich ham” zu hören. Durch die Demonstration kam es auch zu Behinderungen im öffentlichen Verkehr, mehrere Straßenbahnlinien mussten abgelenkt bzw. verkürzt geführt werden.

Zu Beginn der Veranstaltung unter dem Motto “Recht und Gerechtigkeit” hatten sich laut Polizei mindestens 5.000 Menschen am Heldenplatz eingefunden. Die Veranstalter sprachen von bis zu 10.000 Demonstranten. Viele Teilnehmer waren aus anderen Bundesländern, etwa aus Salzburg und der Steiermark, angereist.

Mit Dutzenden Transparenten und Parolen wie “Wir geben Kosovo nicht her” und “Kosovo ist das Herz Serbiens” ließen die Menschen ihrem Unmut freien Lauf. Die sehr farbenfrohe und viel Musik untermalte Veranstaltung sollte ursprünglich bis etwa 15.30 Uhr dauern, ehe sie außer Kontrolle zu geraten drohte.

“Kosovo ist das Herz und die Seele Serbiens”, “Kosovo war und wird immer Serbien bleiben”, skandierten die Serben bei der sehr emotionalen Demo am Heldenplatz. Vertreter der serbischen Gemeinschaft in Österreich hielten Reden und sprachen von “Unrecht” und “Tragödie”.

Vorgelesen wurden schriftliche Stellungnahmen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dem Autor Peter Handke. Beide ernteten für ihre Stellungnahmen gegen die Unabhängigkeit des Kosovo viel Applaus. Hingegen gab es gellende Pfiffe bei der Erwähnung der Namen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) und Außenministerin Ursula Plassnik (V).

In Sprechchören riefen die Demonstranten auch immer wieder “Rusija” (Russland). Viele Buhrufe gab es für die USA und jene EU-Staaten, die den Kosovo anerkannten oder – wie Österreich – demnächst anerkennen wollen. Zu diesem Zeitpunkt war die Demo noch friedlich. Einzig eine US-Fahne wurde verbrannt.

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