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"Ausnahme-Schaltjahr"

Astronomen haben errechnet, daß das Jahr 2000, entgegen einer sehr alten päpstlichen Verfügung, ein Schaltjahr ist.

Das Jahr 2000 ist ein „Ausnahme-Schaltjahr“ – entgegen einer sehr alten päpstlichen Verfügung. Papst Gregor XIII. konnte anno 1580 nicht überblicken, dass es 520 Jahre später trotz seiner Kalenderreform wieder einen Tag “zu viel” geben wird. Seinerzeit hatte er nämlich per Dekret angewiesen, dass volle Jahrhunderte, deren erste Zahlen sich durch die Zahl vier teilen lassen, keine Schaltjahre sein sollen.

Die Einteilung unserer Zeit in Jahre, Monate, Wochen und Tage geht auf eine lange Traditionen zurück.
Noch heute bildet beispielsweise ein Mondjahr von 354 Tagen die Grundlage des islamischen Kalenders. Dabei beginnt jeder Monat zwei bis drei Tage nach dem jeweiligen Neumond. Bedingt durch die Differenz zum Sonnenjahr mit seinen 365 Tagen wandern die Jahresanfänge durch die Jahreszeiten.

Anders dagegen die Zeitrechnung der alten Babylonier und Ägypter, die ihrem Kalender ein reines Sonnenjahr zu Grunde legten. Allerdings ergaben sich auch hierbei Differenzen, die der babylonische König Hammurabi im Jahr 1800 vor Christus und später dann Julius Cäsar durch Einfügen eines Schaltjahres alle vier Jahre auszugleichen suchten. Im Jahr 46 vor Christus ließ der römische Kaiser das Jahr auf genau 365,25 Tage festlegen. Dies entspricht der Zeit, die die Erde benötigt, um die Sonne zu umrunden. Seither hat der Februar in jedem vierten Jahr 29 Tage.

Da das Sonnenjahr aber ganz genau genommen 365,2422 Tage dauert, verschoben sich im Laufe der Jahrhunderte die Jahreszeiten erneut. Im 16. Jahrhundert hatte beispielsweise der kalendarische Frühlingsbeginn (21. März) zehn Tage Verspätung und rückte somit immer näher zu dem in der Natur beginnenden Sommer. So beschloss 1580 der damalige Papst Gregor XIII., diesen Fehler erneut durch eine Reform korrigieren zu lassen. Im Jahr 1582 erließ er ein Dekret, das vorsah, zum Ausgleich der überzähligen Tage auf Donnerstag, den 4. Oktober unmittelbar Freitag, den 15. Oktober 1582 folgen zu lassen. Auf diese Weise wurden zehn Tage ersatzlos aus der Geschichte gestrichen.

Um es jedoch in Zukunft nicht wieder zu einer Zeitverschiebung kommen zu lassen, verfügte das Kirchenoberhaupt weiter: Alle vier Jahre ist ein Schaltjahr einzuführen, mit Ausnahme der vollen Jahrhunderte, deren erste Ziffern sich durch die Zahl vier teilen lassen.

Alles wäre in bester Ordnung gewesen, wenn die Astronomen später nicht erneut nachgerechnet hätten. Sie fanden prompt einen Fehler in der Rechnung und wiesen nach, dass auch das Jahr 2000 ein Schaltjahr sein muss – obwohl die beiden ersten Ziffern der Jahreszahl durch vier teilbar sind.

(Bild: Bilderbox)

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