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Ausländer: Ab Freitag wird nach Punkten eingewandert

Mit 1. Juli steht das Zuwanderungssystem auf neuen Beinen. Statt über Quoten kommen Bürger aus Nicht-EU-Staaten über die Erfüllung von fachlichen Kriterien nach Österreich. Die notwendigen Punkte für den Erhalt einer "Rot-Weiß-Rot-Card" erringt man etwa über Deutschkenntnisse und einschlägige Fachausbildung.

Im Folgenden das neue System im Detail:

HOCHQUALIFIZIERTE

Besonders hoch qualifizierte Arbeitskräfte können bei den österreichischen Vertretungsbehörden im Ausland ein Visum beantragen, das ihnen in Österreich die Möglichkeit gibt, innerhalb von sechs Monaten einen adäquaten Job zu finden. Gelingt dies, erhalten sie eine Rot-Weiß-Rot-Card und nach einem Jahr (bei mindestens 10-monatiger Beschäftigung) dann eine Rot-Weiß-Rot-Card plus, die einen freien Arbeitsmarktzugang bietet.

Um in diese privilegierte Gruppe zu kommen, müssen 70 von maximal 100 Punkten des Kriterienkatalogs erreicht werden.

Die meisten Punkte zu verdienen (maximal 40) gibt es im Bereich der Ausbildung. Studienabschlüsse bringen etwa 20, eine Habilitation den Höchstwert 40. Auch über den letzten Verdienst in einer Spitzenposition kann man Punkte sammeln – im Idealfall 30, wenn man über 70.000 Euro im Jahr lukriert hat. Ebenfalls Punkte gibt es etwa für wissenschaftliche Auszeichnungen.

Das Konto aufstocken kann man mit bereits absolvierter Berufstätigkeit in Österreich (10) bzw. guten Deutsch- und Englischkenntnisse (15). Wer sein Studium zur Gänze in Österreich bewältigt hat, kann zehn Punkte anschreiben. Je jünger, umso besser lautet ein weiteres Motto. Wer unter 35 ist, bekommt 20 Punkte. Über 45 gibt es überhaupt keinen Punkt mehr.

SCHLÜSSELKRÄFTE

Schlüsselkräfte beantragen bei den Vertretungsbehörden im Ausland oder, wenn sie nicht visa-pflichtig sind, bei den österreichischen Bezirksverwaltungsbehörden ihre Rot-Weiß-Rot-Card. Neben der Erfüllung der verlangten Kriterien müssen sie eine fixe Jobzusage vorweisen. Die muss derart gestaltet sein, dass unter 30-Jährige mindestens 50 Prozent (derzeit 2.100 Euro) und Ältere 60 Prozent der Höchstbeitragsgrundlage (2.520 Euro) brutto verdienen. Zudem muss das AMS eine Prüfung vornehmen, ob die Position nicht auch von einem österreichischen Arbeitnehmer oder einem am Arbeitsmarkt bereits integrierten Ausländer ausgefüllt werden könnte.

Der Kriterienkatalog ist etwas anders gestaltet als bei den Hochqualifizierten. Maximal kann man auf 75 Punkte kommen, 50 reichen.

Die meisten Punkte kann man über die Qualifikation holen, maximal 30 bei Abschluss eines mindestens dreijährigen Studiums. Vier Punkte gibt es pro Jahr Berufserfahrung in Österreich, 15 für Deutsch- und Englischkenntnisse. Bis zum 30. Lebensjahr kann man 20 Punkte buchen, 15 Punkte bis zum 40. Einen Sonderbonus von 20 Punkten gibt es für Profisportler. Bezüglich des Erwerbs der Rot-Weiß-Rot-Card plus gelten die gleichen Regeln wie bei den Hochqualifzierten.

MANGELBERUFE

Fachkräfte in Mangelberufen können vorerst noch nicht von der Rot-Weiß-Rot-Card profitieren. Die für sie geltenden Regeln werden frühestens mit Mai kommenden Jahres in Kraft treten. Was als Mangelberuf gilt, wird jährlich gemeinsam von Sozial- und Wirtschaftsminister festgelegt. Der Kriterienkatalog entspricht dem der Schlüsselkräfte. Dazu muss noch eine Fachkraft-Ausbildung in dem Mangelberuf und eine fixe Arbeitgeber-Zusage vorgelegt werden.

STUDENTEN

Wer ein Studium an einer österreichischen Uni, Fachhochschule oder akkreditierten Privat-Uni zumindest ab dem zweiten Studienabschnitt bestreitet und es mit Master- oder höherem Diplom abschließt, erhält sechs Monate die Möglichkeit, sich am Arbeitsmarkt nach einer Tätigkeit umzusehen. Gelingt dies und der Job entspricht der Ausbildung und wird mit wenigstens 45 Prozent der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage (derzeit 1.890 Euro) entlohnt, erhält eine Rot-Weiß-Rot-Card ohne Arbeitsmarktprüfung.

FAMILIENANGEHÖRIGE

Rot-Weiß-Rot-Card-Besitzer können ihre Ehepartner und Kinder bis 18 nachkommen lassen, wenn diese Deutsch-Basiskenntnisse vorweisen können. Dafür gibt es dann die Rot-Weiß-Rot-Card plus mit dem freien Arbeitsmarktzugang. Von der Deutschpflicht ausgenommen sind die Angehörigen der Hochqualifzierten sowie von Blue-Card-Besitzern (die von der EU initiierte Blue-Card ermöglicht gut verdienenden Hochschulabsolventen den Zugang zum Arbeitsmarkt der Union).

(APA)

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