Ausfall bei UEFA-Übertragung erzürnt TV-Sender und Seher

Der zeitweise Totalausfall der Satellitenübertragung beim ersten EURO-Halbfi­na­le hat auch am Donnerstag noch für Entrüstung gesorgt. Offizielle Erklärung

Fernsehstationen fühlen sich um ihre Quoten betrogen – das deutsche ZDF prüft rechtliche Schritte gegen die UEFA. Die entschuldigte die Bild- und Tonausfälle mit einer “Verkettung unglücklicher Umstände”. Die UEFA übernahm die alleinige Verantwortung und stellte fest, dass den ORF – wie auch die anderen TV-Anstalten – kein Verschulden treffe.

Schuld an den Ausfällen seien Aussetzer im Stromversorgungssystem von weniger als einer Milli-Sekunde sowie das Versagen des Sicherheitssystems gewesen. Beides habe nichts mit dem Wetter zu tun gehabt. “Es war ein rein technisches Problem. Die Ausfälle reichten aus, um das System neu starten zu müssen. Das dauerte dreimal sechs Minuten,” erklärte Alexandre Fourtoy, der Chef der UEFA Media Technology SA, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien. Die UEFA produziert das TV-Signal von der EURO heuer erstmals selbst, sämtliche Sender sind verpflichtet, die offiziellen Bilder zu übernehmen.

Das ZDF prüft bereits, ob Ansprüche gegen die UEFA geltend gemacht werden können. “Da ist ein Quotenschaden entstanden: Durch den Bildausfall haben wir die höchste Zuschauerzahl aller Zeiten verpasst. Viele Zuschauer waren enttäuscht. Darüber werden wir mit der UEFA zu reden haben”, schimpfte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Auch der ORF will mit den Verantwortlichen über deren Vorkehrungen “sehr ernsthaft” reden und klären, ob die eingesetzten Backup-Systeme zur Vermeidung eines Totalausfalls ausreichend waren. Es sei “kaum vorstellbar”, dass “alle Systeme und Sicherungen so vollständig zusammenbrechen, und faktisch die ganze Welt plötzlich ohne Bilder der EURO dasteht”, so ORF-Kommunikationschef Pius Strobl.

Zum Zeitpunkt der Live-Übertragung waren über der österreichischen Bundeshauptstadt schwere Gewitter mit starkem Wind niedergegangen. In vielen Ländern blieben die TV-Schirme für insgesamt 18 Minuten dunkel. Nicht betroffen waren das Schweizer Fernsehen SF1 und der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Dem ORF kamen aufgrund der UEFA-Panne mehrere hunderttausend Seher abhanden. Im Durchschnitt verfolgten 1,033 Millionen Österreicher die zweite Spielhälfte im ORF – in der üblicherweise quotenschwächeren ersten Hälfte waren es noch 1,038 Millionen. Laut ORF-Kommunikationschef Strobl zappten mindestens 500.000 Österreicher zum ZDF, als die Übertragung zusammenbrach.

Der Mainzer Sender hatte nach einem zweiten Stromausfall in Wien das Übertragungssignal des Schweizer Fernsehens SF1 angezapft, das zu dieser Zeit über eine Glasfaser-Direktverbindung aus dem Stadion in Basel als einziges noch verfügbar war. Der ORF hatte aufgrund des starken Unwetters Probleme, das Signal “in ausreichender Qualität” zu empfangen, so Strobl. Streng genommen war das Umschalten von ORF und ZDF zu den Eidgenossen ein Vertragsbruch. Doch UEFA-Verantwortlicher Fourtoy meinte zur spontanen TV-Hilfsgemeinschaft: “Das war ein guter Akt der Solidarität.” Das ZDF verdankte der Panne ein Quotenhoch in Österreich von durchschnittlich 512.000 heimischen Zusehern.

Für das zweite Halbfinale Russland – Spanien und das Endspiel im Wiener Happel-Stadion kündigte die UEFA besondere Sicherheitsmaßnahmen an. Ein nun parallel laufender Diesel-Generator soll verhindern, dass bei Stromausfällen das gesamte Sicherheitssystem neu gestartet werden muss.

Schon vor der Übertragungspanne war übrigens Kritik an der TV-Praxis der UEFA laut geworden. Dass der Veranstalter eines Sportereignisses gleichzeitig auch die TV-Bilder produziert, ist nicht nur bei Medienkritikern umstritten. Es wurden mehrfach Zensur-Vorwürfe erhoben. Bei einigen Partien sind etwa Fußballfans oder Flitzer, die über den Platz liefen, im Weltbild nicht gezeigt worden. Die UEFA wies die Vorwürfe als unbegründet zurück.

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