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Aus für Servus TV: Gewerkschaft über Mateschitz-Aussagen "entsetzt"

Scharfe Kritik von AK und GPA an Mateschitz-Sager - den Rücken bekommt der Red-Bull-Chef dennoch gestärkt.
Scharfe Kritik von AK und GPA an Mateschitz-Sager - den Rücken bekommt der Red-Bull-Chef dennoch gestärkt. ©APA/dpa
Gewerkschaft und Arbeiterkammer haben "fassungslos und entsetzt" auf die Aussagen von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz zum Ende von Servus TV reagiert. Hinter das Unternehmen stellten sich indes die - schockierten - Mitarbeiter des vor dem Aus stehenden Fernsehsenders aus dem Hause Red Bull.

“Die jetzt an den Tag gelegte Haltung ist eines Herrn Mateschitz nicht würdig”, erklärte Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg. “Wir leben in Österreich und nicht auf irgendeiner Bananenrepublik.”

Servus TV aus dem Hause Red Bull hatte am Dienstag überraschend mitgeteilt, seinen Betrieb bald einzustellen. Der Grund: Es rechnet sich schlicht nicht. Wann genau Schluss sein soll, wurde nicht verraten, kolportiert wird Ende Juni. 264 Mitarbeiter müssen gehen. Politik und Branche zeigten sich bestürzt.

AK-Präsident “platzt der Kragen”

“Was soll an der Vorgehensweise über Betriebsratswahlen nachzudenken nicht dienlich sein?”, fragt AK-Präsident Siegfried Pichler in der gemeinsamen Aussendung mit Forcher. Ihm platze der Kragen, wenn so über die betriebliche Mitbestimmung gedacht werde. Sich gewerkschaftlich zu organisieren sei ein Grundrecht.

Mateschitz: Betriebsratsidee “nicht gerade dienlich”

Mateschitz hatte zuvor bestätigt, dass Initiativen zur Gründung eines Betriebsrats mit dem Aus des Senders zusammenhängen. “Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation nicht gerade dienlich war, ist evident”, erklärte er in einem Statement gegenüber der APA.

Trotz Kritik: Forcher und Pichler stärken Matschitz auch den Rücken

Die beiden Arbeitnehmervertreter Forcher und Pichler stärken Mateschitz – und somit dem wichtigen Salzburger Arbeitgeber Red Bull – allerdings auch den Rücken. “Wir haben Herrn Mateschitz bislang als sehr verantwortungsvollen und ehrbaren Unternehmer geschätzt, der sich auch seiner sozialen Verantwortung stets bewusst war.” Der laut “Forbes” reichste Österreicher sei für seine Weitsichtigkeit und besonnene Entscheidungen bekannt.

AK und GPA orten anderen “wahren Grund für Aus”

Dass Servus TV seinen Betrieb einstellt, sei auf die erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zurückzuführen, sind AK und GPA überzeugt. “Das ist der wahre Grund für das Aus bei Servus TV, und nicht weil einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über einen Betriebsrat nachgedacht haben.” Den Vorwurf, dass die Betriebsratsidee von außen gesteuert worden wäre, weisen sie zurück. Eine Wahl würde aber unterstützt.

Der Salzburger Getränkekonzern Red Bull mit über zehntausend Mitarbeitern weltweit und Firmensitz in Fuschl am See selbst hat ebenso wie das Red Bull Media House keinen Betriebsrat, wie Forcher gegenüber der APA bestätigte.

Mitarbeiter unterschrieben gegen Betriebsratsgründung

Daneben unterschrieben 200 Mitarbeiter des vor dem Aus stehenden Fernsehsenders einen Offenen Brief, in dem sie sich gegen einen Betriebsrat aussprechen. “Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir – und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von ServusTV – ausdrücklich nicht”, heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben.

Servus-TV-Mitarbeiter stellen sich hinter Mateschitz

“Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat”, halten die Mitarbeiter fest. “Darüber hinaus verbitten wir uns ausdrücklich jedwede (auch gewerkschaftliche) Einmischung und Stellungnahme von außen.” Ihnen sei kein Unternehmen bekannt, das einen derart sozialen und loyalen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflegt, wie Servus TV bzw. Red Bull.” Es gebe zudem mehrere Hinweise, dass die anonyme Initiative womöglich von außerhalb des Unternehmens angestoßen wurde.

“Es ist ein Schock”

“Es ist ein Schock” schreiben die Mitarbeiter zu der auch für sie überraschenden Entscheidung. “Sieben Jahre lang hatten wir die Gelegenheit an einer Vision von einem anderen Fernsehen mit zu bauen, das es so nirgendwo gibt und damit einzigartig ist. Ein Programm mit Anspruch, positiver Grundhaltung und politischer Unabhängigkeit. Weit weg von Trash und bad news.”

Angetreten war Servus TV 2009 als Qualitätsfernsehen. Es erntete gute Kritiken und Preise, fuhr aber schwache Quoten ein. 2012 übersprang man erstmals die Ein-Prozent-Marke beim Marktanteil (Zielgruppe ab zwölf) auf 1,2 Prozent. 2013 und 2014 waren es 1,5 Prozent und 2015 1,7 Prozent, im April 2016 wieder 1,5 Prozent. Über 2 Prozent im Monatsschnitt gab’s nicht allzu oft – etwa, wenn Felix Baumgartner für Red Bull aus dem Weltall auf die Erde sprang.

Medienbranche- und politik reagieren bestürzt

Medienbranche und -politik haben am Dienstag gleichermaßen bestürzt das angekündigte Aus für Servus zur Kenntnis genommen. RTR-Medienchef Alfred Grinschgl sprach von einem Verlust, der Verband Österreicher Privatsender sah ein “Alarmsignal” für die Medienpolitik. Die Mediensprecher von SPÖ und ÖVP äußerten Bedauern, die Opposition forderte Reformen bei der Rundfunk-Finanzierung.

Red Bull Media House: Imperium im Namen der Dose

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Mit einem Umsatz von 51,45 Millionen Euro (2014) und rund 900 Mitarbeitern unter seinem Dach zählt die Red Bull Media House GmbH zwar nicht zu den größten Medienunternehmen im Land, allerdings zu den jüngsten und aufstrebendsten. Umso schmerzlicher ist für das 2007 eingetragene Unternehmen mit Sitz im Salzburger Wals die Einstellung seines österreichischen Fernsehsenders ServusTV.

Fuschl. Alleiniger Gesellschafter des Red Bull Media House ist der Energy Drink-Multi Red Bull, der seit Jahren immer stärker auch zur Medienmarke wurde. Unter seinem Dach hat Konzern-Chef Dietrich Mateschitz seine verschiedenen Medienbeteiligungen und -neugründungen gebündelt. Der Strauß ist bunt, exklusiv und unterscheidet sich vom Geschäftsmodell zumeist recht deutlich von herkömmlichen Medienunternehmen, in deren Revier Mateschitz wildert. Servus TV ist es seit seiner Inbetriebnahme am 1. Oktober 2009 gelungen, vom Exoten zum etablierten Qualitätssender aufzusteigen.

Neben Servus TV, dessen Einstellung am Dienstag angekündigt wurde, hält die Red Bull Media House GmbH laut Website noch zwei weitere Fernseh-Marken: Die digitale Plattform Red Bull TV und den Doku-Produzenten Terra Mater Factual Studios. Im Print-Bereich setzt man mit den Formaten “The Red Bulletin”, Servus in Stadt & Land”, “Terra Mater”, dem “Seitenblicke”-Magazin, “#ICH” und “Bergwelten” auf Hochglanz-Information. Die Frequenz des “Seitenblicke Magazins” wurde erst im März von 14-tägig auf monatlich heruntergestuft.

Deutlich ausgebaut wurde in den vergangenen Jahren das App- und Online-Angebot. Zudem versucht Mateschitz mit “Red Bull Records”, “Red Bull Music Publishing” und dem “Red Bull Music Academy Radio” im Musikmarkt Fuß zu fassen.

Selbst bezeichnet sich das Red Bull Media House auf seiner Website als “multi-platform media company” mit dem Schwerpunkt auf Sport, Kultur und Lifestyle. Dabei wird nicht nur auf gängige Medienproduktion gesetzt, auch Inhalte werden vertrieben. Der Zielmarkt ist – wie die berühmte Dose – die ganze Welt: So ist das Männer-Lifestyle-Magazin “The Red Bulletin” mit einer Auflage von zwei Millionen Stück im Monat Zeitungen in Österreich, Frankreich, Deutschland, Irland, Mexiko, Südafrika, der Schweiz, Großbritannien, den USA und Südkorea beigelegt.

Neben Mateschitz ist seit der Gründung am 8. August 2007 der frühere ORF-Technikdirektor Andreas Gall Geschäftsführer der Red Bull Media House GmbH. Im Dezember 2011 stieß Christopher Reindl zum Team. Einen Kurzauftritt gab es 2011 von Horst Pirker. Der ehemalige Styria-Vorstand und nunmehrige Vorstandschef der Verlagsgruppe News (VGN) schied allerdings aus familiären Gründen nach neun Monaten wieder aus.

Im Firmenbuch wird der Umsatz für das Jahr 2014 mit 51,45 Mio. Euro beziffert, im Jahr davor waren es 37,57 Mio. Euro. Beschäftigte im Konzern allein: 272 Mitarbeiter. Im österreichischen Medienhäuser-Ranking, das jährlich von “Standard”-Redakteur Harald Fidler erstellt wird, scheint das Unternehmen auf Platz 16 auf. (APA/red)

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