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Auktion aus Prawy-Nachlass: Plastiksackerln verkauften sich gut

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Rund 200 Marcel Prawy-Freunde fanden am Donnerstag Abend in die Wien-Bibliothek des Wiener Rathauses.

Ab 19.00 Uhr sollten Bücher und Plastiksackerl aus dem Nachlass des 2004 verstorbenen, legendären Opernführers versteigert werden. Viele der Gäste begnügten sich aber offensichtlich mit den Begutachten der im Vorfeld aufgebauten Exponate und des Prawy-Flohmarktes; Bei der Auktion selbst blieben entgegen den Erwartungen der Veranstalter etliche Plätze frei.

Nur etwa 40 Gäste steigerten tatsächlich mit, der Reinerlös von rund 3.500 Euro fließt in die Prawy-Forschung. Von den vielen eingeladenen Prominenten ließ sich kaum einer sehen. Lediglich Prawy-Witwe Senta Wengraf verfolgte das Geschehen aus der ersten Reihe. Selbst Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) hatte seine Eröffnungsrede kurzfristig abgesagt – er musste in Vertretung von Bürgermeister Michael Häupl (S) nach Istanbul zu einer Bürgermeisterkonferenz. So blieb es Klassik-Auskenner und Promi-Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz überlassen, die Auktion einzuleiten.

Ganz Prawy-Intimus, kam auch er mit Plastiksackerl und sang Loblieder auf den Meister: Prawy habe es geschafft, die Oper weg vom elitären Zirkel der Krawattenträgern zur Popularmusik zu machen und die Musik auf das Niveau seiner Begeisterung zu ziehen. Prawy sei es auch gewesen, der als „hochprofessioneller Producer“ die ersten großen Musicalproduktionen Europas – etwa „Showboat“ an der Volksoper 1971 – aus den USA nach Wien holen konnte, der selbst bei den Proben gesessen, Zeiten gestoppt, Bühnenbilder organisiert habe und stolz darauf gewesen sei, wenn er zwölf Kostüme einsparen konnte.

Solcherart eingestimmt, überließ Wagner-Trenkwitz das Auktionsfeld dem ebenfalls hochprofessionellen Kinsky-Versteigerer Otto Hans Ressler. Mit viel Wortwitz ging dieser daran, die rund 160 aufliegenden Stücke – sechs Plastiksackerl, ansonsten nur Buch-Dubletten (Ausgaben, die im Nachlass mehrfach vorhanden sind) – an die Meistbietenden zu verkaufen. Taktisch klug bot man zum Auftakt nur die ersten drei – handbeschriebenen – Sackerln an: „SPAR – Regio, Ital. Stagione (VO) Juni 1956“, ausgerufen um 10 Euro, ging um respektable 65 Euro weg. „Columbia, CA R. Strauß Ausstellung, Vortrag, Holm, 3/9/79“, ebenfalls um 10 Euro angeboten, brachte gar 100 Euro. „Konditorei Zauner, Bad Ischl, Gelsenkirchen“ schaffte immerhin 75 Euro.

Bei den folgenden Bücher ebbte das Interesse spürbar ab: Der weitgehend mit 10 Euro angesetzte Ausrufungspreis wurde selten übertroffen und wenn, dann nicht hoch. Das teuerste Buch – „Alma Maria Mahler (Hrsg.): Gustav Mahler. Briefe 1879-1911. Paul Zsolnay 1924, 492 Seiten“ – ging um 45 Euro weg; der Ausrufungspreis lag allerdings in diesem Fall schon bei 30 Euro. Lediglich sieben weitere Bücher brachten 30 oder mehr Euro. 32 fanden keinen Käufer.

„Das Wetter an diesem Abend war sehr schön, und die Stücke eben nur Dubletten“, kommentiert Wien-Bibliothek-Sprecherin Suzie Wong den relativ schwachen Andrang. Als Bibliothek könne man aber keine Widmungsexemplare versteigern. Primär sei es bei der Auktion ja nicht um Werte, sondern um Mittelwerbung für die Weiterführung der Prawy-Forschung gegangen.

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