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Aufsehen erregende Mordprozesse in Wien

Bild: Bilderbox
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Zwei spektakuläre Mordprozesse werden demnächst im Wiener Straflandesgericht für Medien- und Publikumsinteresse sorgen.

Am 25. Jänner muss sich jener 30-jährige Fleischhauer vor Geschworenen verantworten, der seine Freundin in ihrer Wohnung in Favoriten getötet, zerstückelt und monatelang in einem Raum mit den Leichenteilen gelebt haben soll, die er im Kühlschrank abgelegt hatte. Am 1. Februar wird im Großen Schwurgerichtssaal der so genannte Grazer Hackenmord-Prozess wiederholt.

Arbeiter machten am 19. Juni 2006 bei Entrümpelungsarbeiten in einem Haus in der Quellenstraße eine grausige Entdeckung: In einem im Innenhof abgestellten Kühlschrank, der auf Geheiß des Hausbesitzers entsorgt werden sollte, fanden sich fünf Leichenteile. Die Polizei entdeckte wenig später in einem Müllcontainer im Stiegenhaus auch den zunächst fehlenden abgetrennten Kopf.

Dabei handelte es sich um die sterblichen Überreste der 32-jährigen Ulrike H., die seit über einem halben Jahr als vermisst galt. Wie die Ermittlungen ergaben, dürfte die Frau von ihrem letzten Freund, dem 30 Jahre alten Rainer N., bereits im Oktober 2005 getötet worden sein. Staatsanwältin Michaela Schnell ist davon überzeugt, dem Mann den Mord nachweisen zu können, zumal dieser unmittelbar nach seiner Festnahme die Tat gestanden hatte.

Wie sein Verteidiger Christian Werner im Gespräch mit der APA darlegte, will der 1,90 Meter große Hüne bei der Hauptverhandlung eine Notwehrsituation geltend machen: „Er sagt, die Frau sei mitten in der Nacht plötzlich mit einem Messer neben ihm am Bett gestanden.“ Da habe er „reagiert“.

Fest steht, dass der Fleischhauer am Morgen danach die Leiche der Frau, die er laut Anklage im Drogenmilieu kennen gelernt haben soll, in der Dusche zersägt hatte. Die Arme, die Beine, den Torso und den Kopf gab er in den Eiskasten. Drei Monate lebte er dann ungerührt in der Wohnung von Ulrike H., ehe ihm die Situation offenbar doch zu viel wurde: Er brachte den Kühlschrank in den Hof, wo in einem Holzverschlag altes Gerümpel abgestellt wurde, und tauchte unter.

Im Fall eines Schuldspruchs droht ihm lebenslange Haft. Theoretisch muss jene 46-jährigen Grazerin mit derselben Strafe rechnen, die sich am 1. Februar zum bereits dritten Mal wegen Doppelmordes vor einem Geschworenensenat zu verantworten haben wird – diesmal allerdings nicht in der steirischen Hauptstadt, sondern in Wien, wohin das Verfahren auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs (OGH) delegiert worden ist.

Die Frau hatte am 28. Juli 2005 ihre 17 und 14 Jahre alten Söhne im Schlaf mit einer Axt erschlagen. „Ich wollte nicht, dass es ihnen auch so schlecht geht wie mir“, lautete die Erklärung der an schweren Depressionen leidenden Uhrmachermeisterin. Sie habe ihre Kinder „erlösen“ wollen.

Ein vom Gericht bestellter Psychiater stufte die Mutter als zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig ein. Im ersten Rechtsgang wurde sie dessen ungeachtet als schuldfähig angesehen, zu 15 Jahren Haft verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Der OGH hob dieses Urteil jedoch im Hinblick auf das Gutachten auf und ordnete eine Neudurchführung des Verfahrens in Graz an. Am 7. September 2006 kamen neue Geschworene zum selben Ergebnis wie beim ersten Mal: Sie sprachen der 46-Jährigen die Zurechnungsunfähigkeit ab und erkannten neuerlich auf Mord. Darauf hin setzten die drei Berufsrichter den Wahrspruch wegen Irrtums der Geschworenen aus.

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