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Aufregung um Gletscher-Ehe in Tirol

Unterschriftensammlung gegen Zusammenschluss seit knapp drei Wochen online
Unterschriftensammlung gegen Zusammenschluss seit knapp drei Wochen online ©ILF | ÖAV | Lebensraum Pitztal
Der Widerstand gegen einen geplanten Zusammenschluss der Tiroler Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal hat zunehmend an Unterstützung gewonnen.

Eine Online-Petition gegen die "Gletscherehe" erreichte Montagmittag 45.000 Unterschriften. Doch vergangene Woche meldeten sich auch Befürworter des Projekts zu Wort. Die Plattform "Lebensraum Pitztal" erhofft sich wirtschaftlichen Aufschwung.

Die Plattform, bestehend aus Pitztaler Jungunternehmern, wollte sich vorige Woche Gehör verschaffen und überreichte Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) einen offenen Brief. Der Tourismus sei wirtschaftliche Grundlage des Pitztales, "die infrastrukturelle Weiterentwicklung der Gletscherbahn ist somit eng mit der Weiterentwicklung der ganzen Region verbunden". Naturschutz und touristische Weiterentwicklung im Pitztal würden sich außerdem nicht ausschließen, hieß es darin.

(c) Lebensraum Pitztal

Gegner machen mobil

Dem gegenüber stehen Umwelt-NGOs, etwa Alpenverein, WWF und die Naturfreunde. Sie machen schon seit geraumer Zeit gegen das Vorhaben mobil und fürchten eine nachhaltige Beeinträchtigung des Naturhaushaltes auf dem bisher unberührten Gletscher. Die Ausbaugrenzen seien schlicht erreicht. Dieser Ansicht ist auch Gerd Estermann, der die Online-Petition ins Leben gerufen hatte. Er fordert die Festlegung von verbindlichen Ausbaugrenzen und eine Novellierung des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Er zeigte sich überzeugt, dass vor allem die geplante Sprengung des Berggipfels am Linken Fernerkogel die Menschen zum Unterschreiben der Petition mobilisieren würde, teilte er mit.

aufstehn.at

Unterdessen werden Gutachten für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingeholt. Eine mündliche Verhandlung soll Anfang Dezember stattfinden. Da aber noch nicht alle Gutachten vorliegen, könnte sich das Prozedere verzögern.

Regierung stellt Projekt "außer Streit"

Die Tiroler Regierungsparteien ÖVP und Grüne berufen sich jedenfalls auf das Behördenverfahren. Im Regierungsprogramm hielt man fest, dass das Projekt "außer Streit gestellt" wird. Die Grünen sprachen sich aber gegen den Zusammenschluss in der geplanten Form aus und wünschen sich nur eine Überspannung zur Fusion der Skigebiete.

Konkret geht es um die geplante Errichtung des "größten zusammenhängenden Gletscherskigebiets in Europa". Mit zusätzlichen 64 Hektar an Skipisten sollen die Lifte im Ötztal mit jenen im Pitztal verbunden werden. Drei Seilbahnen, ein asphaltierter Speicherteich und die Planierung, Überschüttung sowie Abtragung von 72 Hektar gewachsenem Gletscher stehen laut den Umweltorganisationen etwa am Plan. Auch ein 600 Meter langer Skitunnel und die Schleifung eines Berggrats am Linken Fernerkogel um 40 Höhenmeter sind vorgesehen.

Österr. Alpenverein

Projektbewerber sehen Fehlinformation

Die Projektbewerber des Zusammenschlusses der Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal sehen Fehlinformationen in der Diskussion rund um die geplante "Gletscherehe". Eine Sprengung des Gipfels des Linken Fernerkogel sei kein Thema. Dies sei eine bewusste Falschmeldung. "Das ist unrichtig und widerspricht schlichtweg den Tatsachen", teilten die Projektbewerber am Montag in einer Aussendung mit.

"Die Kampagne der Gegner von Pitztal-Ötztal setzt einen neuen Tiefpunkt. Suggeriert wird die Sprengung des Linken Fernerkogel, eine bewusste Fehlinformation, die von den Projektbewerbern kategorisch zurückgewiesen wird", hieß es in der Aussendung der Pitztaler Gletscherbahnen und der Bergbahnen Sölden. Bei der geplanten Begradigung einer Felskuppe handle es sich um eine Gratspitze. Die Begradigung dieser Spitze werde zu einer Gipfelsprengung hochstilisiert, so die Projektbewerber.

Der Gipfel des Linken Fernerkogel werde zu keinem Zeitpunkt von den Projektarbeiten für einen Zusammenschluss der Gletscherskigebiete berührt. Auch die kolportierten 750.00 Kubikmeter Gesteinsabtrag seien völlig aus dem Kontext gerissen. Wahr sei vielmehr, dass für die Begradigung der Gratspitze, auf der eine Zwischenstation einer Verbindungsbahn errichtet werden soll, 120.000 Kubikmeter an Erdbewegung nötig sind, hieß es seitens der beiden Skigebiete.

(APA)

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