Aufregung über Pensionierungen

Für Aufregung sorgt die Pensionierung und Nichtverlängerung von Verträgen von Tänzern und Tänzerinnen des ab Herbst fusionierten Balletts von Staats- und Volksoper - Betriebsrat erwägt rechtliche Konsequenzen.

Die bisherige Zahl von 109 Planstellen der beiden Häuser soll auf 101 reduziert werden. Im Betriebsrat des Staatsopernballetts erwägt man rechtliche Schritte gegen die Pensionierungen.

Frühpension für Publikumslieblinge

Aus dem Ensemble des Staatsopernballetts wurden fünf Tänzerinnen und Tänzer, darunter Publikumslieblinge wie die Ersten Solotänzer Eva Petters und Jürgen Wagner gegen ihren Willen in Frühpension geschickt, sagte Tänzer-Betriebsrätin Gerit Schwenk auf Nachfrage der APA. Solotänzer Christian Rovny geht aus gesundheitlichen Gründen im gegenseitigen Einverständnis in Frühpension, aus Altersgründen pensioniert wird Solotänzer Christian Tichy. Von weiteren zwölf Ensemble-Mitgliedern wurden die Verträge nicht verlängert: Die Solisten Simona Noja, Gregor Hatala und Margaret Illmann sollen eine Option auf Gastverträge erhalten; andere Betroffene, wie der Solist Tomislav Petranovic, hingegen nicht.

Die Frühpensionierungen seien angesichts der Ruhensbestimmungen bei ohnehin nicht hohen Gehältern und Pensionen eine “Überlebensfrage“ für die Betroffenen, so Schwenk. Wer nicht 28 Dienstjahre zusammenbringe, sei mit hohen Abschlägen konfrontiert. So werde etwa einer der frühpensionierten Corps de Ballett-Tänzer mit 54 Prozent seines bisherigen Gehalts auskommen müssen. „Es sind künstlerische Entscheidungen. Wir haben da rechtlich nichts in der Hand, wir können nur auf Goodwill plädieren“, so Schwenk. Anfang April beginnen die Kollektivvertrags-Verhandlungen. Ende der Woche werde man bei einem Anwaltstermin die rechtlichen Möglichkeiten klären, so Schwenk.

Kritik an „Zweiklassengesellschaft“

Schwenk kritisiert auch eine geplante „Zweiklassengesellschaft“ im fusionierten Ballett von Staats- und Volksoper. Eine Gruppe des Ensembles werde künftig nur mehr für Opern- und Operetteneinlagen, die andere für Ballettabende an beiden Häusern eingesetzt werden, so Schwenk. Dass die Tanz-Einlagen-Gruppe auch weiterhin für Tanz-Aufführungen herangezogen werden könnte, kann sie nicht recht glauben. Auch der Ankündigung von Gastverträgen für die nicht verlängerten Solisten steht sie skeptisch gegenüber.

In der Volksoper wurden von 30 Ensemblemitgliedern sieben Verträge nicht verlängert. „Das tut weh, weil es anders ausgemacht war“, so Josef Luftensteiner, geschäftsführender Vorsitzender des Betriebsrats, gegenüber der APA. Der neue Leiter Gyula Harangozo habe ursprünglich von höchstens zwei Nichtverlängerungen gesprochen, dann aber zehn Nichtverlängerungen ausgesprochen. Zwei davon seien nach Verhandlungen allerdings wieder zurückgenommen worden, eine Tänzerin sei freiwillig gegangen. Frühpensionierungen gibt in der Volksoper keine.

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