Auch Mutter wird heuer ein Jahrhundert alt

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Nicht nur der Muttertag, auch eine dreifache Mutter feiert heuer ihren 100. Geburtstag: Theresia Schnattinger, am 13. September 1907, also noch zu Kaiser Franz Josephs Zeiten in der Monarchie geboren, ist am 13. Mai beinahe ein Jahrhundert alt.

„Ich bin ganz begeistert, wie Sie ausschauen, mit 100“, meinte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S), die ihr am Freitag einen Blumenstrauß überreichte.

„Ich bin noch nicht 100“, insistierte die noch erstaunlich rüstige 99-Jährige, die ihren Lebensabend im Geriatriezentrum SMZ Floridsdorf verbringt, zur allgemeinen Erheiterung der anwesenden Ärzte, Krankenschwestern und Mitbewohner. Sie könne sich noch alleine anziehen, betonte sie außerdem. Sie fühle sich gut hier betreut, lediglich das Essen könnte besser sein, plauderte sie fröhlich drauf los. Auch was sie gerne essen würde, verriet sie: „Schweinsbraten“.

Am heurigen Muttertag, den sie mit ihren beiden noch lebenden Kindern sowie den Enkeln verbringen wird, steht allerdings Ente auf dem Programm. Der Sohn zählt selbst bereits stolze 77 Jahre. Die Tochter wurde 1943 geboren, eine im Jahr 1937 geborene Tochter lebt nicht mehr. Auch ihren Ehemann, einen Bauern, überlebt sie bereits seit mehreren Jahrzehnten.

Theresia Schnattinger, ursprünglich in Lechwitz bei Znaim (im heutigen Tschechien, Anm.) geboren, hat in ihrem Leben viel gesehen und erlebt: Zwei Weltkriege und auch die Vertreibung der deutschen Bevölkerungsmehrheit ihres Gebietes bis ins Jahr 1946 hinein. Sie selbst verließ mit ihren Angehörigen den Ort 1946 und zog in den Bezirk Hollabrunn nach Niederösterreich. Zwar hätte sie um die tschechische Staatsbürgerschaft ansuchen können, meinte sie. Doch das war nicht ihr Wunsch: Das Vermögen hätte man ihnen auf jeden Fall weggenommen, zudem spreche sie kein Wort Tschechisch.

Ihre schönste Zeit sieht die agile 99-Jährige in ihrer Jugend bzw. als die Kinder klein waren. Schwere Zeiten habe sie nach den beiden Weltkriegen erlebt. So habe es nach dem Ersten Weltkrieg keinen Zucker, kein weißes Mehl, keine Schokolade und „wenig Schule“ gegeben, meinte sie. Von den vier Jahren Krieg habe sie vielleicht zwei Jahre die Schule besucht. Für Frauen hat sich die Situation nach Ansicht Schnattingers im Laufe der Jahrzehnte nicht verbessert: „Für Frauen ist es schlechter geworden, weil es mehr Scheidungen gibt.“

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