Asche des Wiener Psychoanalytikers Adler in Schottland entdeckt

Alfred Adler war der "Erfinder" des Minderwertigkeitskomplexes, er entwickelte auf der Psychoanalyse Sigmund Freunds aufbauend die "Individualpsychologie". Fast 74 Jahre nach seinem Tod wurde nun die lang verschollene Asche des Arztes gefunden.

Am 28. Mai ist der Wiener Psychoanalytiker Alfred Adler im Alter von 67 Jahren vermutlich an einer Herzattacke in Aberdeen gestorben. Fast 74 Jahre später wurde nun die verschollen gewesene Asche des Arztes vom österreichischen Honorarkonsul in Schottland, John Clifford, in einem Krematorium in Edinburgh entdeckt. Darüber berichteten schottische Medien und die Gratis-Zeitung “heute” (Montag-Ausgabe).

Massiver Stress dürfte nach Meinung seiner Familie zum Ableben Adlers beigetragen haben, sagte die in Amerika lebende Enkelin Margot Adler dem “Guardian”. Der Wissenschafter hatte damals von der Inhaftierung seiner ältesten Tochter Valentina, einer überzeugten Kommunistin, in einem sowjetischen Gulag erfahren. Das Aufkommen des Faschismus machte Adler ratlos. Am 28. Mai 1937 ist er schließlich während einer Vortragsreise durch Europa in Aberdeen zusammengebrochen und gestorben. 

Adlers Asche blieb in Edinburgh

Die Feuerbestattung sei in der Familie üblich gewesen, so Margot Adler. “Edinburgh war der einzige Ort, wo zu dieser Zeit der Leichnam Adlers verbrannt werden konnte”, betonte Clifford gegenüber “scotman.com”. “Seine Familie kam zur Bestattung, aber seine Asche blieb zurück.”

Clifford hat die Überreste Adlers nun in einem Krematorium – nur einige hundert Meter vom Konsulat entfernt – entdeckt. In den nächsten Wochen sollen sie nach Wien überstellt werden. Beim von Adler 1912 in Wien gegründeten Verein für Individualpsychologie war am Montagvormittag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der überzeugte Sozialdemokrat Alfred Adler wurde am 7. Februar 1870 als Sohn eines jüdischen Getreidehändlers in Wien-Rudolfsheim geboren. Als Kind litt Adler, wie er später diagnostiziert hatte, an einer “Organminderwertigkeit”, einer seiner Bausteine in seinen späteren Lehren: Er hatte Rachitis und einen Stimmritzenkrampf. Er war ein “mittelmäßiger Schüler” mit Schwierigkeiten im Zeichnen und in Mathematik. Vom Lehrer als “unbegabt” beurteilt, gelang es Adler dann einmal, eine außergewöhnlich schwierige Aufgabe zu lösen, worauf er zum besten Mathematikschüler der Klasse wurde. Dieser selbst-erlebte “Begabungswandel” hat Adler Zeit seines Lebens kritisch gegen den Begriff “Begabung” gemacht.

Alfred Adler und Sigmund Freud

1902 begegnete Adler erstmals Sigmund Freud und nahm von da an an dessen Mittwochabend-Sitzungen teil, wo er in der Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse seine eigenen psychologischen Ansätze entwickelte. 1907 veröffentlichte er seine “Studie über die Minderwertigkeit von Organen” und zeigte so, dass er sich auf seiner eigenen Bahn weiterbewegte. 1911 kam es zum Bruch mit Freud.

Adler gründete seinen eigenen Verein und begann sein eigenes System aufzubauen, die Individualpsycholgie. Diese wurde bald in der Fachliteratur als Alternative zur Psychoanalyse anerkannt, ein wachsender Schülerkreis unterstützte ihn in seinen Bemühungen. Nach dem Ersten Weltkrieg widmete sich Adler Fragen der Erziehung.

(apa)

 

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