Arnold Schwarzenegger im Exklusiv-Interview

Arnold Schwarzenegger spricht über die R20-Umweltkonferenz in
Arnold Schwarzenegger spricht über die R20-Umweltkonferenz in ©EPA
Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger veranstaltet seine erste Umweltkonferenz in Wien. Für internationale Prominenz ist gesorgt. Im Interview spricht er über grünen Visionen, fette Autos und sagt, warum es bei ihm nach Pommes Frites stinkt.

 Ende Jänner lädt Arnold Schwarzenegger, früherer Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien und Ex-Mister-Universe, zur ersten R20-Umweltkonferenz nach Wien. Bei dem medial viel beachteten Treffen wird am 31. Jänner und 1. Februar in der Akademie der Wissenschaften über den Energiemix der Zukunft, die Bedeutung von grünen Energien sowie über neue Technologien und Umsetzungsstrategien diskutiert.

Neben José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission, und Unido-Generaldirektor Kandeh Yumkella, werden unter anderen Rumäniens Premier Victor Ponta samt Umweltministerin Rovana Plumb anwesend sein. Bundeskanzler Werner Faymann will anlässlich des Umweltgipfels sogar heimische und internationale Prominenz zum Galadiner ins Kanzleramt bitten.

 Großer Run auf R20-Umweltkonferenz in Wien

Auf vienna.at-Anfrage heißt es seitens der Event-Organisatoren, dass der Run auf die Veranstaltung „erfreulich hoch“ sei. Demnach werden über tausend Studenten Schwarzeneggers Umweltrede lauschen. Während es den „Terminator“ für registrierte Studierende gratis gibt, müssen andere in die Tasche greifen: Ein Business-Ticket kostet 2.200 Euro, für Mitglieder von NGOs und Wissenschafter ist der Eintritt günstiger (Infos dazu auf www.R20vienna.org). „Teilnehmer erhalten nicht nur Tipps, wie sie Unternehmen und ganze Regionen umweltfreundlich und energieeffizient umrüsten können, sondern können sich untereinander schon im Vorfeld des Events austauschen“, sagt Organisator Gernot Friedhuber (Agentur Grace).Im Interview verrät Schwarzenegger, wie er den Abgasen auch privat „hasta la vista“ sagen will.

Schwarzenegger: „Das ist mein nächster Kreuzzug“

Herr Schwarzenegger, Sie kämpfen seit Jahren für Umweltschutz. Nun sind Sie kein Politiker mehr, setzen sich aber mehr denn je für Klimaschutz ein. Warum? Der Kampf für die Umwelt ist mir immer wichtiger geworden. So viel wie jetzt stand noch nie auf dem Spiel. Während meiner Kindheit in Österreich habe ich eine starke Verbundenheit mit der Natur verspürt, die mich mein ganzes Leben lang begleitet hat. Als ich Gouverneur von Kalifornien wurde und Umweltexperten wie meinen Freund Terry Tamminen kennenlernte, erkannte ich, welche Macht ich hatte, etwas Positives zu bewirken. Ich konnte Gesetze erlassen und andere US-Staaten zum Handeln motivieren. Leider musste ich in meiner Amtszeit auch sehen, wie sich andere Regierungen davor scheuten, das Thema Klimawandel anzugreifen, und auf verwässerte Kompromisse setzten.

Vielleicht weil sie die hohen Belastungen für Unternehmen und den Staat fürchteten?

Es muss unbedingt mehr zum Schutz der Umwelt unternommen werden. Schauen wir uns doch nur an, welche verheerenden Folgen der Klimawandel hat. Hurrikan Sandy ist dafür ein sehr gutes aktuelles Beispiel und zeigt uns, was gerade mit der Welt passiert.

 Was raten Sie also?

 Wir haben bereits die Lösungen vor uns liegen, und ich möchte Teil davon sein. Das ist mein nächster Kreuzzug. Als ich aus der Politik ausgeschieden bin, habe ich R20 gegründet, eine Non-Profit-Organisation, die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zum Ziel hat. Städte, Regionen und ganze Staaten nehmen

Wie umweltbewusst leben Sie?

 Ich bin fest davon überzeugt, dass Umweltschutz keine lästige Pflicht, sondern ein natürlicher Teil des Alltags ist. Meinen Kindern sage ich, dass sie die Lichter ausmachen sollen, wenn sie nicht in ihren Zimmern sind. Ich sage ihnen auch, dass sie nicht lange duschen sollen – das gilt auch für mich selbst. Vielleicht wissen Sie, dass ich ein Autoliebhaber bin, ganz besonders, was meinen Hummer betrifft. Doch ihn habe ich auf Wasserstoff umrüsten lassen. Ein anderes meiner Autos wird mit Pflanzenöl betrieben. Es riecht also ein bisschen nach Pommes frites, wenn ich die Straßen entlang fahre. Damit haben die Leute was zum Reden.

 Sie sollen sich gerade einen Unimog gekauft haben?

 Ja, für mein Haus in Sun Valley. Ich bin gerade dabei, zu prüfen, wie der Motor mit sauberem Treibstoff laufen kann. Klar gibt es Menschen, die mir sagen: „Arnold, du könntest der Umwelt mehr helfen, wenn du einen Prius fahren würdest oder ein anderes kleines Auto.“ Aber nicht jeder kann kleinere Auto fahren, etwa wenn man im Baugewerbe tätig ist oder vier Kinder hat, so wie ich. Also wollte ich zeigen, dass auch große, massive Autos umweltfreundlich sein können – so wie mein Hummer, auf den ich sehr stolz bin.

 Was sagen Sie zu den Österreichern? Sind wir und unsere Politiker umweltbewusst?

 Manche mehr, manche weniger, so wie überall auf der Welt, aber in Summe sind Österreichs Politiker sehr umweltbewusst und haben herausragende Ideen im Bereich Umweltschutz und erneuerbare Energien. Das gilt für alle Österreicher. Sehen Sie, Touristen besuchen Österreich nicht nur wegen seiner wundervollen Bewohner, sondern auch wegen der Schönheit des Landes. Ich glaube, dass wir Österreicher daher eine besondere Wertschätzung und Respekt für die Natur haben und stolz darauf sein können, aktiv für den Umweltschutz zu kämpfen und Energie zu sparen.

 Dabei denken Sie vor allem an Güssing?

 Güssing ist dafür ein tolles Beispiel. Güssing war eine der ersten Gemeinden in der EU, die ihre gesamte Energieerzeugung selbst bewältigt haben. Das ist vor allem deshalb so beeindruckend, weil die Region früher zu den ärmsten Teilen Österreichs zählte. Ich bin davon überzeugt, dass die Österreicher ebenso wie die Ame­rikaner weiter Wege suchen müssen, Energie zu sparen, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu minimieren, und eine Politik, die erneuerbare Energien bevorzugt, vor­ anzutreiben.

Was erwarten Sie sich von der Energiekonferenz Ende Jänner in Österreich?

Events wie dieser sind sehr wichtig, um das Bewusstsein für die Umwelt zu schärfen und Menschen zu begeistern. Als ich Bodybuilder war, hiel­ten viele diesen Sport für ver­rückt. In Seminaren auf der ganzen Welt haben wir den Menschen deshalb erklärt, wie wichtig dieser Sport ist. Und heute ist Workout Mainstream. Was grüne Energien betrifft, verhält es sich genau so. Deshalb freue ich mich so auf die R20­Konferenz in Wien.

Was wird die Veranstaltung bringen?

Es ist eine enorme Chance für Experten und Führungskräfte, sich über effiziente Umweltschutzmaßnah­men auszutauschen. Anhand konkreter Beispiele soll gezeigt werden, dass der Wandel unseres Energiesystems auf regionalem Level ein essenzieller Schritt ist, um eine grüne Wirtschaftspolitik voranzutreiben. Der Schwerpunkt der Konferenz ist die Umsetzung nachhaltiger Energien für die Zukunft. Dabei werden die Teilnehmer der Konferenz und die R20 sowie ihre Partner zeigen, wie die Zusammen­ arbeit zwischen NGOs und Landesregierungen, Wirtschafts­, Finanz­ und Akademikerzirkeln Früchte tragen kann.

 Sie drehen gerade einen neuen Action-film. Fühlen Sie sich mehr als Politiker oder als Schauspieler?

Ich habe mich nie als Politiker gefühlt, sondern als Diener der Bürger. Ich habe das große Glück, beide Berufe ausgeübt zu haben und die Erfahrungen aus beiden Bereichen dafür nützen zu können, um zu handeln und die Welt zu verbessern. Ganz egal, was ich in meinem Leben gemacht habe: Ich habe immer hundert Prozent für den Job gegeben und mein Bestmögliches getan. Ich mache mir keine Gedanken darüber, was ich als Nächstes tue, denn wenn ich darin erfolgreich bin, macht sich schon wieder die nächste Tür auf. Erst vor kurzem habe ich das „Schwarzenegger Institute for State and Global Policy“ eröffnet, um meine Arbeit für die Menschen fortzusetzen.

 Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Kommen Sie nun öfter nach Österreich?

Ich möchte das weitermachen, was  ich liebe und wofür ich Leidenschaft verspüre – dazu zählen meine Familie, der Kampf für die Umwelt und die Verwendung von sauberem Treibstoff. Auch Gesundheit und Fitness sind  mir wichtig, und natürlich will ich auch Filme machen. Das Schöne an meiner Umweltarbeit ist, dass sie  mich immer nachhause nach Österreich führen wird und mich mit Land und Leuten verbindet. Das macht mir große Freude.

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