Arigona sprach mit Pühringer und wird von Pfarrer betreut

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In den Fall der seit zwei Wochen verschwundenen Arigona Zogaj ist am Mittwoch Bewegung gekommen. Landeshauptmann Josef Pühringer (V) teilte in der Früh mit, dass er sich am Dienstagabend mit der 15-Jährigen getroffen habe. Sie werde nun vom Pfarrer von Ungenach, Dechant Josef Friedl, betreut.

Die halbstündige Unterredung im Pfarrhof von Ungenach habe auf ausdrücklichen Wunsch der Schülerin – die nach der Abschiebung des Großteils ihrer Familie in den Kosovo untergetaucht ist – stattgefunden, berichtet Pühriger. Es habe sich um ein „vertrauliches Gespräch“ gehandelt, die Asylfrage sei dabei nicht erörtert worden.

Innenminister Günther Platter (V) will im Fall Arigona weiter die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes abwarten, sei aber „hoch erfreut, dass die junge Frau jetzt in Sicherheit ist“, wie er vor dem Ministerrat sagte. VfGH-Sprecher Christian Neuwirth wies allerdings „mit Nachdruck“ darauf hin, dass man „in einer solchen Situation nicht auf die Entscheidung des VfGH warten kann“. Denn dieser könne keine humanitären Aufenthaltsbewilligungen erteilen.

Laut dem Bürgermeister von Ungenach weiß Platter, wo sich das Mädchen derzeit befinde. Pühringer teilte zu dieser Frage lediglich mit, Arigona sei seit Montag „wieder in Oberösterreich“ und „in Sicherheit“. Seither kümmere sich Dechant Friedl um das Mädchen, der Geistliche habe die 15-Jähriger erst zu diesem Zeitpunkt kennengelernt. Ihr sei außerdem psychologische Hilfe durch Fachleute angeboten worden, so Pühringer.

Er habe ein ein- bis zweistündiges Gespräch mit dem Pfarrer geführt, der von Personen aus der Region gebeten worden sei, sich einzuschalten, berichtete Pühringer im ORF Radio Oberösterreich. Der Geistliche mische sich in die Asylfrage nicht ein, „er ist ein Priester und somit menschlicher Betreuer“. Friedl habe das „volle Vertrauen“ von Arigona, die selbst Muslimin sei.

Pühringer betonte, er unterlaufe die Grundsatzlinie in der Asylpolitik nicht. Er habe eine „Brücke“ zwischen Arigona und der Verwaltung und Politik herstellen wollen und ihr persönliche Hilfe in einer schwierigen Lage angeboten. Es gehe darum, die Situation zu normalisieren. Dazu seien jetzt mehrere Personen aus dem Büro des Landeshauptmannes im Einsatz.

Die Unterstützung von Arigona durch Dechant Friedl ist nach Ansicht von Caritas-Präsident Franz Küberl „im gewissen Sinn als Kirchenasyl“ zu bezeichnen. Im Gespräch mit der APA drückte er seine Hochachtung für den Pfarrer aus. Die Politiker sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Friedl ist laut dem Bürgermeister von Ungenach “überregional“ geschätzt und engagiere sich sehr in der Jugendarbeit. Er betreue auch selbst einige mongolische Asylwerber in seinem Pfarrhof, die aber derzeit nicht von der Abschiebung bedroht seien. Für 13.00 Uhr ist ein Pressebriefing Friedls im Pfarrhof geplant.

Der oberösterreichische Abg. Manfred Haimbuchner von der FPÖ zeigte sich in einer Presseaussendung zwar erfreut, „dass dem Mädchen nichts passiert ist“, wies jedoch darauf hin, dass „ein Straftatbestand vorliegt“. Diejenigen die Arigona bisher versteckt hätten, müssten ausgeforscht werden, verlangte Haimbuchner.


Buchinger will Bleiberecht für Zogajs

Sozialminister Erwin Buchinger (S) hat nach Bekanntwerden des Aufenthaltsortes der 15-jährigen Arigona Zogaj dafür plädiert, der gesamten Familie humanitäres Bleiberecht zu gewähren. Dies sei sowohl seine Auffassung als auch die Position der SPÖ, sagte der Minister nach der Regierungssitzung am Mittwoch. Für die konkrete Umsetzung wäre Innenminister Günther Platter (V) verantwortlich.

Gefragt nach einem generellen Bleiberecht für betroffene Familien verwies Buchinger auf das bei der SPÖ-Klausur beschlossene Modell eines abgestuften Bleiberechts. Demnach sollen betroffene nach sieben Jahren unter bestimmten Bedingungen automatisch ein Bleiberecht erhalten. Zuvor soll es allerdings im zweiten Halbjahr 2008 zu einer Evaluierung des Fremdenrechts kommen.


Pfarrer: “Arigona hat mir sehr schnell vertraut”

Für die 15-jährige Arigona Zogaj, die zwei Wochen verschwunden war und nun ein weiteres Lebenszeichen von sich gegeben hat, wäre es das Schlimmste, abgeschoben zu werden. Das erklärte der Pfarrer von Ungenach (Bezirk Vöcklabruck), Dechant Josef Friedl, der das Mädchen seit Montag betreut, in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch: „Sie hat sehr schnell Vertrauen zu mir gefunden.“

Der Geistliche, der selbst am Samstag an der Demonstration für die Familie Zogaj in Frankenburg (Bezirk Vöcklabruck) teilgenommen hatte, erhielt an diesem Tag einen überraschenden Anruf und wurde gefragt, ob er sich um Arigona kümmern könne. „Ich sagte spontan ja“, berichtete Friedl. Nach mehreren nächtlichen Telefonaten, die für den Pfarrer „etwas Unheimliches“ hatten, fuhr er schließlich am Sonntag mit einem ihm unbekannten Mann über die Westautobahn (A1) bis Wien. Dort passierten sie mehrere kleine Straßen, bis sie stehenblieben und ein Auto rasch vorfuhr, aus dem Arigona mit einem Plastiksack in der Hand stieg.

Auf der Fahrt zurück habe ihm das Mädchen erklärt, dass es große Angst vor der Polizei habe, so Friedl. „Solange du bei mir bist, wird dir nichts passieren“, versicherte er der 15-Jährigen. Das Mädchen habe auf seiner „Flucht“ alle 24 Stunden den Ort gewechselt. Der Priester bestätigte, dass Arigona derzeit in Ungenach sei, sagte aber nicht wo. Sie werde seit ihrer Ankunft rund um die Uhr von einer Frau betreut, berichtete der Pfarrer. Er könne sich sehr gut mit ihr unterhalten: „Ich frage nicht viel, sondern warte, was sie mir erzählt.“ Aber auch das Schweigen sei für ihn als Geistlichen sehr wichtig, betonte Friedl, der der Jugendlichen „mit sehr viel Gefühl“ begegnet.

Körperlich gehe es Arigona gut, berichtete er, psychisch sei sie Schwankungen unterworfen. Selbstmordgefährdet sei sie aber nicht. Sie schlafe jeden Tag bis 10.00 oder 11.00 Uhr, abends schaue sie fern. Seit kurzem läute ständig ihr Handy, berichtete Friedl, der dem Mädchen ein Wertkartentelefon besorgt hat. Arigonas größte Sehnsucht seien ihre beiden jüngeren Geschwister, um die sie sich immer gekümmert habe. „Sie will ein normales Leben führen“, erklärte der Pfarrer. Sie wolle mit ihren Freunden zusammen sein und wünsche sich nichts mehr als in die Schule zu gehen. Eine Kontaktaufnahme zu Arigonas Mutter, die seines Wissens heute, Mittwoch, das Krankenhaus verlassen habe, sei ihm vorerst nicht möglich gewesen.

„Arigona könnte jederzeit gehen, sie ist nicht eingesperrt“, betonte Friedl. Eine Abschiebung brauche sie vorerst nicht zu fürchten, das sei ihm von Landeshauptmann Josef Pühringer und Innenminister Günther Platter (beide V) versichert worden. Der Pfarrer wiederum hat der Jugendlichen versprochen, dass ihr die kommenden zwei Monate – bis zur erwarteten Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs über die Nicht-Erteilung einer Erstniederlassungsbewilligung – nichts passieren werde.

„Die Not eines Menschen darf man nicht parteipolitisch ausnutzen“, betonte Friedl. Zu dem vergangene Woche aufgetauchten Video von Arigona meinte Friedl, dass nicht sie selbst, sondern „jemand anderer“ die Aufnahmen gewollt habe. Eine Instrumentalisierung sei nicht auszuschließen, näher äußerte er sich dazu nicht. Vor einer möglichen Haftstrafe wegen Fluchthilfe habe er keine Angst, so der Pfarrer: „Das wäre eine letzte Erfahrung in meinem Leben“, sagte er.

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