Architekt Wilhelm Holzbauer wird 80

"Ich bekenne mich zu einer Architektur, deren Wurzeln in einer pragmatischen Grundhaltung liegen und nicht in einer ideologischen", schrieb der österreichische Architekt Wilhelm Holzbauer einmal. Am Freitag, 3. September, feiert Holzbauer seinen 80. Geburtstag, ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht.

Totaler Einsatz bei der Akquisition von Aufträgen ist für ihn selbstverständlich, obwohl er Kompromisse beim Bauen ablehnt. Allein in Wien baute der Vielbeschäftigte u.a. Bürobauten in der Lasallestraße, den Andromeda-Turm auf der Donauplatte, ein Einkaufszentrum am Kärntner Ring oder die neue Fassade der Volksoper.

In seiner Geburtsstadt Salzburg, wo er 1930 zur Welt kam, gestaltet Holzbauer das Stadtbild nicht unwesentlich mit. Dort stehen seine wichtigsten frühen Bauten, etwa die Kirche in Parsch oder das Bildungshaus St. Virgil, so wie mehrere Bürogebäude und die Naturwissenschaftliche Fakultät. Prestigeträchtige Holzbauer-Arbeiten stehen auch in Bregenz, wo er 1981 das Landhaus baute, in Amsterdam, wo er 1986 einen Opernneubau realisierte, oder in Baden-Baden, wo er ein mächtiges Festspielhaus an einen alten Bahnhof andockte.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie – von der Gewaltigkeit der Baumassen wie von der Wucht der Architektursprache – kaum zu übersehen sind. Gestalterische Zurückhaltung ist Holzbauers Sache nicht. “Er hat die Gabe, komplizierte Funktions- und Raumprogramme in Computerschnelle in räumliche, einfach überschaubare Konzepte zu übersetzen”, urteilte einmal Architekturkritiker Friedrich Achleitner. Mit der heutigen Architektur kann er unterdessen nicht viel anfangen, die sei nämlich “eigentlich zu einem Design-Wettbewerb verkommen” und zerstöre dadurch den Städtebau.

Nach dem Besuch der Technischen Gewerbeschule in Salzburg studierte Wilhelm Holzbauer Anfang der 50er Jahre, gemeinsam mit Gustav Peichl, bei Clemens Holzmeister an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. 1952 gründete er mit Friedrich Kurrent und Johannes Spalt die legendäre “arbeitsgruppe 4”. 1956 wanderte er allerdings in die USA aus – unter abenteuerlichen Umständen, denn die Überfahrt mit der “Andrea Doria” endete in einer Katastrophe. Holzbauer war unter den Geretteten.

Er lehrte einige Jahre als Gastprofessor in den USA und Kanada. Trotz eines lukrativen Jobangebots von Skidmore, Owings & Merrill (SOM), einem der größten Architekturbüros der Welt aus Chicago, kehrte Holzbauer aber wieder in seine Heimat zurück, als die “arbeitsgruppe 4” den Auftrag für das Kolleg St. Josef bekam. Von 1977 bis 1998 hatte er eine Professur an der heutigen Universität für angewandte Kunst in Wien inne, von 1987 bis 1991 war er deren Rektor. 2000 wurde er mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet.

Weit mehr als 400 Projekte umfasst sein Werksverzeichnis, Entwürfe für Opernhäuser und Theater in Sidney, Paris und Tokio sind ebenso darunter wie U-Bahn-Bauten für Wien, Ankara, Bilbao und Bonn oder Parlamente für Berlin, Straßburg oder Den Haag. Kaum ein großer internationaler Wettbewerb, bei dem Holzbauer nicht eingereicht hätte. Sein letzter großer Bau war der 2006 eröffnete Umbau des Kleinen Festspielhauses zum “Haus für Mozart” in Salzburg, das allerdings von Differenzen um das Vergabe-Verfahren überschattet wurde.

Heute entwirft Holzmeister eher Bürobauten oder U-Bahn-Stationen für die Verlängerung der U1. Der Architekten-Beruf, klagt er, sei durch die vielen EU-Auflagen “sehr kompliziert” geworden.

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