Arbeitsmarkt: Nur jeder zweite sieht für sich gute Jobchancen

Viele Menschen zweifeln an ihren Jobchancen
Viele Menschen zweifeln an ihren Jobchancen ©Pixabay (Sujet)
Der Glaube arbeitender Menschen an die eigenen Fähigkeiten lässt vielerorts offenbar zu wünschen übrig. Viele Beschäftigte unterschätzen laut einer Umfrage nämlich ihren eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt.
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In einer Umfrage im Auftrag der Online-Jobplattform Stepstone schätzen nur 54 Prozent der Befragten ihre Chancen am Arbeitsmarkt als eher oder sehr gut ein. Das gelte auch für Bereiche, die besonders stark nach Personal suchen, wie die Technik- und IT-Branche, Vertrieb oder Handel.

Viele denken über Jobwechsel nach

Gleichzeitig denken viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über einen Jobwechsel nach. In einer Befragung der Arbeiterkammer gab das rund ein Viertel der Teilnehmer an. Konkreter sind die Wechselpläne laut Stepstone-Studie bei 16 Prozent der Beschäftigten. Sie gaben an, kürzlich den Job gewechselt zu haben oder dass sie in naher Zukunft kündigen.

Studie von New Work (früher Xing): Personalsuche große Herausforderung

Umgekehrt haben Unternehmen laut einer Studie von Forsa im Auftrag von XING E-Recruiting Schwierigkeiten, neues Personal zu finden. 60 Prozent der Betriebe gaben an, dass die Personalsuche derzeit eine größere Herausforderung sei als vor der Pandemie. "Wir erleben eine Zeitenwende auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmen müssen sich heute bei Talenten bewerben, nicht umgekehrt", so Sandra Bascha, Leiterin Kommunikation Österreich bei New Work (früher Xing).

Was für Jobsuchende alles zählt

Die Jobsuchenden hätten zudem höhere Anforderungen als früher. Abseits von Gehalt und Aufgabenfeld seien auch die Unternehmenskultur (82 Prozent), Jobsicherheit (78 Prozent) oder flexible Arbeitszeiteinteilung (66 Prozent) wichtige Faktoren. Forsa hat für die Umfrage 2.523 volljährige Erwerbstätige in Deutschland (1.004), Österreich (510) und der deutschsprachigen Schweiz (1.009) sowie 100 Personalentscheider in Betrieben mit Sitz in Österreich befragt.

Unternehmen müssten diese Entwicklung ernst nehmen, meint Stepstone-Österreich-Geschäftsführer Nikolai Dürhammer in einer Aussendung. "Aber dass in Österreich die große Kündigungswelle wie in den USA droht, das sehe ich aktuell nicht", so Dürhammer. "Aufgrund der unsicheren Lage hatten die Menschen bis vor kurzem einfach andere Prioritäten, als den Jobwechsel und Wechselwünsche nicht ausgelebt - diese haben sich sozusagen aufgestaut. Mit dem aktuellen Jobboom löst sich das jetzt auf."

Jobzufriedenheit laut Umfrage wieder gestiegen

Für diese Interpretation spricht auch die Tatsache, dass die Jobzufriedenheit laut Umfrage wieder gestiegen ist. Zwei Drittel der befragten Personen gaben an, mit ihrer beruflichen Situation zufrieden zu sein. Unter Selbstständigen waren es allerdings nur 55 Prozent. Am Unzufriedensten waren die Beschäftigten im Verkauf, aber auch im Gesundheitswesen sind viele nicht glücklich. Froh mit ihrem Job waren am öftesten Menschen die im Marketing, in der PR oder der Werbung arbeiten.

Wandel zum Bewerbermarkt: Unternehmen bewerben sich bei Arbeitenden

"Diese Berufsgruppen erleben jetzt, was in vielen Branchen bald Realität wird: Den Wandel zum Bewerbermarkt", wird Corina Drucker, Studienleiterin und Pressesprecherin von Stepstone Österreich, zitiert. "Um als Unternehmen am Jobmarkt bestehen zu können, muss man alte Glaubenssätze niederreißen und neue entwickeln, wie etwa: Die Unternehmen müssen sich bei den Kandidat*innen bewerben, nicht umgekehrt", so Drucker.

Für die Studie wurden im Jänner 2022 etwas mehr als 2.000 Österreicherinnen und Österreicher von der Marktforschungsagentur MindTake im Auftrag von Stepstone befragt.

(APA/Red)

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