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Arbeitslosigkeit in Österreich sank im November um 5,7 Prozent, in Wien um 5,9 Prozent

Die Zahl der Arbeitslosen ist im November gesunken
Die Zahl der Arbeitslosen ist im November gesunken ©APA (Sujet)
Die Zahl der arbeitslosen Personen inklusive Schulungsteilnehmer ist im Vergleich zum Vorjahr mit Ende November um 5,7 Prozent gesunken. 404.699 Personen waren im November 2017 beim Arbeitsmarktservice vorgemerkt.
Damit habe sich der Rückgang weiter beschleunigt, teilte das Sozialministerium am Freitag in einer Aussendung mit.Wien. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank um 0,8 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Warenproduktion und am Bau aus. Deutlich gestiegen ist die Zahl der dem AMS gemeldeten offenen Stellen, und zwar um mehr als ein Drittel auf 54.745 freie Jobs.

Arbeitslosigkeit im November gesunken: Minus 5,9 Prozent in Wien

17.959 Menschen – und damit um 5,9 Prozent weniger als im Vergleichsmonat – waren im November in Wien arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig stieg die Zahl der Schulungsteilnehmer um 9,5 Prozent auf 33.200 Personen. In Summe ergibt das einen Rückgang um 2,9 Prozent, teilte das AMS Wien am Freitag per Aussendung mit. Unter den 117.959 arbeitslos gemeldeten Personen waren 49.378 Frauen. Das AMS Wien kündigte an, im kommenden Jahr den Fokus ganz besonders auf die Zielgruppe der arbeitslosen Frauen zu legen. “Wir werden bis Ende 2018 für jede einzelne Frau ein Angebot haben, mit jeder werden wir uns gemeinsam anschauen, welcher der richtige und passende weitere Weg sein wird”, versprach AMS-Wien-Chefin Petra Draxl. Ab Jänner werden wöchentlich – auf alle WienerGeschäftsstellen verteilt – Infoveranstaltungen stattfinden, zu denen im Lauf des Jahres sämtliche beim AMS Wien vorgemerkten Frauen persönlich eingeladen werden.

Bei den Unter-25-Jährigen verringerte sich die Arbeitslosigkeit im November um 13,1 Prozent. Auch die Zahl der über-50-jährigen Jobsuchenden sank leicht, nämlich um 1,9 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen, die die Wiener Unternehmen dem AMS meldeten, ist um 33,7 Prozent gestiegen. Nach wichtigen Branchen betrachtet, ist die Arbeitslosigkeit im Bau um 12,1 Prozent gesunken, in Hotellerie und Gastronomie um 9,1 Prozent, in der Warenproduktion um 5,5 Prozent und im Einzelhandel um 7,4 Prozent.

Stöger: Aktive Arbeitsmarktpolitik fortsetzen

Der scheidende Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) sieht im Rückgang der Arbeitslosigkeit einen Beweis für die Wirksamkeit seiner Arbeitsmarktpolitik. Mit der Aktion 20.000 sei auch die Trendwende bei der Langzeitarbeitslosigkeit erreicht. “Diese Politik muss ungemindert fortgesetzt werden, nur dann können wirklich alle Menschen in Österreich von der guten Wirtschaftslage profitieren”, appelliert er. Die Aktion 20.000, mit der 20.000 Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose über 50 Jahren neu geschaffen werden sollen, ist in den letzten Wochen unter Beschuss der Koalitionsverhandler gekommen und könnte zurückgenommen werden. Die Aktion 20.000 läuft derzeit als Pilotprojekt und soll ab 1. Jänner 2018 bundesweit ausgerollt werden. Die Aktion kostet 780 Mio. Euro, wobei laut Sozialministerium davon 580 Mio. Euro das ohnehin fällige Arbeitslosengeld darstellen, die Mehrkosten also bei 200 Mio. Euro liegen.

Arbeitslose in …sterreich im November
Arbeitslose in …sterreich im November

Rückgang bei der Langzeitarbeitslosigkeit

In den neuen Arbeitsmarktzahlen per Ende November ist erstmals ein Rückgang bei der Langzeitarbeitslosigkeit zu verzeichnen. Konkret ging die Zahl jener Arbeitslosen, die länger als 12 Monate vorgemerkt waren, um 2,8 Prozent auf 56.132 zurück. Auch bei den Älteren über 50 Jahren gibt es einen Rückgang um 2,0 Prozent auf 100.985 Arbeitslose. Rückgängig war die Arbeitslosigkeit im November bei Männern (-9,2 Prozent) stärker als bei Frauen (-6,8 Prozent), bei Inländern (-8,8 Prozent) deutlicher als bei Ausländern (-6,3 Prozent). Besonders stark fiel der Rückgang bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) mit einem Minus von 17,1 Prozent aus. Bei behinderten Personen blieb die Arbeitslosigkeit mit -0,1 Prozent praktisch gleich. Endlich sei auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung aufgehalten, freut sich Stöger.

Demgegenüber hat sich die Beschäftigung dynamisch entwickelt – laut Sozialministerium “beflügelt von dem im Juli in Kraft getretenen Beschäftigungsbonus”. Mit Ende November 2017 sind in Österreich 3,682.000 Personen unselbstständig beschäftigt. Damit stehen heuer um 78.000 Personen mehr in Arbeit als im Vorjahr, das entspreche dem zweitbesten Anstieg im derzeitigen Aufschwung. Bei den unselbstständig aktiv Beschäftigten (inklusive freier Dienstverträge, ohne Kinderbetreuungsgeld-/KarenzgeldbezieherInnen und Präsenz-/Zivildienstleistende) zeige sich sogar der stärkste Beschäftigungsanstieg dieses Konjunkturzyklus mit 81.000 Personen mehr in Arbeit.

Starker Rückgang in der Steiermark und Oberösterreich

Nach Branchen gegliedert war der stärkste prozentuelle Rückgang in der Warenproduktion (-13,9 Prozent) und am Bau (-12,6 Prozent). Stark gefallen ist die Arbeitslosigkeit auch im Handel (-9,7 Prozent) und im Tourismus (-8,5 Prozent). Gut schaut es auch für die Lehrlinge aus: Den 5.611 Lehrstellensuchenden stehen 4.719 offene Lehrstellen gegenüber, die Lehrstellenlücke sank gleich um 1.387 auf nun 892 fehlende Lehrstellen. Die Zahl der Schulungsteilnehmer ist um 5,9 Prozent auf 77.823 Personen gestiegen. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen ging um 8,1 Prozent auf 326.876 zurück. Regional betrachtet sank die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen in allen Bundesländern, besonders stark ging sie in der Steiermark (-15,1 Prozent) und in Oberösterreich (-10,4 Prozent) zurück.

Stöger zieht für sein Ressort eine Erfolgsbilanz: Die nächste Regierung erbe eine ausgezeichnete wirtschaftliche Entwicklung, die nach den schwierigen Jahren seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2011 aktuell kaum besser ausfallen könne. Neben dem Beitrag der internationalen Konjunktur dürfe die Wirksamkeit der Maßnahmen der Bundesregierung bzw. des Sozialressorts nicht unterschätzt werden: Die Aktion 20.000, der Beschäftigungsbonus und das Gemeindeinvestitionspaket. “Sie haben den Aufschwung angestoßen, verstärkt, und überhaupt erst ermöglicht, dass alle Bevölkerungsgruppen von der Konjunktur profitieren”, wird hervorgehoben. Insbesondere bei Älteren und Langzeitarbeitslosen sei nun der Aufschwung endgültig angekommen.

Kaske sieht für Politik keinen “Polster zum Ausruhen”

Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske, der aus privaten Gründen sein Amt niederlegen wird, sieht für die neue Regierung keinen “Polster zum Ausruhen”. Der gegenwärtige Aufschwung erreiche nicht alle Arbeitsuchenden, verwies er auf ältere Langzeitarbeitslose, die häufig auch noch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Daher solle die Aktion 20.000 beibehalten werden um älteren Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben. Weiters fordert er einen 100 Mio. Euro schweren Rehabilitationsfonds. Geld dafür sei aus seiner Sicht da: Heuer würden für die Pensionen um eine Milliarde Euro weniger an Bundesmittel ausgegeben werden, als noch vor einem Jahr budgetiert wurde.

Wirtschaftskammer bemängelt strukturelle Arbeitslosigkeit

Die Wirtschaftskammer beklagt einen Fachkräftemangel in Österreich. Daher sollte eine umfassende Gegenstrategie erarbeitet werden, fordert Martin Gleitsmann, Arbeitsmarktexperte der WKÖ. Immer mehr beim AMS gemeldete offene Stellen können nicht besetzt werden, etwa im Tourismus. Die strukturelle Arbeitslosigkeit und der regionale Mismatch machten sich immer stärker bemerkbar. Daher sollten überregionale Vermittlung, Eingliederungsbeihilfen und Weiterbildungen, die direkt in den Betrieben stattfinden, forciert werden. Die rechtzeitig zu Beginn der Wintersaison lukrativer ausgestattete Entfernungsbeihilfe und der neue Kombilohn für Arbeitslose, die bereit sind, eine entfernte Arbeitsstelle anzutreten, werden von Gleitsmann begrüßt. Weiters sollten Köche und Restaurantfachkräfte in die Mangelberufsliste aus dem Tourismus aufgenommen werden.

ÖGB-Experte Prischl versteht WKÖ-Kritik nicht

Hier kann aber der ÖGB-Arbeitsmarktexperte Alexander Prischl nicht folgen. “Auch wenn die Touristiker in der WKÖ täglich und gebetsmühlenartig wiederholen, dass fast niemand für sie arbeiten will, wird die Zahl der arbeitslos gemeldeten Köchinnen und Köche nicht niedriger.” Der Beruf habe auf der Mangelberufsliste nichts verloren: Zum heurigen Wintersaisonbeginn im Tourismus kamen beinahe sechs Arbeitssuchende auf eine offene Stelle. Selbst in den “Tourismusbundesländern” kamen zumindest drei Arbeitssuchende auf eine offene Stelle, so der Gewerkschafter.

NEOS sehen Konjunktur für Rückgang verantwortlich

Für den Rückgang der Arbeitslosenzahlen sieht NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker nicht die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, sondern ausschließlich die Konjunktur verantwortlich. Daher solle die neue Regierung kein “Steuergeld mit den Scheinmaßnahmen Beschäftigungsbonus und Aktion 20.000 verschleudern.”Neben mehr Ausbildung und Qualifizierung sollte ein degressives – also sinkendes – Arbeitslosengeld sowie die Lockerung von Zuverdienstgrenzen mehr Anreize für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt schaffen.

Juraczka kritisiert Lage in Wien

Von der ÖVP nimmt der Wiener Klubobmann Manfred Juraczka kritisch zur Lage in der Bundeshauptstadt Stellung: Statt Anreize für mehr Beschäftigung und mehr Jobs zu schaffen, werde die Arbeitslosigkeit verwaltet und das soziale Netz in Wien immer mehr zur Hängematte. Die anhaltende Reformresistenz bei der Wiener Mindestsicherung führe dazu, dass die Zuwanderung ins Sozialsystem immer stärker ansteige, so Juraczka.

(APA/Red.)

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