Arbeiterkammer-Wahl: Jüngere Wiener wählten Rot statt Blau

Jüngere Wiener wählten diesmal Rot statt Blau
Jüngere Wiener wählten diesmal Rot statt Blau ©APA
Ihren Ausbau der absoluten Mehrheit bei den Wiener Arbeiterkammer-Wahlen hat die Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) vor allem Frauen und jüngeren Wählern zu verdanken.
Mehrheit für rote FSG
Bei der Stimmauszählung

Zu diesem Schluss kommt eine erste Analyse des SORA-Instituts, die am Montag präsentiert wurde. AK-Chef Rudolf Kaske sieht trotz abermals gesunkener Wahlbeteiligung kein Legitimationsproblem, sagte er. Laut SORA-Geschäftsführer Günther Ogris schnitt die FSG in der Wählergruppe der Unter-50-Jährigen sowie bei Arbeitnehmerinnen überdurchschnittlich gut ab. Das erkläre zugleich die Verluste der Freiheitlichen Arbeitnehmer (FA), die um 3,25 Prozentpunkte auf 9,08 Prozent fielen. “Die Blauen sind bei den Jüngsten diesmal am schwächsten”, verwies Ogris in einer Pressekonferenz darauf, dass von den unter 40-Jährigen diesmal nur fünf Prozent dem freiheitlichen Flügel ihre Stimme gegeben haben. Nicht zuletzt die Debatte um die Hypo-Alpe-Adria habe den Freiheitlichen zugesetzt.

Niedrige Beitiligung bei AK-Wahl

AK-Chef und Wiener FSG-Spitzenkandidat Kaske interpretierte das Ergebnis als “Bestätigung für meinen Kurs”. Er werde sich nun verstärkt und gestärkt um die Themen Gerechtigkeit, Wohnen oder Steuerreform kümmern. “Wir sind für alle Arbeitnehmer da – auch für jene, die uns dieses Mal nicht ihr Vertrauen geschenkt haben”, versprach er. Ein Legitimationsproblem sieht Kaske wegen der erneut gesunkenen Wahlbeteiligung von vorerst 37,54 Prozent (2009: 41,45) nicht. Freilich müsse man darüber nachdenken, wie man die Teilnahme wieder heben könne. Aber viele Arbeitnehmer – auch jene, die nicht wählen gegangen sind – schätzten die AK, verwies er etwa auf jährlich 400.000 Beratungsleistungen bei 800.000 Mitgliedern in Wien.

SORA sieht mehrere Gründe für die niedrige Beteiligung: Viele Betriebe hätten infolge der Krise Personal abgebaut oder Löhne gekürzt. Unter den betroffenen Mitarbeitern seien nur wenige wählen gegangen. Auch die Anzahl des Personals mit Migrationshintergrund sowie der Erstwähler (37 Prozent) ist aufgrund der hohen Fluktuation am Arbeitsmarkt gestiegen – und diese Gruppen beteiligen sich traditionell ebenfalls unterdurchschnittlich an Urnengängen, wie Ogris betonte.

Teuer AK-Wahlkampf

Die schwarzen und blauen Arbeitnehmervertreter zeigten sich heute in Aussendungen einigermaßen zerknirscht über die Stimmenverluste. Gabriele Tamandl, Spitzenkandidatin des ÖAAB-FCG – ihre Fraktion stürzte von 14,29 auf 10,38 Prozent ab -, tröstete sich damit, dass man trotz Verlusten den zweiten Platz halten konnte. “Es ist uns auch gelungen, den zu erwarteten Erfolg – in Anbetracht der gigantischen Werbelawine des amtierenden Präsidenten Rudi Kaske – noch deutlich zu mildern”, zeigte sie sich überzeugt.

Auch FA-Spitzenkandidat Bernhard Rösch warf den Roten einen teuren Wahlkampf auf Kosten öffentlicher Gelder vor: “Es gab Kaske-Mania in Reinkultur.” Er nehme das Ergebnis “mit Bedauern” zur Kenntnis und wolle hart arbeiten, um künftig freiheitlich gesinnte Wähler wieder vermehrt an die Urnen zu bringen.

Resultat am Freitag

Freude hingegen bei den Grünen. “Wir haben ein vierzehntes Mandat errungen, in acht Wahlkreisen die Freiheitlichen überrundet und liegen in drei Wahlkreisen sogar vor dem ÖAAB auf dem zweiten Platz. Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann”, jubelte AUGE/UG-Listenerste Klaudia Paiha. Ein Dorn im Auge ist Paiha allerdings das Plus der Grünen Arbeitnehmer (GA), eine Konkurrenzfraktion der AUGE/UG, die auf “erfolgreiche Verwechslungsstimmenjagd” gegangen sei. Die GA legte diesmal von 3,57 auf 4,67 Prozent zu und hält inzwischen bei acht Mandaten.

Gratulationen zum Ausbau der absoluten Mehrheit der FSG kamen neben Wiens Bürgermeister Michael Häupl auch von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos. Das Resultat belege, “dass – gerade in Sachen Arbeit, aber auch Konsumentenschutz, Bildung oder Wohnen – größtes Vertrauen in die Sozialdemokratie gesetzt wird”, meinte er in einer Aussendung.

Das endgültige Resultat der Wiener AK-Wahl wird am Freitag vorliegen. Bis dahin werden jene Wahlkarten, die in den kommenden Tagen noch per Post eintrudeln, ausgezählt.

(APA)

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