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Antiquierte "Damenbekanntschaften" mit Digicam im Burg-Kasino

Als "zeitgenössisches Comeback" hat das Burgtheater die Neuinszenierung von Lotte Ingrischs Tetralogie "Damenbekanntschaften" angekündigt.  Freundlicher Applaus für einen Abend, wie er auch vor 30 Jahren stattfinden hätte können.

Bis auf die Verwendung einer Digitalkamera und eher lustlosen Videoeinspielungen (Armin Luttenberger) hat Regisseurin Elisabeth Augustin gestern, Mittwoch, in der Kasino-Bar jedoch wenig aus der 1971 im Akademietheater uraufgeführten makaberen Komödie herausgeholt.

 

Kurzweilig sind die spitzen Dialoge von Lotte Ingrisch, die ihre Figuren in jeweils 20-minütigen, in sich geschlossenen Abschnitten dem ganz normalen Beziehungswahnsinn aussetzt. Mit makaberem Humor hinterfragt sie langjährige Paarbeziehungen, die alle eines gemeinsam haben: Mann und Frau verbringen ihr Leben zwar gemeinsam, wirklich kennengelernt haben sie sich dabei aber nicht. Als bindendes Glied zwischen den Episoden fungiert Fini Schinagl (Bibiana Zeller), die als weiß gewandeter Geist in allen Szenen präsent ist und nicht nur Regieanweisungen vorliest, sondern auch das Geschehen kommentiert, bis sie am Ende selbst zur Figur wird, nämlich zur verstorbenen Frau des alten Oberbaurats.

Elisabeth Augustin hat Bibiana Zeller, die den Abend tapfer bestreitet, nicht nur weiß gepudert, sondern sie auch auf eine Schaukel gesetzt, von der sie sich hie und da erhebt, um sich mit kleinen Zaubertricks in die Zwiegespräche der Paare einzumischen. Botschaften aus dem Jenseits also, was durchaus viel mit der Lebensphilosophie der Autorin gemein hat, die in den 90er Jahren “Die Schule der Unsterblichkeit” gegründet hat.

Doch nicht nur Zeller scheint sich in ihrer Rolle, die sie mit schwachem, feinem Stimmchen und schwebenden Bewegungen interpretiert, nicht ganz wohl zu fühlen. Immer wieder kippen die Schauspieler vom betonten Wienerisch in kühle Bühnensprache, allzu oft gleiten ihre Charaktere in quälende Parodie. Peter Wolfsberger gibt im ersten Teil “Ein Abend zu dritt” etwas zu sehr ins Komödiantische gleitend den zerstreuten Klavierlehrer Goldhörndl (am “echten” Klavier im Hintergrund: Claus Riedl), der sich unter Hypnose in historische Herrscher verwandelt, um seine schrille Frau (Sylvia Haider) zu befriedigen. Haider hat sichtlich Mühe, den Übergang von der gelangweilten Ehefrau zum sexsüchtigen Vamp zu finden und wirkt in beiden Rollen ein wenig unbeholfen.

Wirklich “modern” geht es nur im zweiten Akt “Letzte Rose” zu, in dem der Fotograf (Detlev Eckstein als schmieriger Casanova) mit einer Digitalkamera das “letzte süße Wiener Mädl” Mizzerl abzulichten versucht, die sich zunehmend entblößt, ihm ihre Liebesgeschichten erläutert und am Ende zu dem Schluss kommt, dass sie ihren Verlobten doch nicht heiraten will. Elisabeth Augustin macht aus Dunja Sowinetz ein wenig ernstzunehmendes Trutscherl, was nach 20 Minuten ziemlich zu schmerzen beginnt.

Gar vor dem Ersten Weltkrieg wähnt man sich in “Donau so blau”, wo Ulli Fessl als Schwester Mathilde – ohne es zu wissen – auf ihre Jugendliebe, den nach einem Selbstmordversuch im Rollstuhl sitzenden Hofrat (Florentin Groll) trifft. Dank der stoischen Ruhe der beiden Akteure ist dies noch der gelungenste Teil des Abends, der die von der Autorin intendierte Verzweiflung, die Unmöglichkeit der einzig wahren Liebe und die große Kälte zwischen den Geschlechtern am besten vermittelt. Ein wenig überzogen wirkt hier die Videoeinspielung, die im Bühnenhintergrund (Bühne: Viktoria Rautscher) die Donau bei Schlechtwetter zeigt.

Berührend auch der Abschluss des Abends mit “Vanillekipferln”: Der alte Oberbaurat (Heinz Zuber) trifft am Grab seiner Frau auf das Fräulein Emma, das schon mal vorab ihr eigenes Grab bepflanzt. Aber auch Brigitta Furgler wirkt als alte Jungfer ein wenig fehl am Platz. Auch hier schafft es Elisabeth Augustin nicht, die Szene in ihrer ihr eigenen Dramatik zu belassen und zerrt das Geschehen am Ende doch noch ins Komödiantische. Als Bibiana Zeller beim finalen Abgang noch wissen lässt, dass die wahre Bestimmung des Menschen der Applaus des Publikums ist, weiß dieses, was es zu tun hat.

Damenbekanntschaften” von Lotte Ingrisch.

Regie: Elisabeth Augustin.

Weitere Termine im Burg-Kasino am Schwarzenbergplatz: 11., 14. und 26. Dezember, 16., 23. und 24. Jänner, jeweils um 20 Uhr. Karten: 01 / 514 44 – 4140; http://www.burgtheater.at

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