Anklagen nach Tumult bei FB-Spiel in Bischofshofen

Nach Ausschreitungen beim Freundschaftsspiel zwischen dem französischen Oberhausclub OSC Lille und Maccabi Haifa in Bischofshofen am 23. Juli 2014 hat die Staatsanwaltschaft Salzburg einen Strafantrag gegen fünf Beschuldigte erstellt. Das Spiel wurde in der 85. Minute beendet, nachdem Zuseher mit palästinensischen Flaggen auf das Feld gestürmt waren und anti-israelische Parolen geschrien hatten.


Bei dem Tumult, der auch international für Empörung sorgte, sollen auch israelische Spieler attackiert worden sein. Pro-palästinensische Zuseher waren auf das Spielfeld gelaufen, hatten den Ermittlungen zufolge Plakate mit dem Wortlaut “Fuck Israel” und “Child Murderer” hochgehalten und “Scheiß Juden” gerufen. Danach ist es zu Handgreiflichkeiten gekommen. Der israelische Spieler Eyal Meshumar wurde dabei verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat bezüglich der Ausschreitungen am Fußballfeld Körperverletzungsdelikte angeklagt. Aus rechtlichen Gründen wurde der Vorwurf der Verhetzung nicht erhoben.

Bei den Angeklagten handelt es sich um drei Österreicher und zwei Türken im Alter von 18, 19 und 20 Jahren. Sie stammen aus der Umgebung von Bischofshofen (Bezirk St. Johann im Pongau). Drei Angeklagten werden im Zuge des Platzsturmes Körperverletzungsdelikte zur Last gelegt. Diese Vorwürfe richten sich gegen zwei Österreicher im Alter von 19 und 20 Jahren und gegen einen 18-jährigen Türken. Zwei weiteren Angeklagten wird Verhetzung im Internet vorgeworfen: Ein 19-jähriger Österreicher habe einen Tag nach dem Spiel auf Facebook ein Video über den Platzsturm mit den Worten “des passiert wenn die scheiss juden kinder umbringen!! Wir haben Sie platt gemacht!” kommentiert. Dieses Schüren von Hassgefühlen ist der Staatsanwaltschaft zufolge für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar gewesen sei. Ein 18-jähriger Türke habe im Internet zudem “scheiß Israelis! scheiß Juden!” gepostet.

Der Haifa-Kicker Eyal Meshumar hatte bei dem Platzsturm eine Brustkorb-Prellung und offenbar auch eine Beinverletzung erlitten. Der 19-jährige Österreicher soll ihm einen Fußtritt gegen das linke Bein versetzt haben, und der 20-jährige Österreicher soll ihn durch einen “eingesprungenen Seitwärtstritt gegen die Brust” getreten haben – die Staatsanwaltschaft wertete dies als versuchte, absichtlich schwere Körperverletzung. Die Attacke sei durch Aufnahmen belegt, die Zeugen den Behörden zur Verfügung gestellt haben. Der 18-jährige Türke wiederum habe versucht, dem Spieler Dekel Keinan gegen den linken Oberschenkel zu treten. Die fünf Angeklagten schwiegen bisher gegenüber den Behörden zu den Anschuldigungen. “Ob sie die vorgeworfenen Taten tatsächlich begangen haben, wird sich in der Hauptverhandlung klären”, sagte ihr Verteidiger, der Salzburger Rechtsanwalt Kurt Jelinek, zur APA.

Ursprünglich wurde gegen elf Aktivisten der Demonstrationsgruppe ermittelt. Gegen sechs davon ist das Verfahren wegen Verhetzung, Körperverletzung, Raufhandel und Nötigung zur Gänze niedergelegt worden. Wegen der anti-israelischen Äußerungen auf dem Spielfeld hatte die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der Verhetzung geprüft, aus rechtlichen Gründen diese Verfahren aber eingestellt, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der APA. Die Begründung: Der Judikatur zufolge müsse das Schüren von Hassgefühlen vor einer breiten Öffentlichkeit ab etwa 150 Personen erfolgt sein und werde auch nur dann unter Strafe gestellt, wenn die “innerstaatliche Ordnung” erschüttert wurde. Bei dem Fußballspiel in Bischofshofen seien aber rund 50 Zuseher und rund 20 Fußballspieler anwesend gewesen. Das Match sei zwar Live übertragen worden, doch die TV-Aufnahmen seien nur in Israel zu sehen gewesen. Die unmittelbare Wahrnehmung vor einer breiten Öffentlichkeit in Österreich sei aber entscheidend für die Tatbestandsverwirklichung.

Den Ermittlungen zufolge haben die pro-palästinensischen Aktivisten eine gewaltlose Kundgebung bei dem Fußballspiel geplant, wurde seitens der Staatsanwaltschaft erklärt. Zuseher hätten mitgefilmt, was vor dem Hineinlaufen auf das Feld auf den Zuseherrängen gesprochen worden sei: Man habe mit Schildern und pro-palästinensischen Fahnen in der 85. Minute einmal kurz über das Spielfeld laufen und wieder auf die Tribüne zurückkommen wollen. Das Ganze sei aber auf Höhe des Mittelfeldes eskaliert. Ein israelischer Spieler lief demnach heran, der 20-jährige Österreicher befürchtete eine Attacke und kam zu Sturz. Daraufhin hatte der 18-jährige Türke dem israelischen Spieler einen Fußtritt versetzt. Daraufhin sei der Platzsturm losgebrochen: Zuseher und Ersatzspieler von Haifa rannten auf das Feld. Es sei zu Handgreiflichkeiten gekommen, die keiner geplant hätte. Vielmehr habe es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände gehandelt, woraus die Vorwürfe einer Körperverletzung gegen drei Personen der Aktivistengruppe resultiere.

Gegen den 20-jährigen Österreicher hat die Staatsanwaltschaft wegen eines Autounfalls im September 2014 noch den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung erhoben. Weiters wird ihm noch Sachbeschädigung angelastet: Der Bursch soll im August in Bischofshofen eine Glastüre einer Bildungseinrichtung eingebrochen haben, weil er an einem Kurs nicht teilnehmen durfte. Den beiden 18-jährigen Türken und noch zwei abgesondert Verfolgten wird zudem schwere Körperverletzung im Zuge einer Rauferei im Mai 2014 vorgeworfen.

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