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Andre Heller veröffentlicht neues Album "Spätes Leuchten"

Nach gut dreißig Jahren veröffentlicht Andre Heller ein neues Album.
Nach gut dreißig Jahren veröffentlicht Andre Heller ein neues Album. ©APA/dpa/Uwe Anspach
16 Stücke finden sich auf dem neuen Album "Spätes Leuchten" von Andre Heller, die ungemein vielfältig, aber auch oft sehr melancholisch daherkommen.

Es ist eine Rückkehr zu alten Wurzeln, selbst wenn er es keineswegs als Comeback betrachtet: Andre Heller veröffentlicht diesen Freitag mit "Spätes Leuchten" ein neues Album. Gut drei Jahrzehnte sind vergangen, seit der künstlerische Tausendsassa eigene Lieder hören ließ. Dafür fällt das Angebot jetzt mit 16 Stücken in mehr als einer Stunde äußerst üppig aus. Und der Inhalt entspricht dieser Form.

Andre Heller hat wieder zum Mikrofon gegriffen

"Nachts besuchen mich die Dämonen, aber auch die Melodien und Worte", heißt es gleich zu Beginn im Booklet der Platte. "Gelegentlich drängen sie darauf, ihnen in Form von Liedern Gestalt zu geben. 33 Jahre konnte ich dieser Versuchung ohne Anstrengung widerstehen. Dann bin ich ihr, zu meiner Freude, auf einige Monate erlegen." Diese Monate, sie mündeten letztlich in zwei längeren Aufnahmesessions, in denen sich Heller in die Hände von Robert Rotifer und Andy Lewis begeben hat. Gemeinsam wurde an den Arrangements gefeilt, holte man unzählige weitere Musiker hinzu und stürzte sich in das Abenteuer.

Das Ergebnis dieses Weges ist ein musikalischer Ausdruck, der ungemein vielfältig, aber auch oft sehr melancholisch und sehnsüchtig daherkommt. Heller gibt den Kapitän der Unternehmung und glänzt in seiner unnachahmlichen Weise vor allem als Geschichtenerzähler, dessen Worte schnell Bilder vor dem inneren Auge erzeugen. In "Marrakesch" entführt er auf den "großen Platz Djema el Fna", bringt den "Heldenplatz" als Ort von Träumen und Albträumen auf den Punkt oder erinnert in "Mutter sagt" an seine im Vorjahr verstorbene Mutter.

Album entstand in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern

Umspielt werden seine Worte, die Heller mal vorsichtig spricht, dann mit fein angedeuteten Melodien ins Mikrofon singt, von einer Instrumentierung, die sich zwischen Wiener Lied, Blues und einer mehrfach vertretenen World-Music-Tradition bewegt. Kapazunder wie Herbert Pixner, Ina Regen, Lukas Lauermann, Ian Button, Eloui oder Walther Soyka sind Teil des Gesamtkunstwerks, wobei es dem kreativen Gespann gelingt, nie zu viel zu wollen und stets das Wohl des jeweiligen Songs im Auge zu behalten. Wenn dann aber wie in der Feierhymne "Papirossi" der Ausbruch gewagt wird, dann dafür mit viel Lebenslust und ordentlich Energie.

Ein wesentlicher Antrieb für Heller, nach all dieser Zeit wieder Musik zu veröffentlichen, sei sein Sohn Ferdinand Sarnitz alias Leftboy gewesen. Ihn, der "immerzu mein wesentlichster Verbündeter" war und auf dessen Made Jour Label das Album nun auch erscheint, habe er bei Konzerten beobachtet. "Das hat schon was", wird Heller in einem vom Plattenlabel verbreiteten Interview zitiert. Der Energieaustausch zwischen Musikern auf der Bühne und dem Publikum bringe beide Seite "in den besten Augenblicken zum Fliegen". Letztlich sei dadurch bei ihm eine Sehnsucht "nach der Arbeit im Studio mit begabten Musikern" entstanden.

"Wiener Judenkinder" als zentrales Stück

Mit diesen hat er schlussendlich 16 Stücke eingespielt. "Das ist viel, aber ich wollte wenn, dann auch mit einem starken Statement noch einmal aufzeigen und nicht mit ein paar Nebenbemerkungen", so Heller. Ein zentrales Stück ist sicherlich das sehr persönliche "Wiener Judenkinder", in dem er von einer Stadt des "groben Mir-san-mir" singt, die ohne Wunder auskommen müsse und in der "Misstrauen gegen alles Fremde" herrsche. Doch in den Erinnerungen schält sich auch Hellers kreative Ader unverkennbar hervor: "Ich wollte ja Irrlicht werden, Taugenichts und freier Hundling, Schattenboxer, Glücksmatrose oder Kapriolen-Dandy", singt Heller, der im nächsten Moment Otis Redding zitiert und schließlich sinniert, was wohl bleibt von seiner Musik.

Wie viel Aufwand in dieses Projekt geflossen ist, lässt sich in Rotifers Vorwort ausführlich nachverfolgen. Von der ersten Annäherung, produktiven Tagen und Abenden, schönen Begegnungen und wieder verworfenen Auslegungen ist da zu lesen. Heller selbst macht wiederum deutlich, dass er dieses Vorhaben keineswegs auf die leichte Schulter genommen und sich allen voran über seine Stimme Gedanken gemacht hat. "Wenn du 35 Jahre Pause machst, wie ist das noch irgendwie erkenntlich, dass das ich bin und nicht irgendwie ein türkischer Muezzin?"

Aber keine Sorge, man erkennt ihn sofort. Etwa in der herrlich absurden Erzählung "Maybe It's True", in der Heller auf einen Teufel im Elvis-Kostüm trifft und dieser ihm seine Seele andrehen will. Oder im betreffend betitelten "In der Dunkelheit", dessen inhaltliche Schwere von einem arabischen Wiegenlied, geschrieben und gesungen von Marwan Abado, konterkariert wird. Nicht alles muss leicht gehen, nicht alles ist schön auf dieser Welt, auch das weiß Heller zu erzählen. Aber dennoch ist und bleibt er auf "Spätes Leuchten" ein ungemein kreativer Kopf, der es eben versteht, Dinge zum Leuchten zu bringen. Oder wie er es selber beschreibt: "Es ist es doch das Wurzelziehen aus 72 Jahren Erfahrung, sich zurecht schleifen, wieder selber rau machen, rau geworden sein durch etwas, dann wieder sich in Samt verwandelt habend für ein paar Minuten."

(APA/Red)

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