American Sniper - Kritik und Trailer zum Film

Mit "American Sniper" hat Clint Eastwood Hollywoods erfolgreichsten Kriegsfilm inszeniert - und Amerika in der Frage, ob Scharfschützen Helden oder Feiglinge sind, entzweit. Verfilmt wurde die Geschichte des mit 160 Tötungen "erfolgreichsten" Scharfschützen der amerikanischen Militärgeschichte, Chris Kyle.

Glorreicher Held und Retter von zig Kameraden? Oder in den Rücken Wehrloser schießender Feigling? Am Freitag startet das verklärende, testosterongeladene Heldenepos in unseren Kinos.

“American Sniper”: Kurzinhalt

Mit dem moralischen Zwiespalt startet “American Sniper”. “It’s your call, Chris” (“Es ist deine Entscheidung”), lautet die Aussage über Funk. Im Fadenkreuz des Navy-Seal-Elitesoldaten Chris Kyle (Bradley Cooper) ist ein kleiner Bub, der scheinbar mit einer Granate auf US-Soldaten zuläuft. Kyle zögert – aber nur kurz. Früh hat der Texaner gelernt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. In “Wölfe, Schafe und Schäferhunde” teilt sein Vater die Menschen in einer Rückblende ein. Letztere seien “gesegnet mit Aggression, und beschützen die Herde”.

Rund 15 Jahre später ist Kyle ein Schäferhund par excellence: Ein hervorragend ausgebildeter, von Dächern aus die Bodentruppen des US-Militärs verteidigender Scharfschütze im Irakkrieg. Die Wut auf die, die sein Land angreifen, auf die, die Flugzeuge in die Twin Towers fliegen, hatte den Rodeo-Cowboy zu den Navy Seals und seinen ersten von vier Irak-Einsätzen geführt. Inmitten von Sandstürmen, Muezzin-Rufen und Schusswechseln erarbeitet sich Kyle bald einen ungewöhnlichen Ruf: Mit 160 bestätigten Tötungen geht er als tödlichster Scharfschütze in die US-Militärgeschichte ein.

Jahre später wird Kyle in seiner Autobiografie gar von mehr als 250 Tötungen sprechen. Er bereue lediglich, dass er nicht mehr Feinde töten und damit mehr Freunde retten konnte. Das Buch wurde 2012 zum Bestseller, Kyle zum landesweiten Kriegshelden. Ein Status, der durch seinen Tod durch den Schuss eines traumatisierten Veteranen 2013 besiegelt wurde – und nun durch die Verfilmung einzementiert wird. US-Schauspieler Cooper sicherte sich die Filmrechte, heuerte Eastwood als Regisseur an und schlüpft in “American Sniper” in die Hauptrolle. In den USA wurde der Film Anfang des Jahres zum Überraschungserfolg, stieg mit Einnahmen von bisher mehr als 307 Mio. Dollar zum erfolgreichsten Kriegsfilm aller Zeiten auf und wurde mit sechs Oscar-Nominierungen – darunter für den besten Film und besten Hauptdarsteller – bedacht.

 Kritik zu “American Sniper”

Cooper (40), der für die Rolle Schießen gelernt und sich ein beeindruckendes Muskelpaket antrainiert hat, spielt den wortkargen Chris Kyle als inmitten von Explosionen stets ruhig bleibenden und innerhalb weniger Sekunden entscheidenden Scharfschützen, als von Angriffen auf “sein Land” getriebenen Soldaten, und nach seiner Rückkehr als unter posttraumatischen Störungen leidenden Veteranen – was dessen Heldenstatus einmal mehr erhöht. “American Sniper” pendelt dabei zwischen dem Schlachtfeld, in dem sich Kyle unter Kameraden (u.a. gespielt von Luke Grimes, Jake McDorman) heimelig fühlt, und dem Zuhause bei Ehefrau Taya (Sienna Miller) und den beiden Kindern, wo er stets abwesend wirkt.

Als Kriegs- oder Antikriegsfilm will Eastwood, der sich zuletzt mit “Flags of Our Fathers” und “Iwo Jima” dem Zweiten Weltkrieg widmete, “American Sniper” nicht verstanden wissen. Tatsächlich werden Ursachen und Folgen des noch nicht lange zurückliegenden, als sinnlos erachteten Irakkriegs ausgespart, gerät der Kampf für die Sache rasch in den Hintergrund und dominiert die persönliche Rache für gefallene Soldaten aus den eigenen Reihen. Irakis werden von Kyle und Co durchwegs als die “Wilden” bezeichnet und in Eastwoods dichter Inszenierung unter exzessivem Blutspritzen vielfach niedergestreckt. Hier ist alles schwarz und weiß, und das Gegenüber stets ein Wolf.

Ab und an lässt “American Sniper” in seinen stolzen 130 Minuten Länge dann doch eine andere Sichtweise zu. Etwa, wenn ein Offizier andeutet, bei Kyles ungewöhnlich hoher Trefferanzahl mag auch der eine oder andere Zivilist dabei gewesen sein. Doch Kyle winkt ab, die Sache ist gegessen – und die Heldenverklärung mit dem rührigen Ende besiegelt: Bilder des realen Chris Kyle reihen sich an jene seiner staatstragenden Beerdigung samt Auto-Konvoi und Gedächtnisveranstaltung im Footballstadion.

(APA)

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