Altbackenes "Butterbrot" in den Wiener Kammerspielen

Michael Dangl, Alfons Haider und Martin Zauner in einem Werk von Gabriel Barylli: Das "Butterbrot" ist als Theaterstück mit dem kulinarischen Reiz seines nahrungstechnischen Pendants vergleichbar.

Vor über zwei Jahrzehnten startete Gabriel Barylli mit seiner Männer-Komödie “Butterbrot” einen Siegeszug über deutschsprachige Bühnen. Bei der gestrigen Premiere einer Neuinszenierung durch der Autor in den Kammerspielen des Wiener Theaters in der Josefstadt musste man feststellen, dass das Ablaufdatum des einst so beliebten Imbisses offenbar überschritten ist. Nicht nur der auf der Bühne servierte Sekt ließ das gewohnte Prickeln vermissen, auch das dazu gereichte “Butterbrot” schmeckte altbacken.

Die Männer-WG des Schauspielers Stefan und des Architekten Martin, in der der an seinem Geburtstag von seiner Frau verlassene Peter Zuflucht sucht, bildete Ende der 80er Jahre das Lebensgefühl einer Generation “neuer Männer” im Taumel der Orientierungslosigkeit zwischen althergebrachtem Männerbild und neuen Geschlechterrollen humorvoll ab. Heute wirken die Dialoge und Pointen von vorgestern.

Ausstatter Ulrich Schulz versuchte mit einem Kunstraum mehr Symbolik als Realismus zu betonen: Plexiglasstühle, ein künstlicher Baum und an der halbrunden Rückwand ein gekacheltes Wandbild voll südlicher Idylle. Doch die Idylle ist brüchig, die Fliesen bröckeln, die alten Prinzipien und Lebensmodelle hätten eine gründliche Renovierung notwendig.

Die aufgebotene Starbesetzung macht die Sache in dieser spannungslosen, vor allem im zweiten Teil einbrechenden Inszenierung nur noch schlimmer. Michael Dangl, Alfons Haider und Martin Zauner spielen gnadenlos aneinander vorbei. Statt durch die Versuchungen der Frauenwelt stetig gefährdete, mühevoll aufrecht gehaltene Männerfreundschaften sieht man drei Platzhirschen, die versuchen ihre Haut bestmöglich zu retten.

Dangl gibt den sensiblen Schauspieler Stefan, der durch hustende Zuschauer seine Berufung gestört sieht und dadurch seinen Beruf gefährdet. Zauner konzentriert sich als betrogener Ehemann, dem seine bedauerns- und begehrenswerte Gattin seine eigene Untreue endlich heimgezahlt hat, auf den Dreikampf Dauerreden, Dauertrinken und Dauerrauchen. Haider versucht sich als Architekt Martin im beiläufigen Unterspielen und endet dabei als Gefühlskühlschrank, dem man weder die freundschaftlichen Gefühle zu seinen Kumpels noch die aufkeimende romantische Beziehung zu einer Kundin abnimmt.

Vogelgezwitscher und Mozart-Musik ließen sich von der Bühne mit Fernbedienung steuern. Gerne hätte man mit ihr vom Zuschauerraum aus gelegentlich auch im Programm gezappt. So dachten indes nicht alle. Etlichen jubelnden Fans hat dieses “Butterbrot” offenbar geschmeckt. Doch der Gastrokritiker verließ das Lokal mit knurrendem Magen.

 

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