"Alles Volltrotteln!"

Sowohl Michael Niavaranis erstes Buch als auch sein neuer Film beziehen sich auf seine persischen Wurzeln. Zeit, mit ihm über Familie, Liebe und das Leben zu reden. Und über Volltrottel!

Sich über seine persische Herkunft lustig zu machen ist längst zu seinem Markenzeichen geworden. Schon als Kind hat sich Michael Niavarani gefragt, wer denn der Ausländer daheim im Wohnzimmer ist, der tagsüber weg war und kaum Zeit für seine Familie hatte.

Sein Bucherstling “Vater Morgana” thematisiert erstmals die Abwesenheit seines Vaters ? auf komödiantische Weise, versteht sich. Auch in seinem neuen Film “Salami Aleikum” (ab Dezember im Kino) werden die Perser ordentlich abgeklopft. Dabei ist die Welt laut Niavarani auch so voller Ausländer und Idioten. Und: Männer haben (fast) nur Sex im Kopf.

Seitenblicke: Worum geht?s in Ihrem neuen Film?

Michael Niavarani: “Salami Aleikum” ist eine Komödie, wo DDR-Ossis auf Perser treffen und jeder vom anderen glaubt, dass er reich ist.

Sie geben ordentlich Gas. Neben dem Film erscheint jetzt auch Ihr Buch “Vater Morgana”. Wieso dieser Titel?

Eine Fata Morgana ist ja eine Erscheinung, die es real nicht gibt. Es geht in dem Buch um einen Vater, der nicht wirklich da ist. Denn nach seinem Tod soll ein Doppelgänger seine Mutter glauben lassen, dass er noch am Leben ist.

Ist die Story autobiografisch?

Ja, als mein Vater vor drei Jahren starb, beschloss mein persischer Onkel, der Großmutter nix zu sagen, weil sie den Verlust nicht verkraftet hätte. Das Buch ist eine satirische Betrachtung persischer Lebensart. Der Perser muss nämlich lügen. Aber keine Sorge: Im echten Leben haben wir meine Oma ein Jahr später aufgeklärt.

Wie war Ihre Vaterbeziehung?

Kompliziert. Als Teppichhändler war er viel unterwegs und selten zu Hause. Er hat nie Windeln gewechselt oder auf uns aufgepasst, was ein Manko war, unter dem ich gelitten habe. Manchmal habe ich mich als Kind schon fast gefragt: Wer ist denn der Ausländer, der da bei uns im Wohnzimmer sitzt

Also war die Mutter Ihre Bezugsperson?

Es ist ein Phänomen der 60er-Jahre, dass Erziehung Sache der Mutter war. Aber gerade in der Pubertät waren mein Vater und meine Mutter gleichermaßen für mich da. Beide waren sehr liberal – vor allem die iranische

Linie der Familie, die sehr aufgeklärt ist. Meine Mutter ist ja Wienerin.

Sie machen sich lustig über Ihre Wurzeln – Ihr Markenzeichen?

Ich habe zwanzig Jahre lang österreichisches Kabarett gemacht. Ich bin ja hier aufgewachsen und sozialisiert. Ich schaue nicht aus wie ein typisch österreichischer Schluchtenscheißer. Ich habe als Kind lange nicht zwischen den beiden Kulturen unterschieden: Ich dachte immer, die Österreicher sind hier die Ausländer. Das Schöne auf der Welt ist, dass sie voll von Ausländern und Gscherten ist. In England hasst man die Schotten, in Amerika die Puerto Ricaner und so weiter. Außerdem: Die Menschen sind generell Volltrotteln!

Wieso das?

Wir sind umgeben von lauter Trotteln – ich zähle mich ja selber auch dazu. Jeder ist von jedem irgendwann der Trottel. Jeder kocht sein Süppchen und ist nur an seinem eigenen Vorteil interessiert. Und zwar rücksichtslos. Das macht uns alle zu Trotteln.

Was Michael Niavarani über seine Pubertät, seine Beziehung mit einer jüngeren Frau, über Sex und viele weitere Themen zu sagen hatte, lesen Sie im Seitenblicke Magazin 42/09!

(seitenblicke.at/Foto: Steffi Starz)

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