Alkohol-Steuer würde Betriebe ruinieren

Am Freitag wurde eine neue Studie präsentiert, die zeigt, dass eine 15-Prozent-Steuer auf alkoholische Getränke fatale Auswirkungen auf die Wiener Gastronomie hätte.
Ich erwarte mir von der Stadtregierung, dass sie allen Überlegungen in Bezug auf eine neue Alkohol-Sondersteuer eine offene und klare Absage erteilt“, sagt Wirtschaftskammer Wien-Präsidentin bei der heutigen Präsentation einer neuen Studie, die erstmals die betriebswirtschaftlichen Folgen einer neuen, 15-Prozent-Steuer auf alkoholische Getränke in der Gastronomie errechnet hat. “Eine neue Sondersteuer wäre für die Wiener Gastronomie betriebswirtschaftlich nicht verkraftbar”, sagt Jank.
Abschaffung der Getränkesteuer brachte halbe Milliarde Euro
Unverständnis zeigt Jank auch deswegen, weil die Gemeinde Wien seit dem Jahr 2000 in Summe über eine halbe Milliarde Euro Ausgleichszahlung vom Bund für die damals abgeschaffte Getränkesteuer eingenommen hat. Im Jahr 2013 laufen diese Zahlungen aus. “Nachdem eine zusätzliche Besteuerung des Handels EU-widrig ist, will man nun mit einer neuen Steuer Gastronomie und Kaffeehäuser belasten“, vermutet Jank.

Szenarioanalyse bei Alkohol-Steuer

Die von der KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien erstellte Szenarioanalyse und Konsumentenbefragung ergibt für Wien folgendes Bild:

Die Wiener Gastronomie erwirtschaftet einen Netto-Jahresumsatz in Höhe von 2,03 Milliarden Euro. Auf alkoholische Getränke entfällt dabei ein Netto-Umsatz von 30 % bzw. 618 Millionen Euro. Die Alkohol-Sondersteuer in Höhe von 15 % würde demgemäß 93 Millionen Euro betragen. Laut aktueller betriebswirtschaftlicher Untersuchung erzielen die Gastronomieunternehmen mit Hauptsitz in Wien einen durchschnittlichen Gewinn von 2,7 % der Betriebsleistung, das sind insgesamt 54 Millionen Euro. Die angedachte Sondersteuer übersteigt den Jahresgewinn der Wiener Gastronomie damit um 72 %.

Konsumenten wollen  nicht für Alkohol-Steuer zahlen

Die unter 600 Wienerinnen und Wienern durchgeführte, repräsentative Konsumentenbefragung zeigt, dass von 100 Gästen in der Wiener Gastronomie 27 keinen Alkohol trinken. Eine Alkohol-Sondersteuer würde diese Gäste nicht betreffen. Weitere 32 Gäste (von 100) wären bereit, einen – um die Sondersteuer (15 %) – höheren Preis für alkoholische Getränke in der Gastronomie zu bezahlen. Im Gegenzug akzeptieren 41 (von 100) keine Preiserhöhung im Ausmaß von 15 % und würden entsprechend ihre Nachfrage reduzieren.

Szenario I: Gastronomie trägt die Sondersteuer zur Gänze

Geht man davon aus, dass die Gastronomie die Verkaufspreise trotz Alkohol-Sondersteuer nicht erhöht, ändert sich die Nachfrage nach alkoholischen Getränken nicht, der Netto-Umsatz bliebe also konstant. Durch die Abfuhr der Alkohol-Sondersteuer würde sich allerdings der jährliche Gewinn der Wiener Gastronomie in Höhe von 54 Millionen Euro in einen Bilanz-Verlust von 38 Millionen Euro umkehren. Die logische betriebswirtschaftliche Konsequenz: Die Alkohol-Steuer in Höhe von 93 Millionen Euro kann von der Wiener Gastronomie nicht getragen werden. Ein Weiterreichen der Sondersteuer an die Konsumenten wäre unausweichlich.

Szenario II: Die Konsumenten tragen die Sondersteuer zu Gänze

Gibt die Gastronomie die Sondersteuer vollständig an die Konsumenten weiter, so führt das zu einem generellen Nachfragerückgang bei alkoholischen Getränken. Laut Berechnungen der KMU Forschung Austria, würde eine Preiserhöhung um 15 % zu einem Nachfragerückgang von rund 5 % führen.

Szenario III: Sondersteuer wird zu gleichen Teilen getragen

Dass der goldene Mittelweg nicht immer der beste ist, beweist das dritte Berechnungsmodell. Würden sich Gastronomie und Konsumenten die 15 % Sondersteuer jeweils zur Hälfte teilen, so führt die 7,5 % Preiserhöhung auf alkoholische Getränke zu einem Nachfragerückgang von 2,5 %. Über die Alkoholsteuer würden dann in Wien nicht mehr 93 Millionen Euro, sondern 90 Millionen eingenommen werden. Drastische Auswirkungen hätte die Kostenteilung für die Gastronomie: Unter der Annahme, dass die Hälfte der Alkoholsondersteuer die Gastronomie trägt, würde sich der Branchengewinn von 54 Millionen Euro in einen durchschnittlichen Bilanz-Verlust von 11 Millionen Euro verschlechtern. Das Mittelszenario zeigt deutlich, dass die Wiener Gastronomie eine teilweise Weitergabe der Steuer an die Konsumenten nicht verkraften würde.

Schlussfolgerungen Alle Szenarien und Berechnungen ergeben, dass die mögliche Einführung einer Alkohol-Sondersteuer die ohnehin angespannte Ertragssituation der Wiener Gastronomie weiter dramatisch verschlechtert. Selbst bei einer vollständigen Weitergabe der Steuer an die Konsumenten wäre die Wiener Gastronomie nicht lebensfähig.

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