Algerien-Geiseln kamen ohne Sturmangriff frei

Die Freilassung der 17 europäischen Geiseln in Algerien ist nach Darstellung des französischen Rundfunksenders Radio France Internationale (RFI) ohne einen Sturmangriff der algerischen Armee zu Stande gekommen.

Vielmehr sei die Freilassung im Rahmen von Verhandlungen über eine Lösegeld-Zahlung in der Höhe von mehreren Millionen Dollar erfolgt, berichtete der Sender am Freitag unter Berufung auf „autorisierte“ Quellen in Algerien und der Schweiz.

Bei der Befreiung habe es keine Toten gegeben, hieß es in dem RFI-Bericht weiter. Nach den bisher vorliegenden Berichten hatte es so ausgehen, als habe die algerische Armee am Dienstag insgesamt 17 Touristen mit Waffengewalt befreit. Dabei sollen nach algerischen Zeitungsberichten bis zu neun Entführer getötet worden sein.

Der RFI-Bericht steht im Gegensatz zu bisherigen Medienberichten und Aussagen befreiter Geiseln. Verhandlungen würden derzeit aktiv fortgesetzt, um bei einer Lösung auch die noch verschleppten 15 Sahara-Touristen freizubekommen, hieß es bei RFI. Die Freilassungen vom Dienstag seien nur „die erste Etappe bei der abschließenden Verhandlung, die mit einer Lösegeldzahlung von mehreren Millionen Dollar verbunden ist“. Die Verhandlungen für die Freilassung der verbleibenden 15 europäischen Geiseln würden fortgesetzt.

Für die Entführungen seien nicht Anhänger der Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) verantwortlich, wie dies von den algerischen Behörden mitgeteilt wurde, sondern der Bandenchef Mokhtar Belmohkhtar, der sich von der GSPC losgesagt habe und nun „auf seine eigene Rechnung“ aktiv sei. Die Verhandlungen zwischen den Regierungen in Algier, Berlin und Bern liefen weiter, berichtete RFI. Ein Nachbarland Algeriens habe seine Mithilfe angeboten.

Nach wie vor befinden sich zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer in Algerien in der Hand von Geiselnehmern. „Es gibt keine neuen Einzelheiten, die ich hier mitteilen könnte“, sagte ein Sprecher der Regierung in Berlin. Die deutsche bundesregierung setze ihre Bemühungen um die Freilassung der Geiseln fort.

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