Albertina widmet sich dem Spätwerk von Oskar Kokoschka

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Nach dem "träumenden Knaben" und dem "Enfant terrible" nun also "Exil und neue Heimat". Während sich das Belvedere noch bis 12. Mai dem Frühwerk Oskar Kokoschkas der Jahre 1906 bis 1922 widmet, eröffnet die Albertina heute Abend eine Schau zu seinem Spätwerk der Jahre 1934 bis 1980.

Kunstinteressierte sollten sich die Chance nicht entgehen lassen. So umfassend wird man den 1886 im niederösterreichischen Pöchlarn geborenen und 1980 in der Schweiz gestorbenen Künstler wohl lange nicht mehr präsentiert bekommen.

Er wolle nicht behaupten, dass es 1934 einen radikalen Bruch in Kokoschkas Werk gegeben habe, sagte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der heutigen Presseführung, “aber etwas ist anders”. Dem Besucher, der die expressiven, farbenkräftigen Gemälde der Belvedere-Ausstellung noch im Kopf hat, wird dem sofort beipflichten. Der leuchtenden Farbe hat “O.K.” zwar nie abgeschworen, und noch seine eigene, 1970-72 gemalte Schlussapotheose lässt ihn zum üblichen Schlusswort der britischen Pubs “Time, Gentlemen, please” aus einem strahlenden Licht in die dunkle Gegenwelt treten, doch die Motive sind nun gänzlich andere.

Man findet in der 167 Werke umfassenden Schau, bei der 90 aus den eigenen Beständen kommen, sehr Unterschiedliches: Landschafts- und Strandbilder, viele der bekannten Städtegemälde (in einem Raum werden sie sehr schönen Blumenaquarellen gegenübergestellt), unzählige Selbstbildnisse, viele flüchtig wirkende Buntstift-Zeichnungen und -Skizzen, Beispiele seiner Literatur-Zyklen wie zur “Odyssee” und zum “König Lear”, aber auch seiner politischen Allegorien. Mit ihnen reagierte er auf Faschismus und Nationalsozialismus, der sein Leben quasi über Nacht tiefgreifend verändert hatte.

1934 emigrierte Kokoschka aus dem austrofaschistischen Österreich nach Prag (wo er seine spätere Gattin Olda kennenlernte) und nahm bald darauf die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an. Nach dem Münchner Abkommen gelang Kokoschka, den die Nazis als “entarteter Künstler” diffamierten und von dem sie in Museen Hunderte Werke beschlagnahmten, mit Olda in letzter Minute die Flucht nach London. 1953 ließ sich der nunmehrige britische Staatsbürger am Genfer See nieder, wo er bis zu seinem Tod wohnhaft blieb.

Der Untertitel der Schau könne daher “Nach Österreich” oder “Nicht mehr Österreich” lauten, meinte Schröder, der einen Grund in dem radikalen Motivwechsel darin zu erkennen glaubt, dass im Frühwerk ein so stark psychologisierender Überhang stecke, dass das Spätwerk quasi als Ausgleich besonders “weltzentriert” sei: In einer Zeit, in der Gegenständlichkeit geradezu verpönt gewesen sei, habe Kokoschka sowohl die Schönheit der Welt als auch ihren Schrecken eingefangen. “Kokoschka war immer quer zum Zeitgeist”, brachte es Experte Heinz Spielmann auf den Punkt.

Aus der Schweizer Kokoschka-Stiftung, die seit längerer Zeit mit einem Rechtsstreit um das Kokoschka-Erbe konfrontiert ist, sei leider keine einzige Leihgabe zu bekommen gewesen, sagte Kuratorin Antonia Hoerschelmann im Gespräch mit der APA. Weiterhin scheint man dort eine mögliche Beschlagnahme von Werken zu befürchten. Man habe es lange versucht und bei zwei, drei Bildern sei es sehr schade, dass sie nun in Wien nicht zu sehen seien. “Wir sind überzeugt, dass es nicht im Sinn des Künstlers und seiner Witwe ist, dass die Ausstellung ganz ohne Werke der Stiftung auskommen muss”, so Hoerschelmann.

Im Lentos Museum findet der Kokoschka-Schwerpunkt übrigens ab 31. Mai eine Fortsetzung. Dort wird ein Teil der Belvedere-Ausstellung mit einem eigenen Linz-Schwerpunkt zu “Oskar Kokoschka – Ein Vagabund in Linz. Wild, verfemt, gefeiert.” ergänzt und soll damit die Lücke zwischen den Ausstellungen zu Früh- und Spätwerk schließen.

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