Albertina als Krimischauplatz: "Jäger auf Hasenjagd" von Fred Rumpl

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Albrecht Dürers "Feldhase" kommt einfach nicht zur Ruhe: 2005 durfte er ohne Genehmigung des Bundesdenkmalamts in Richtung des Madrider Prado Museums davonhoppeln. Vor wenigen Wochen wurde ihm bei einem Wassereinbruch in das Zentraldepot der Albertina beinahe das Fell gewaschen.
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Und nun wird er gar gestohlen! Zum Glück ereignet sich dieses ruchlose Verbrechen nur im neuen Kriminalroman des steirischen Autors Fred Rumpl: “Jäger auf Hasenjagd”, schon vor den jüngsten Schlagzeilen um die Albertina in der Wien live edition erschienen, ist ein unterhaltsamer Krimi mit verschiedenen Abstufungen zwischen Fakt, Fiktion und Fälschung.

So sei es etwa fast immer nur eine aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammende erstklassige Fälschung, die der Museumsbesucher als das 1502 entstandene weltberühmte Dürer-Aquarell präsentiert bekäme, erklärt der Albertina-Direktor in dem Krimi, “weil das Original seit über dreißig Jahren wohltemperiert in unseren Kellergeschoßen verwahrt wird”. Nicht nur Passagen wie diese erhalten in Tagen, in denen die Komplett-Evakuierung der Albertina-Speicher vorbereitet wird, einen besonderen Beigeschmack. Auch die Umstände der Pressekonferenzen, in denen das Betrübliche eingestanden werden muss, erinnern an wahre Begebenheiten.

Hier hat Rumpl, der sich als Manfred mit seinen Romanen u.a. den aspekte-Literaturpreis erschrieben hat, ehe er für seinen ersten Krimi den Vornamen auf Fred verkürzte, freilich wesentlich mehr Details aus dem Saliera-Diebstahl 2003 verwendet, der eindeutig Pate gestanden hat. Der selbstbewusste Albertina-Direktor Nemec, der durch den Hasen-Diebstahl ordentlich ins Straucheln gerät und auch zunehmend die Rückendeckung der Ministerin verliert, ist eine Erfindung, an der sich allerdings durchaus manche Facetten des Ex-Generaldirektors des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, sowie des derzeitigen Albertina-Chefs Klaus Albrecht Schröder entdecken lassen.

Nemec jedoch ist nicht nur Direktor, sondern auch fanatischer Kunstsammler und nicht ausschließlich durch geschickte Tauschpolitik in den Besitz einer wertvollen Privatsammlung gekommen. Er hat Interesse daran, dass deren Erwerbs-Details ebenso wenig an das Licht der Öffentlichkeit kommen wie sein gelegentliches “Ausborgen” von Museums-Preziosen, um ihre Wirkung im Zusammenhang der privaten Kollektion zu prüfen. Oder sein kurz vor dem Diebstahl erfolgtes eigenmächtiges Austauschen des ansonsten präsentierten falschen Hasens gegen das unermesslich wertvolle Original, um bei einer Privatführung einigen Kunsthändlern zu imponieren. Deshalb engagiert er den Privatdetektiv Jakob Jäger und schickt ihn parallel zu den Behörden auf die titelgebende “Hasenjagd”.

Diese führt Jäger u.a. nach Prag und Triest, in Kreise dubioser politischer Fanatiker und skrupelloser Kunsthändler, und schließlich wirklich auf eine vielversprechende Zick-Zack-Spur. Dass Rumpl seinem Hasenbraten im weiteren Verlauf etwas zu viel scharfe Thriller-Zutaten beimischt, erhöht zwar nicht den Wahrscheinlichkeitsgrad der immer rasanteren Story, verdirbt aber nicht die gute Unterhaltung. Am Ende ist der Hase wieder im Stall. Und der von der Dramatik des echten Lebens wie des erfundenen Kriminalfalls gebeutelte Kunstfreund und Leser wünscht ihm für möglichst lange Zeit eine ungestörte, trockene Bleibe.

 

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