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Alamar

Meditativer Alltag im Paradies: Der alte, der junge und der kleine Stanislaus in berauschend schöner Naturlandschaft. Der Abschlussfilm der Viennale startet am 10. Dezember regulär im Kino.
Der Film lief bei der Berlinale und als Abschlussfilm der Viennale, beim Internationalen Festival des unabhängigen Kinos in Argentinien gewann er den Preis als beste internationale Produktion, beim Filmfest Rotterdam einen Tiger Award. Am Freitag (10. Dezember) läuft “Alamar” von Pedro González-Rubio regulär in den österreichischen Kinos an. Ungewöhnlich für eine mexikanische Arthouse-Produktion, und ungewöhnlich ist auch der in traumhafter Naturlandschaft spielende handlungsarme Film, angesiedelt zwischen “Universum”-Doku und naturphilosophischer Meditation.

Der 1976 in Brüssel geborene Mexikaner Pedro González-Rubio, der an der London Film School studierte, stellt das Chinchorro-Riff, eines der größten Korallenriffe der Erde und eine wahrhaft paradiesische Weltgegend, in den Mittelpunkt einer Vater-Sohn-Geschichte: Der fünfjährige Natan, Sohn eines mexikanischen Vaters und einer italienischen Mutter, soll mit der Mama nach Rom ziehen. Vor dem Abschied möchte Jorge seinem Buben aber noch die Schönheit seiner Heimat und die Wurzeln seiner Kultur zeigen.

Sie besuchen den in dem 30 Kilometer vor der Küste liegenden Riff als Fischer arbeitenden und in einer Pfahlhütte lebenden Großvater, begleiten ihn auf seinen täglichen Fahrten mit dem Motorboot. Der kleine Bub lernt mit der Natur zu leben und sie zu respektieren. Riesige Fische, die die Männer täglich im Schweiße ihres Angesichts aus dem kristallklaren Wasser angeln, zählen ebenso dazu wie ein kleiner, vorwitziger Seevogel, der immer zutraulicher wird und den Natan “Blanquita” tauft, oder das Krokodil vor der Haustüre, das unbedachtes Schwimmen nicht ratsam erscheinen lässt.

Es sind berauschend schöne Bilder, in denen die Fragilität und Bedrohtheit der Idylle immer wieder kurz aufblitzt. Gerne folgt man den drei Männern – quasi der alte, der junge und der kleine Stanislaus auf Mexikanisch – bei ihrem selbstverständlichen, ruhigen Alltag und sieht zu, wie der wissbegierige und aufgeweckte Bub (Natan Machado Palombini) ständig etwas Neues lernt. Dafür, dass der 73-minütige Streifen aber als erster Spielfilm des Regisseurs gilt, fällt das Drehbuch allzu unaufregend aus. Ohne echtes narratives Element bleiben die Naturaufnahmen der über 100.000 Hektar großen malerischen Mischung aus Sandstränden, Korallenbänken, Mangrovenwäldern und türkis schimmernden Wellen das allzu kontemplative Zentrum der Handlung.

Aber vielleicht ist gerade jene Verweigerung herkömmlicher Erzähldramaturgie (González-Rubio ist auch eigener Drehbuchautor, Kameramann und Cutter) das Glück von “Alamar”: 08/15-Actionplots vor pittoreskem Hintergrund kennt die jüngere Kinogeschichte schließlich zur Genüge. Und auch für das nahezu unberührte Ökosystem, das es noch nicht ganz auf die UNESCO-Welterbeliste geschafft hat, ist es wohl besser, nicht Star eines Blockbuster-Films zu sein. Denn die Erfahrung legt einen zynischen Schluss nahe: Je weniger Menschen den Film sehen, desto größer sind die Chancen, dass dieses Naturparadies noch länger so bleiben wird, wie es ist.

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