AKH Wien: Kritik von Hebammen von Kontrollamt widerlegt

Hebammen hatten Kritik am Wiener AKH geübt.
Hebammen hatten Kritik am Wiener AKH geübt. ©APA/Sujet
Im Sommer 2010 hatten Hebammen des Wiener AKH öffentlich Missstände bezüglich der räumlichen und technischen Ausstattung der Geburtsbereiche beklagt. Folglich bestünde für manche Patientinnen gar Gefahr für Leib und Leben. Das Wiener Kontrollamt gab nun Entwarnung.

Das Kontrollamt prüfte die Versorgungssituation von Schwangeren sowie Neugeborenen.

Die Prüfer kamen zum Schluss, dass “die erhobenen Vorwürfe nicht bestätigt werden können”. Stattdessen setzte es Kritik am im Entbindungsbereich tätigen Personal – also auch an den Hebammen -, das teilweise Hygienevorschriften nicht einhalte.

Hebammen hatten Mängel im AKH beklagt

Aktiv wurde das Kontrollamt auf Verlangen der damaligen grünen Gesundheitssprecherin und nunmehrigen Patientenanwältin Sigrid Pilz. 19 AKH-Hebammen hatten zuvor ein anwaltliches Schreiben an die Spitalsleitung gerichtet und zahlreiche Mängel beklagt, die teils eine Bedrohung für Patientinnen darstellten.

Die städtischen Prüfer konnten die Kritik nicht bestätigen. “Das Kontrollamt kam für den Geburtsbereich im AKH zusammenfassend zu der Ansicht, dass dieser in Bezug auf die baulichen, räumlichen und technischen Gegebenheiten sowie in Bezug auf die Ausstattung einen hinreichend guten Gesamtzustand aufwies, sodass von einem Charakter gesprochen werden kann, der einer ‘State-of-the-Art’-Ausstattung entspricht”, heißt es im am Freitag veröffentlichten Bericht.

Hebammen kritisierten Infekt-Gefahr

Besonders alarmiert hatten sich die AKH-Hebammen über die – ihrer Meinung nach unzureichenden – Versorgung hoch infektiöser Patientinnen (Hepatits B und C sowie HIV, Anm.) im Geburtsbereich gezeigt. Es gebe keine Trennschleusen zwischen den Kreißsälen und gesunde Patientinnen müssten sich die Toiletten mit infektiösen Frauen teilen, lauten zentrale Vorwürfe. Das Kontrollamt ist indes der Ansicht, dass der Einbau von Schleusen “weder aus hygienischer Sicht als sinnvoll noch aus wirtschaftlicher Sicht als vertretbar erachtet” werden könne. Denn diese zeigten primär bei durch Luft übertragbare Krankheiten Wirkung. Hepatitis B und C sowie HIV werden jedoch via Blut übertragen. Bei den WCs sei im Bedarfsfall die Kennzeichnung bzw. Zuordnung einer Toilette für eine infektiöse Patientin “problemlos möglich”.

Das liegt nicht zuletzt an der nicht allzu hohen Zahl an Betroffenen. Laut Kontrollamt wurden 2010 41 positiv auf Hepatitis B und C getestete Patientinnen in der AKH-Entbindungsstation betreut, was 1,7 Prozent der dort verzeichneten Geburten entspricht. Es könne daher nicht davon gesprochen werden, dass derlei “an der Tagesordnung” – wie von den Hebammen behauptet – stehe. HIV-Fälle gab es 2010 18.

Die Geburtshelferinnen sahen sich zudem selbst starken Belastungen ausgesetzt, u.a. aufgrund der “überdurchschnittlich hohen” Anzahl an Totgeburten und Fehlgeburten. Diese kämen zumindest jeden zweiten Tag vor, hieß es im Anwaltsschreiben. Laut Kontrollamt kam es 2010 durchschnittlich alle elf Tage zu einer Totgeburt, “Spontanaborte” kamen einmal pro Woche vor.

Schelte wegen Hygieneverstößen

Nicht nur, dass das Kontrollamt die Vorwürfe der AKH-Hebammen nicht bestätigt sah, gab es zudem gar eine Schelte für die dort tätigen Geburtshelferinnen bzw. für das Personal im Entbindungsbereich. Die Prüfer entdeckten nämlich eine Reihe von Verstößen gegen die geltenden Hygienevorschriften.

Diese reichen vom Abstellen eines Fahrrads in sensiblen Garderobenbereichen bis zum Tragen von Uhren und Schmuck bei einem Kaiserschnitteingriff, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Bericht hervorging.

Laut den städtischen Kontrolloren nahm in einigen Fällen “das Verhalten des Personals aus hygienischer Sicht Formen an, die das akzeptable Ausmaß erheblich überschritten”. So hätten etwa Kreißsaalhebammen gegenüber Mitarbeitern des im Krankenhaus tätigen Hygieneteams angegeben, dass sie bei der Verabreichung intravenöser Therapien keinen Bedarf für die Verwendung von Einmalhandschuhen sähen. Auch das Tragen von Einmalschürzen bei Entbindungen liege im Ermessen jeder einzelnen Hebamme.Mängel wurden auch in den Garderobenbereichen festgestellt. Grundsätzlich sieht das Sicherheitskonzept vor, dass Privatkleidung in der “Primärgarderobe” gegen die Dienstkleidung getauscht wird. Sind Hebammen in Spezialbereichen mit hoch infektiösen Patientinnen tätig, müssen sie in Dienstkleidung noch einmal in eine separate “Sekundärgarderobe”, um dort die “Bereichskleidung” anzuziehen. Dieses Stufensystem soll möglichst eine beidseitige Verschleppung von Erregern verhindern.

(APA)

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