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Afrikas Krebsgeschwür: Korruption sabotiert Entwicklung

Während die Elite Afrikas größtenteils in Saus und Braus lebt, herrscht auf den Straßen das Elend.
Während die Elite Afrikas größtenteils in Saus und Braus lebt, herrscht auf den Straßen das Elend. ©EPA
Wenn der Präsident des maroden Simbabwes, Robert Mugabe, in die Klinik nach Singapur reist, zählen oft 80 Begleiter zu seiner Entourage. Frankreichs Polizei beschlagnahmte jüngst elf Luxuslimousinen des Präsidenten-Sohnes von Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema Mangue, der in Paris ein Leben in Saus und Braus führte. Bei ihm zu Hause herrscht Massenelend.

König Mswati III. aus dem bitterarmen Swasiland schickt die Lieblingsfrauen seines Harems gerne nach London oder Rom, wo sie sich mit edler Mode und kostbarem Schmuck eindecken. Der 2010 gestorbene Präsident Gabuns, Omar Bongo, vermachte seinem Familienclan 70 ausländische Bankkonten und 39 kostbare Immobilien in Frankreich.

Massenelend auf den Straßen – Afrikas Elite lebt in Luxus

Nicht überall in Afrika wird die Lust der Herrscher am Reichtum so deutlich wie in diesen Fällen. Aber in fast allen 54 Staaten des Kontinents wuchert das Krebsgeschwür der Korruption. Das sichtbare Luxusleben der afrikanischen Elite ist nur die Spitze eines Eisbergs.

Das Elend der Mehrheit der über eine Milliarde Afrikaner ist nach Ansicht vieler Experten wesentlich in der “endemischen (einheimischen) Korruption” begründet, so der südafrikanische Kolumnist Justice Malala. Vielerorts vereinnahmen sich korrupte Machthaber und Bürokraten Ländereien und Fabriken, schröpfen Wirtschaft und Handel.

“Korruption ist die größte Herausforderung für Afrika”, betonte der Anti-Korruptionschef Tansanias, Edward Hoseah, auf einer Konferenz des Instituts für Sicherheitsstudien (ISS) und der deutschen Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) in dieser Woche in Kapstadt.

“Nach Afrika fließen jährlich 25 Milliarden Dollar (18,8 Mrd. Euro) an Investitionen und Hilfsgeldern, aber 50 Milliarden Dollar (37,6 Mrd. Euro) werden illegal ausgeführt”, berichtete der Ex-Präsident Südafrikas, Thabo Mbeki, jüngst. “Korruption ist das Monster, das den immer wieder beschworenen Traum vom Aufstieg Afrikas zerstört”, meinte Südafrikas Ombudsfrau, Thuli Madonsela.

Hoseah zitierte internationale Studien, denen zufolge die Kosten der Korruption die Wirtschaftsleistung Afrikas um etwa 25 Prozent schmälern. Bis zur Hälfte aller Steuererträge sowie etwa 30 Milliarden Dollar (22,5 Mrd. Euro) an Hilfsgeldern fließen demnach in korrupte Bahnen. Das Deprimierende sei, dass sich auch in den vergangenen Jahren – in denen sich viele Länder bester Wirtschaftsdaten erfreuen durften – die Korruption kaum verändert habe.

Erhebungen des renommierten Instituts Transparency International (TI) belegen das. Im letzten Viertel der Liste mit 182 Staaten stehen massiert afrikanische Länder. Somalia ist demnach weltweit das korrupteste Land, nicht viel besser sind der Sudan, Äquatorialguinea, Burundi, Angola und Simbabwe.

Selbst Südafrika krankt an Korruption

Selbst demokratische Musterländer wie Südafrika leiden massiv unter Bestechung und Günstlingswirtschaft – trotz flammender Appelle von Präsident Jacob Zuma gegen die Korruption und erheblicher Mittel für die Anti-Korruptionsbekämpfung. Erst jüngst musste Zuma, gegen den auch wegen Korruption ermittelt wird, zwei Minister und den Polizeichef wegen Bestechlichkeit feuern.

Korruption gibt es am Kap auf allen Ebenen. Allein im Westkap wurden seit Sommer 2010 etwa 80 Polizisten suspendiert. “Korruption in Südafrika hat ein unglaubliches Niveau erreicht, es gehört zum Alltag”, schrieb Malala. “Südafrika befindet sich an einem heiklen Punkt. Leicht könnte es vom relativ gut funktionierenden Rechtsstaat umkippen und auf eine gefährlich abschüssige Bahn geraten”, meinte Prof. Oliver Ruppel (Universität Stellenbosch).

Der tunesische Bankier Ezzedine Saidane machte deutlich, dass Gesetze und formaldemokratische Strukturen allein keineswegs helfen. Vor der Revolution 2011 habe es eine “raffgierige Elite um den Präsidenten” in Tunesien vermocht, mit der Besetzung von Schlüsselpositionen und einem Netzwerk von willigen Gefolgsleuten in Staat und Wirtschaft “das Land hemmungslos auszubeuten”. “Als der Präsident nach 1992 beschloss reich zu werden, begann der Niedergang des Landes, stiegen Arbeitslosigkeit und Armut”.

Zur Korruption gehörten immer zwei Seiten, sagte HHS-Chef Peter Witterauf. Deswegen sei es wichtig, dass sich Unternehmen aus Europa jeglicher Bestechung verweigerten. Siemens-Manager Shawn Teixeira betonte, sein Unternehmen sei seit 2006 einer strikten “Kultur der Integrität” verpflichtet. Der Konzern habe für Bestechungsskandale des vergangenen Jahrzehnts schwer bezahlen müssen. Inzwischen sei klar, dass Geschäfte auch ohne jede Bestechung weltweit bestens liefen. “Hin und wieder müssen wir in Afrika aber auf einen Abschluss verzichten”, gestand er ein.

Der Schlüssel im Kampf gegen korrupte Strukturen ist nach Ansicht der meisten Experten die Entschlossenheit der politischen Machthaber. “Führungsstärke” brauche es, den Willen, eine unabhängige Justiz zu garantieren, Geld und Personal zur Verfügung zu stellen, so Hoseah.

(APA/ dpa)

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