Afghanistan-Konferenz in Istanbul: Karzai fordert mehr Hilfe

Der afghanische Präsident Hamid Karzai auf der Afghanistan-Konferenz
Der afghanische Präsident Hamid Karzai auf der Afghanistan-Konferenz ©AP
Der afghanische Präsident Hamid Karzai will erreichen, dass seine Regierung noch vor Ende des Jahres imstande ist, für die Sicherheit von 50 Prozent der Bevölkerung des Landes zu sorgen. Zugleich erwartet er sich mehr internationale Hilfe, um "den Terrorismus niederringen" zu können.

Auf einer Konferenz von 26 Staaten über Sicherheitszusammenarbeit in Zentral- und Südasien sagte Karzai am Mittwoch in Istanbul, Afghanistan sei Opfer “zerstörerischer terroristischer Netzwerke” mit Zentren außerhalb seiner Grenzen. Er vermied es dabei, Pakistan beim Namen zu nennen, dessen mächtiger Geheimdienst nach US-Erkenntnissen von Islamisten unterwandert sein soll.

Karzai kündigte an, dass er “in naher Zukunft” weitere Gebiete bekanntgeben werde, in denen die afghanische Armee und Polizei die Verantwortung von der NATO-Schutztruppe ISAF übernehmen. Jeder zweite Afghane befinde sich dann unter dem Sicherheitsschirm einheimischer Kräfte. Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung soll Ende 2014 abgeschlossen sein. Die Gewalt in Afghanistan ist nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen. Luftangriffe waren die Hauptursache für zivile Opfer seitens der internationalen Truppen. Die Tötung von Zivilisten durch die internationalen Truppen führt immer wieder zu Streit mit der Regierung in Kabul. Nach Angaben eines UNO-Berichts wurden infolge der Gewalt zwischen Jänner und Juli landesweit über 130.000 Afghanen zum Verlassen ihrer Häuser und Wohnorte gezwungen.

Anschläge erschüttern Afghanistan noch immer

Zahlreiche Anschläge mit vielen Toten haben gezeigt, wie angespannt die Lage tatsächlich ist. Im Juli war der mit Drogen- und Waffenhandel sowie Korruption in Verbindung gebrachte Bruder des afghanischen Präsidenten, Ahmed Wali Karzai, ermordet worden. Die Taliban-Aufständischen bekannten sich zu dem Anschlag. Kurz darauf wurden der frühere Gouverneur der Provinz Uruzgan, ein enger Berater des Präsidenten, und weitere Vertraute Karzais ermordet.

Die Istanbuler Tagung dient der Vorbereitung der internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn. Am 5. Dezember sollen dort die Weichen für die Zeit nach dem für 2014 geplanten Abzug der NATO-Kampftruppen gestellt werden.

In seiner Eröffnungsrede bekannte sich der türkische Staatspräsident Abdullah Gül zu einer “ehrlichen regionalen Kooperation” aller Beteiligten. US-Außenministerin Hillary Clinton ließ sich in Istanbul durch ihren Stellvertreter William Burns vertreten. Auch ihr französischer Kollege Alain Juppé blieb der Konferenz fern.

Iran kritisiert die NATO

Der Iran hat den Einsatz der NATO in Afghanistan kritisiert und schwere Vorwürfe gegen das westliche Militärbündnis erhoben. “Den ausländischen Truppen ist die Lage der Menschen in Afghanistan egal”, sagte Außenminister Ali Akbar Salehi in Istanbul. Zehn Jahre nach Beginn des internationalen Militäreinsatzes gebe es in Afghanistan “weder Frieden noch Stabilität”. Die Lage der afghanischen Bevölkerung habe sich nicht verbessert. “Nur werden immer mehr unschuldige Menschen getötet”, sagte Salehi, dessen Land Hunderttausende Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen hatte. “Die NATO hat es nicht einmal geschafft, die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden, damit diese selbst die Verantwortung übernehmen können”, sagte der iranische Außenminister.

Salehi betonte, die Sicherheit der Region könne ohne direkte Zusammenarbeit der Nachbarstaaten nicht verwirklicht werden. “Iran und Pakistan haben daher stets versucht, beim Aufbau des Landes effektiv zu helfen und Afghanistan in Richtung Frieden und Stabilität zu bewegen.”

APA

  • VIENNA.AT
  • Politik
  • Afghanistan-Konferenz in Istanbul: Karzai fordert mehr Hilfe
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen