AA

Afghanistan: Kein Aufatmen in Geiselaffären

Afghanistan - Die Taliban haben am Montag zwei Fristen für die von ihnen festgehaltenen 22 südkoreanischen Geiseln verstreichen lassen.

Ein Sprecher der radikal-islamischen Gruppe hatte nach einem Appell der afghanischen Vermittler die „letzte Frist“ für die Entführten von 9.30 auf 13.30 Uhr MESZ verschoben. Zu dem Zeitpunkt waren laut Qari Yousuf Ahmadi alle 22 verbleibenden Geiseln noch am Leben. Zuletzt kündigte Ahmadi gegenüber der Nachrichtenagentur AFP an, nun werde ein Rat einberufen, der über das Schicksal der Geiseln zu entscheiden habe.

Die Taliban hatten damit gedroht, die christlichen Aufbauhelfer zu töten, sollte die afghanische Regierung nicht inhaftierte Extremisten freilassen. Ein afghanischer Vermittler hatte am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP Bedenken geäußert, dass die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen würden. Man befinde sich in einer Sackgasse, sagte Chefunterhändler Mahmoud Gailani. Der Standpunkt der Regierung in Kabul sei, keine Gefangenen freizulassen, so Gailani; die Taliban würden aber weiter darauf bestehen. Die afghanische Regierung denke ihrerseits über eine Militäraktion zur Befreiung der 16 Frauen und sechs Männer nach, sagte ein hochrangiger Beamter in der Provinz Ghazni, wo die Gruppe entführt worden war.

Die Taliban hatten am Mittwoch den Anführer der Südkoreaner, einen 42-jährigen Pastor und Familienvater, getötet. Sein Leichnam war Montagmittag in Südkorea eingetroffen. Die südkoreanische Gruppe – Mitglieder einer Freikirche, die in Afghanistan medizinische Hilfe leisten wollten – waren am 19. Juli auf dem Weg von der Hauptstadt Kabul nach Kandahar im Süden des Landes verschleppt worden.

In der Krise um die deutsche Geisel kam es auch am Montagvormittag zu keinem Durchbruch. Der Krisenstab arbeitet nach Angaben von Außenamtssprecher Martin Jäger weiterhin ohne Pause an der Befreiung der überlebenden Geisel Rudolf B. Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“ telefoniert B. täglich mit dem Krisenstab. Unterdessen stellt Berlin laut der „Süddeutschen Zeitung“ die Verhandlungsbereitschaft mit Geiselnehmern an sich in Frage: Lösegeld finanziere Waffen, mit denen dann deutsche Soldaten bedroht würden.

Zum Zustand der Leiche des zweiten Entführten Rüdiger B. aus Wismar machte die deutsche Regierung noch keine Angaben. Am Ende der Woche solle es Erklärungen zu den forensischen Erkenntnissen geben, die bei der Obduktion in Köln gewonnen würden. Die Tageszeitung „Bild“ berichtete unter Berufung auf einen Sicherheitsexperten, B. sei erschossen worden, weil er für die Strapazen auf der Flucht über die Berge zu schwach gewesen sei. Knie und der Rücken wiesen demnach Einschüsse auf.

Angesichts der beiden laufenden Geiselnahmen mit deutschen Opfern im Irak und in Afghanistan erwägt die deutsche Regierung offenbar strafrechtliche Verschärfungen. An einem entsprechenden Entwurf arbeite Justiziministerin Brigitte Zypries (SPD) bereits, so eine Sprecherin. Regierungssprecher Thomas Steg stellte am Montag in Berlin gleichzeitig klar: „Es gilt unverändert, dass der deutsche Staat nicht erpressbar ist.“ Zudem gelte aber der Grundsatz, alles „Menschenmögliche und alles Verantwortbare“ zu unternehmen, um das Leben der Entführungsopfer zu schützen. Der parteilose Staatssekretär im Innenministerium, August Hanninger, sagte, der Anti-Terror-Paragraf 129 müsse künftig auch den Aufenthalt in Ausbildungslagern von Terroristen unter Strafe stellen. Ebenso solle das Herunterladen von Bombenbauplänen aus dem Internet mit Strafe bedroht werden.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Afghanistan: Kein Aufatmen in Geiselaffären
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen