Afghanischer Polizist betäubte und erschoss zehn Kollegen

Im Süden Afghanistans hat ein Polizist zehn seiner Kollegen erschossen. Der Mann habe die Beamten am frühen Dienstagmorgen in einem Polizeiposten im Bezirk Chenartu in der Provinz Uruzgan betäubt und dann getötet, sagte ein Sprecher des Provinzgouverneurs. Der Polizist, der demnach mit den radikalislamischen Taliban zusammenarbeitete, entkam nach der Attacke mit den Dienstwaffen seiner Opfer.


“Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass dieser Polizist mit den Taliban zusammenarbeitete, seine Kollegen mit Drogen betäubte und sie tötete, als sie bewusstlos waren”, sagte der Sprecher des Gouverneurs. Der stellvertretende Polizeichef der Provinz bestätigte die Angaben. Die Polizei leitete eine Fahndung nach dem Täter ein.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Ein Talibansprecher sagte, die Rebellen hätten den Polizeiposten erobert und bei dem Angriff neun Polizisten getötet.

Bei sogenannten “Angriffen von Innen” werden immer wieder afghanische Polizisten und Soldaten von angeblichen oder tatsächlichen Kollegen getötet. In Uruzgan waren erst am 17. Jänner bei einem ähnlichen Angriff neun Polizisten von vier Kollegen getötet worden, bei denen es sich ebenfalls um eingeschleuste Taliban-Kämpfer gehandelt haben soll.

Mehr als 14 Jahre nach ihrer Vertreibung von der Macht Ende 2001 sind die Taliban in vielen afghanischen Regionen wieder in der Offensive. Sie verüben wieder vermehrt Anschläge und eroberten im September sogar kurzzeitig die Provinzhauptstadt Kunduz im Norden des Landes. Um eine weitere Destabilisierung des Landes zu verhindern, verlängert die NATO ihre Präsenz am Hindukusch.

Beobachter vermuten, dass die Taliban mit ihren Angriffen größere Zugeständnisse in den derzeit laufenden Friedensverhandlungen erzwingen wollen. Nach einem ersten Treffen in Islamabad waren Vertreter aus Afghanistan, Pakistan, China und den USA am Montag vergangener Woche in Kabul zu einer zweiten Verhandlungsrunde zusammengekommen, die zu neuen Friedensgesprächen mit den Taliban führen sollen. Die Islamistengruppe entsandte aber keine Delegation zu den Treffen.

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