86-Jährige in Wiener U-Bahn attackiert und schwer verletzt: Prozess

Der Mann ist seit geraumer Zeit polizeibekannt.
Der Mann ist seit geraumer Zeit polizeibekannt. ©APA
Ein paranoid Schizophrener stand heute in Wien vor Gericht weil er Frauen in Wien ohne ersichtlichen Anlass attackierte. Der Schöffensenat entschied sich, den Mann in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen.

Ein 57-Jähriger, der seit längerem in der Bundeshauptstadt ohne ersichtlichen Anlass auf Frauen losgeht, ist am Mittwoch vom Wiener Landesgericht in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Zuletzt hatte er eine 86 Jahre alte Pensionistin in der U6 schwer verletzt. Die Entscheidung eines Schöffensenats (Vorsitz: Christoph Bauer) ist bereits rechtskräftig.

Mann leidet an paranoider Schizophrenie

Der Mann leidet seit seiner Jugend an einer ausgeprägten paranoiden Schizophrenie. Vor Gericht untermalte er seine Erkrankung, indem er seine Allmachtsfantasien darlegte. Er wäre ein guter Kaiser und würde nach seiner Machtübernahme das Parlament räumen lassen, beschied der Mann dem Senat. Allerdings werde er vom amerikanischen Geheimdienst verfolgt. Man habe seine Wohnung vergiftet, so dass er in einem Hotel lebe. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er krank sei, meinte er: "Teilweise. Es bessert sich." Medikamente wolle er jedenfalls keine nehmen: "Sie haben mir nicht gut getan."

Am 2. November 2018 hatte sich der 57-Jährige in der U-Bahn neben eine 86 Jahre alte Frau gesetzt. Als diese sich erhob und Richtung Tür ging, folgte er ihr, packte sie von hinten, schlug und trat auf sie ein und schleuderte sie am Ende nach hinten. Die 86-Jährige erlitt einen Rippenbruch und Prellungen am ganzen Körper. "Er hat auf mich eingeboxt. In der Nacht hat mir alles wehgetan", schilderte die Betroffene dem Gericht, die seither unter Albträumen leidet und sich nicht mehr mit der U6 fahren traut.

57-Jähriger stritt alles ab

Die gewalttätigen Szenen wurden von Überwachungskameras der Wiener Linien festgehalten. Der Mann konnte jedoch erst nach einiger Zeit ausgeforscht werden - er hatte sich nach dem Eingriff einfach vom Tatort entfernt. Bevor man seiner habhaft wurde, verletzte er auch noch eine Radfahrerin, der er am 3. April 2019 am Gaudenzdorfer Gürtel einen wuchtigen Stoß versetzte, so dass diese vom Fahrrad fiel. Die Frau zog sich beim Sturz eine Schnittwunde und Abschürfungen zu. "Es ist sehr schlimm, wenn man einfach umgestoßen wird. Grundlos, wie aus dem Nichts", erinnerte sie sich im Zeugenstand.

Der 57-Jährige erklärte mit äußerster Bestimmtheit: "Das war ich nicht." Es liege in beiden Fällen ein Irrtum vor, die Frauen würden ihn verwechseln. Die Zeuginnen erkannten ihn jedoch im Gerichtssaal eindeutig wieder, auch das sichergestellte Video ließ keinen Zweifel an seiner Täterschaft.

Mann ist polizeibekannt

Der Mann ist seit geraumer Zeit polizeibekannt. Er ist mehrfach auf offener Straße auf Frauen losgegangen und hat diese angerempelt, geschubst oder weggestoßen. Strafrechtlich hatten die vorangegangenen Übergriffe keine Folgen, weil die Opfer nicht verletzt wurden. Die auf bezirksgerichtlicher Ebene geführten Ermittlungen wurden daher stets eingestellt.

Der psychisch Kranke agiere "völlig unvorhersehbar, punktuell, hochaggressiv", meinte Gerichtspsychiater Peter Hofmann. Er riet dringend zur Einweisung des hochgradig geistig abnormen Mannes in den Maßnahmenvollzug, zumal dieser krankheitsuneinsichtig sei. Der Schöffensenat kam dieser Empfehlung nach kurzer Beratung nach.

(APA/red)

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