AA

79 Arbeitstage im Jahr sind vergeudet

Rund 36 Prozent der Arbeitszeit verbrachten Österreichs Beschäftigte im Vorjahr im "Leerlauf". Das waren umgerechnet 79 Arbeitstage pro Jahr und Mitarbeiter.

Fehlende Arbeitsmoral ist den heimischen Beschäftigten aber nicht zu attestieren. Einer aktuellen Produktivitätsstudie des Beratungsunternehmens Czipin Consulting zufolge sei der Grund primär in der Führungsschwäche des oberen Managements zu suchen, hieß es am Mittwoch bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Wien. Die heimischen Top-Manager würden ihre eigenen Defizite aber deutlich geringer einschätzen.

Mehr als 40 heimische Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten haben die Experten des Beratungsunternehmens untersucht. Dabei haben sie 4.000 Stunden lang Mitarbeiter, Angehörige der klassischen „Work Force“, unter die Lupe genommen und auf ihre produktive Effizienz hin beobachtet. Das Fazit: „Es gibt erschreckend wenig Interaktion zwischen der Führungsspitze und den Mitarbeitern“, konstatierte Consulter Alois Czipin. Den Mitarbeitern werde oft nicht wirklich mitgeteilt, was zu tun sei. Hingegen trete das Thema schlechte Arbeitsmoral immer mehr in den Hintergrund. „Die Leute sind sehr motiviert“, so die Ergebnisse.

Fehlende Arbeitsmoral kosten die heimischen Betriebe im Schnitt 7,8 von insgesamt 220 Arbeitstagen im Jahr – mangelnde Qualifikation der Mitarbeiter 2,8 Tage. Als der große „Produktivitätskiller“ hat sich die mangelnde Planung und Steuerung auf der Managementebene herauskristallisiert. Österreichs Firmen „verschenken“ durch Planungsschwächen 44,1 Arbeitstage pro Mitarbeiter. Durch mangelnde Führung verliert ein Betrieb noch einmal rund 10,1 Tage an effektiver Arbeitszeit. „Den Unternehmen entgehe dadurch „konkretes Cash“. Das Beratungsunternehmen schätzt die Kosten für die verlorene Arbeitszeit in Österreich jährlich auf zwischen 60 und 70 Mrd. Euro. Auch hoch profitable Unternehmen seien „oft extrem ineffizient“, vor allem wenn sie nicht im Wettbewerb stünden, warnt der Consulter.

Österreichs Top-Manager sehen zwar die Mängel auf der eigenen Führungsebene, sie würden aber den Faktor weiter unterschätzen, so der Berater. Bereits 2001 und 2004 wurde der heimischen Manager-Elite in Untersuchungen ein ähnlich schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Produktivität habe sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre zwar um 3 bis 4 Prozentpunkte verbessert, erklärte Czipin. Im Jahr 2001 waren noch 40 Prozent der Arbeitszeit „unproduktiv“, was rund 88 Arbeitstagen entsprach. 2004 sank die ineffizient verbrachte Arbeitszeit auf 87 Tage.

Als Gegenstrategien der heimischen Führungsriege werden laut einer OGM-Umfrage – nach einer besseren eigenen Strategieplanung – an zweiter Stelle „Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich der Mitarbeiter als notwendig erachtet“. Erst danach würden Managementtrainings als Lösungsansatz angedacht.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • 79 Arbeitstage im Jahr sind vergeudet
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen