65 Jahre Hiroshima

Der nukleare Angriff der USA auf die japanische Stadt Hiroshima jährt sich am Freitag (6. August) zum 65. Mal. Als erster US-Botschafter nimmt dieses Jahr John Ross an der Gedenkveranstaltung in Hiroshima teil, ebenfalls zum ersten Mal wird heuer auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon dort erwartet. Der Generalsekretär soll außerdem mit dem japanischen Premier Naoto Kan zu Gesprächen zusammentreffen.
Bilder der Katastrophe
Der Weg zu Hiroschima und Nagasaki

Im November letzten Jahres ließ US-Präsident Barack Obama mitteilen, die im Zweiten Weltkrieg durch amerikanische Atombomben zerstörten Städte Hiroshima und Nagasaki noch während seiner Amtszeit besuchen zu wollen. Er wäre der erste amtierende Präsident der USA, der die ehemaligen Kriegsschauplätze besichtigt.

Am 6. August 1945 brach der Schütze William Parsons mit dem nach seiner Mutter benannten B-29 Bomber “Enola Gay” und einem Team von Begleitflugzeugen mit der vier Tonnen schweren Atombombe Richtung Japan auf. Nach über sechs Stunden Flugzeit explodiert um 08:15 Ortszeit in 567 Metern Höhe eine Uranbombe, genannt “Little Boy”, über Hiroshima. Drei Tage später zerstörte eine weitere Atombombe, diesmal mit Plutonium bestückt, die Hafenstadt Nagasaki. Der Sprengsatz “Fat Man” entsprach der Sprengkraft von 22.000 Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffs TNT.

Sechs Tage nach dem Angriff auf Nagasaki erklärte Japan seine Kapitulation, womit der Zweite Weltkrieg beendet war. US-Militärstrategen und Politiker stellten die nukleare Kriegsführung lange Zeit als einzigen Ausweg aus dem Weltkrieg dar. Noch Jahre später hatte der damalige US-Präsident Harry S. Truman erklärt, die Bombe hätte ihn nicht um seinen Schlaf gebracht.

Hiroshima wurde als Ziel des Vernichtungsschlages ausgewählt, weil es Sitz des militärischen Hauptquartiers der kaiserlichen Armee für Westjapan war. Nach nur drei Jahren Entwicklungsarbeit wurde die Nuklearwaffe am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexico getestet.

Die Explosion verursachte eine Druckwelle, die mit einer Anfangsstärke von 35 Tonnen pro Quadratmeter und mit einer Geschwindigkeit von 440 Metern pro Sekunde Gebäude und Menschen niederwalzte. Die Lungen der Menschen hielten dem Druck nicht Stand und kollabierten. Viele wurden meterweit durch die Luft geschleudert oder von herumfliegenden Trümmern und Glassplittern tödlich verletzt. Im Umkreis von 500 Metern um den “Ground Zero” waren fast alle Menschen sofort tot. Die Temperatur erreichte eine Sekunde lang zwischen 3.000 und 4.000 Grad Celsius.

Im Hypozentrum wirkte eine Gammastrahlung von 11.700 rem, eine absolut tödliche Strahlendosis. Erste Symptome der akuten Strahlenkrankheit traten durch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf. Die Überlebenden des Bombenabwurfs, genannt “hibakushas”, litten an ständigen Kopfschmerzen, Haarausfall und Infektionen. Die Spätfolgen der radioaktiven Verseuchung zeigen sich bis heute in Form von Schilddrüsen-, Lungen-, und Brustkrebs oder Leukämie.

Exakte Angaben können weder über die Zahl der Todesopfer noch über jene der Verletzten und Überlebenden gemacht werden. Schätzungen zufolge sollen 140.000 Menschen bis Ende 1945 an den direkten Folgen der Atombombe gestorben sein. Das japanische Gesundheitsministerium zählt heute über 300.000 Menschen, die an den Langzeitfolgen verstorben sind.

Heute erinnern in Hiroshima nur noch Mauerreste und die ausgebrannte Stahlkuppel einer Ausstellungshalle an die Ereignisse des 6. August 1945. Beim Wiederaufbau der zu 90 Prozent zerstörten Stadt wurden diese Elemente unverändert gelassen und als Atombomben-Dom in den Friedenspark der Stadt integriert. Die jährliche Gedenkfeier ist eine Mahnung an die Welt, die Schrecken einer Atombombenexplosion nie zu wiederholen.

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