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40-Jähriger in Wien vom Verdacht der Vergewaltigung freigesprochen

Der 40-Jährige wurde vom Verdacht der Vergewaltigung freigesprochen.
Der 40-Jährige wurde vom Verdacht der Vergewaltigung freigesprochen. ©APA
Am Freitag ist ein 40-jähriger Mann am Wiener Landesgericht vom Vorwurf, eine ehemalige Arbeitskollegin vergewaltigt zu haben, im Zweifel freigesprochen worden.

Die 29 Jahre alte Frau habe "einen durchaus glaubwürdigen Eindruck gemacht", hieß es in der Begründung. Sie habe dem Angeklagten aber "nicht eindeutig zu erkennen gegeben, dass sie das nicht möchte". Der Freispruch ist nicht rechtskräftig.

Beide lernten sich in der Firma kennen

Die beiden hatten sich 2014 in ihrer Firma kennengelernt und angefreundet, wobei eine Rolle spielte, dass sie strenggläubige Christen sind. Es entwickelte sich "eine Art Beziehung", wie die Staatsanwältin sagte, die sich jedoch im Wesentlichen auf Händchenhalten und Küssen beschränkte. Der Frau war es wichtiger, dass der Mann sie zu Gottesdiensten und Kirchgängen begleitete. Wenige Male kam es zu Sex, ehe ihm die Frau deutlich machte, dass sie daran grundsätzlich kein Interesse mehr hatte. Der 40-Jährige nahm das nach außen hin zur Kenntnis. Die beiden blieben weiter befreundet und sahen sich regelmäßig.

Angeklagter soll Frau nach dem Schwimmen vergewaltigt haben

Am 17. August 2018 lud er sie zum Schwimmen im Pool auf seiner Dachterrasse ein. Nachdem man sich abgekühlt hatte, brachte er sie dazu, dass sie sich im Bikini auf eine Liege auf seinen Balkon legte und sich von ihm eincremen ließ. Die Anklagebehörde warf ihm vor, die Frau in weiterer Folge entkleidet und vergewaltigt zu haben. Wenig später, nachdem sie die Wohnung verlassen hatte, teilte die 29-Jährige ihm per WhatsApp mit: "Das wirst du bereuen, in Christi Namen.[...] Ich will dich nie wieder sehen. Gott ist dein Richter." Am nächsten Tag ging sie zur Polizei, nachdem sie sich mit einem Freund besprochen hatte, und erstattete Anzeige.

"Ich akzeptiere überhaupt nicht, was die Dame gesagt hat. Sie lügt", meinte der Angeklagte nun vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Stefan Renner). Die inkriminierten Handlungen wären einvernehmlich passiert. "Einen Tag sagt sie, dass sie mich liebt, nächste Woche ist alles anders", beschrieb er sein damaliges Verhältnis zu der 29-Jährigen. Sein Rechtsvertreter fragte sich, "warum das eine Vergewaltigung sein soll. Es gibt keinen Sachbeweis, dass diese Vergewaltigung passiert ist".

Die 29-Jährige war im Ermittlungsverfahren kontradiktorisch vernommen worden. Ihre Aussage wurde im Verhandlungssaal unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgespielt. Auf die Frage, ob sie sich gewehrt habe, hatte die Betroffene erwidert: "Ich hab mich zwei Mal weggedreht, mir dann aber gedacht, was bringt es." Obendrein soll sie "Lass das, es ist nicht richtig" gesagt haben. Dem Vernehmen nach dürfte die Frau während der sexuellen Handlungen - zumindest kurzzeitig - geweint haben.

Angeklagter im Zweifel freigesprochen

In diesem Fall sei die Wahrheitsfindung "eine schwierige Aufgabe" gewesen, stellte der Vorsitzende am Ende fest. Obwohl die Zeugin glaubwürdig gewesen sei, waren für das Gericht "zu wenige Handlungen feststellbar, dass sie sich zur Wehr gesetzt hätte, dass für ihn (den Angeklagten, Anm.) erkennbar war, dass es unfreiwillig passiert."

Der 40-Jährige bedankte sich für den Freispruch, ehe er den Saal verließ. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

(APA/Red)

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