4.500 Obdachlose in Wien

Von der untersten Sprosse der sozialen Leiter betrachtet, bietet das derzeitige Winterwetter für Obdachlose nichts Erfreuliches. Allein in Wien leben 4.500 Obdachlose.

Wie Menschen ohne fixes Dach über dem Kopf in den Landeshauptstädten durch den Winter kommen, hat eine Recherche der APA ergeben.

Mit 4.500 Obdachlosen nimmt Wien die Spitze des „Eisberges“ ein. Zuflucht vor dem Frost bieten rund 3.800 Schlafplätze. Weggeschickt werde niemand, betonte Christian Neumayr, Bereichsleiter für Wohnungslosenhilfe der Magistratsabteilung 12.

Sollten die regulären Einrichtungen voll sein, gebe es auch noch genügend Notquartiere. Untertags steht zum Aufwärmen unter anderem das Tageszentrum der Stadt bei der U-Bahn-Station Josefstädterstraße oder die „Gruft“ in der Mariahilfer Straße zur Verfügung.

Trotz aller Angebote leben in Wien rund 500 Menschen das ganze Jahr über auf der Straße. Neumayr: „Das sind großteils psychisch kranke Menschen, die solche Angebote schwer annehmen können.“ Viele würden in abgestellten Waggons übernachten, etwa am Nordbahnhofgelände.

Dass in Wien Obdachlose erfrieren, komme nur äußerst selten vor. Neumayr ist ein Todesfall vor zwei Jahren in Erinnerung: „Der hatte eine betreute Wohnung, ist aber alkoholisiert auf einer Parkbank erfroren.“

„In Graz gibt es fast mit Sicherheit keine akuten Obdachlosen“, weiß Armen-Pfarrer Wolfgang Pucher, der mit seiner Vinzenzgemeinschaft sechs Einrichtungen betreibt, in der 120 Personen betreut werden. Mit der Gründung des „Vinzidorfs“ 1993 habe man die Situation in Graz im Griff. Davor habe es etwa 40 Sandler gegeben, die unter Murbrücken oder in anderen Unterschlüpfen genächtigt hätten.

Neben dem „Vinzidorf“ gibt es einen mobilen Essensdienst, medizinische Versorgung und ein Obdachlosen-Hotel. Die Vinzenzgemeinschaft deckt den Bereich jenseits der öffentlichen Fürsorge ab, stellt sozusagen das letzte Auffangnetz. Pucher: „Wir nehmen jene, die keiner mehr haben will“.

Ein ähnliches Projekt, nämlich ein Container-Dorf, soll es bald auch für rund 500 akute Wiener Obdachlose geben: In der kommenden Woche finden diesbezüglich Gespräche mit der Wiener Vinzenzgemeinschaft und der Witwe des verstorbenen Regisseurs Axel Corti, Cecile, statt, berichtete Pfarrer Pucher.

500 bis 530 Menschen sind derzeit in der Mozartstadt wohnungslos. Ein großer Teil davon kann vorübergehend bei Verwandten oder Bekannten unterschlüpfen, rund 100 haben zumindest in der Nacht in Notschlafstellen ein Dach über dem Kopf, schilderte Gerhard Feichtner, der Leiter der Sozialen Einrichtungen der Caritas Salzburg.

Akut obdachlos sind derzeit in der Mozartstadt rund 40 Menschen. Diese nächtigen zumeist in abgestellten Eisenbahnwaggons oder Abbruchhäusern. Notschlafstellen werden in Salzburg derzeit von der Caritas und der Sozialen Arbeit GesmbH geführt. Dass jemand erfrieren musste, daran kann sich Feichtner „Gott sei Dank“ nicht erinnern.

In St. Pölten muss niemand im Freien nächtigen: Neben dem Wohnheim der Emmausgemeinschaft, die sich um Obdachlose und Haftentlassene kümmert, gibt es Notschlafstellen am Kalvarienberg 1 und im „Auffangnetz“ in der Schwerdfegerstraße. Dort stehen jeweils knapp 20 Betten, darunter auch ein Raum für Frauen, zur Verfügung.

Am Kalvarienberg gibt es auch ein eigenes Zimmer, um aus der Schubhaft entlassenen Ausländern Unterschlupf zu gewähren. Sechs Plätze sind dafür vorhanden – „wir bräuchten doppelt so viel“, beurteilt ein Mitarbeiter die Entwicklung. Generell werde die Problematik vielschichtiger: Oft treffen mehrere Komponenten zusammen, die in die Unterstandslosigkeit führen. Und: „Die Betroffenen werden immer jünger.“

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