38 Schadstoffe: Katastrophe wird messbar

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Die Umweltkatastrophe im westungarischen Komitat Veszprem ist nun auch messbar: Greenpeace veröffentlichte am Dienstag sowohl eine Liste an Schadstoffen im Giftschlamm sowie die Feinstaubbelastung im Krisengebiet - beide verdeutlichten die prekäre Situation für Menschen und Umwelt.
Bilder der Giftschlamm-Katastrophe
Neuer Schutzdamm ist fertig
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Zwangsverwaltung fpr Alu-Werk

In der Zwischenzeit wurde das Aluminiumwerk, in dem sich am vergangenen Montag der Chemie-Unfall ereignet hatte, unter Zwangsverwaltung gestellt. Der riesige Schutzdamm bei Kolontar ist Behördenangaben zufolge fast fertig.

Die giftige Substanz aus dem geborstenen Becken enthält laut Greenpeace insgesamt 38 chemische Elemente. Fünf davon – Arsen, Quecksilber, Cadmium, Antimon und Nickel – seien für Menschen, Tiere und Umwelt besonders gefährlich. Es ist eine beeindruckende Liste an Stoffen, die im menschlichen Körper oder in Flüssen wenig bis gar nichts zu suchen haben: Mit 220.000 Mikrogramm (mg) pro Kilo ist Eisen der am meisten vertretene Stoff im Giftschlamm, gefolgt von Silizium (98.000 mg/kg), Aluminium (72.000 mg/kg), Kalzium (67.000 mg/kg) und Natrium (41.000 mg/kg).

Von der Menge her zwar gering, dafür umso giftiger sind zum Beispiel Bestandteile wie Quecksilber (1,3 mg/kg), Cadmium (7 mg/kg), Nickel (270 mg/kg), Antimon (40 mg/kg) und Arsen (130 mg/kg). Letzteres macht in der vorgefundenen Konzentration den Umweltschützern besonders große Sorgen. “Es ist die aus unserer Sicht kritischste Verunreinigung”, analysierte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster die Ergebnisse des “Elementscreenings”.

Nachdem am Montag der Generaldirektor der MAL AG festgenommen worden war, wurde das Unternehmen am Dienstag unter Zwangsverwaltung gestellt und die Vermögenswerte eingefroren. Staatspräsident Pal Schmitt unterzeichnete ein Gesetz, das am Vorabend vom Parlament gebilligt worden war.

Ministerpräsident Viktor Orban setzte den Kommandanten des ungarischen Katastrophenschutzes, György Bakonyi, als Regierungskommissar an die Spitze des Aluminiumwerks. Die MAL AG soll verstaatlicht werden. “Da dies nicht eine Naturkatastrophe, sondern ein von Menschen verursachter Schaden ist, muss der Schadenersatz an erster Stelle nicht von den Steuerzahlern, sondern den Verursachern gezahlt werden”, erklärte der Regierungschef.

MAL kündigte an, “im Verhältnis zu seiner Verantwortung” Schadenersatz zu leisten. Die Höhe des Sachschadens sei jedoch noch nicht absehbar. Der ungarische Umweltstaatssekretär Zoltan Illes sagte, allein an Geldstrafen für Schäden an Wasserwegen und Umwelt hätten sich bereits 19,2 Milliarden Forint (70 Millionen Euro) angehäuft.

Acht Tage nach der tödlichen Giftschlamm-Lawine haben Helfer einen 600 Meter langen Behelfsdamm fast fertiggestellt. Das Bauwerk könne das Dorf Kolontar zwar schützen, müsse aber noch mit Steinen verstärkt werden, sagte ein Behördensprecher vor Ort. Kolontar wurde von der Schlammlawine am stärksten getroffen. Aus Angst vor einer zweiten Flutwelle wurde schließlich der Damm gebaut.

In den Nachmittagsstunden die nächste schlechte Nachricht für die verseuchten Dörfer: Laut Greenpeace ist die Feinstaubbelastung in Devecser und Umgebung um bis zu sechsmal höher als erlaubt. Erste Messungen mit mobilen Geräten ergaben Werte zwischen 60 und 300 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter und darf nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

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