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3096 Tage - Trailer und Kritik zum Film

Mit "3096 Tage" kommt am Donnerstag (28. Februar) die Verfilmung von Natascha Kampuschs Leidensweg in die Kinos. Regisseurin Sherry Hormann gelingt dabei eine Umsetzung für die große Leinwand, die in der Tonalität der namensgebenden Autobiografie von Kampusch erstaunlich nahe kommt. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Unpathetisch wird mittels beachtlicher Schauspieler ein Kammerspiel der Gewalt gezeichnet, das den Zuschauer umso mehr erschlägt. Ein harter, ein sehenswerter Film, der vieles greifbar macht, was vielen unbegreifbar schien.

Am Anfang steht die schier unendliche weiße Weite, die dann vom schier unendlichen Grauen eines dunklen Kellerlochs abgelöst wird: Der berühmte Skiausflug, auf den der Entführer Wolfgang Priklopil sein jugendliches Opfer zwingt, steht am Beginn der Erzählung, die alsbald kurz die Trostlosigkeit der Wiener Randbezirke und somit Kampuschs Leben vor der Entführung streift. Die eigentliche Gefangennahme des zehnjährigen Mädchens auf dem Schulweg schildert Hormann dann so nüchtern und fast schon provozierend zurückhaltend, wie sie in der gesamten Inszenierung bleibt – anders als der Trailer befürchten ließ. Dramatik wird in “3096 Tage” nie durch einen entsprechenden Soundtrack erzeugt, sondern entsteht aus dem Spiel der Protagonisten.

“3096 Tage”: Der klaustrophobische Leidensweg der Natascha Kampusch

In der frühen Lebensphase wird Kampusch von der 2001 geborenen Britin Amelia Pidgeon gespielt, die nicht nur eine frappante Ähnlichkeit zu den Kinderfotos des Entführungsopfers aufweist. Dem Mädchen gelingen auch einige der stärksten Szenen des Films. Wenn die Kleine ihren Entführer das erste Mal um einen Gute-Nacht-Kuss bittet, wenn sie ein Bild ihrer Katze an die Wand des Gefängnisses malt oder direkt in die Kamera blickt, während sie über die Abhöranlage ihren Peiniger um Essen anfleht, so sind dies Momente, die schaudern machen.

Nach einer Dreiviertelstunde erfolgt der Zeitsprung zur pubertierenden Natascha, die von der 31-jährigen Antonia Campbell-Hughes gespielt wird, die sich für ihre Rolle auf die Knochen herunterhungerte. Ihre ausgemergelte Körperlichkeit zeigt die Verwundbarkeit des jungen Mädchens und offenbart zugleich in den umso deutlicher prononcierten Augen einen Kampfeswillen, der auch nicht gebrochen wird, wenn Priklopil sie demütigt, indem er ihr die Haare abrasiert und sie körperlich misshandelt. Dabei spart der Film als große Abweichung zum Buch den sexuellen Missbrauch dezidiert nicht aus, was Kampusch einst mit Hinweis auf ihre Intimsphäre explizit ausklammerte.

Der Priklopil des Dänen Thure Linhardt hat dabei nichts Dämonisches an sich, jedoch die latente Gefährlichkeit des kaputten Muttersöhnchens – umso mehr als Hormann auch die schier unerträgliche Spießigkeit dieser niederösterreichischen Randexistenz mit Vollholzküche, karierten Hausschuhen und Fototapete im Haus über dem Verlies schildert. Ein guter Teil von “3096 Tage” ist allerdings in der klaustrophobischen Enge des Kellerloches angesiedelt, das für Kameralegende Michael Ballhaus die größte Herausforderung darstellte. Der 77-jährige Stammkameramann von Martin Scorsese kehrte nach Jahren der Pause für seine Ehefrau Sherry Hormann wieder hinter die Kamera zurück und liefert eine weitgehend schnörkellose Arbeit, die der Dogma-Bewegung mehr schuldet als dem großen Hollywoodepos.

Zugleich haben die Filmemacher das noch vom 2011 verstorbenen Starproduzenten Bernd Eichinger initiierte Projekt international ausgerichtet. Neben Größen wie der Deutsch-Amerikanerin Hormann (“Wüstenblume”) und der Britin Campbell-Huges sowie dem Dänen Lindhardt finden sich einzig in den Rollen der Kampusch- und der Priklopil-Großmütter mit Ellen Schwiers und Erni Mangold zwei deutschsprachige Schauspielgrößen.

(APA)

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