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300 Ärzte fehlen: Ärztekammer warnt vor Mangel an Wiener Spitalsärzten

Wiener Spitalsärzte hätten immer weniger Zeit für ihre Patienten.
Wiener Spitalsärzte hätten immer weniger Zeit für ihre Patienten. ©pixabay.com
Die Ärztekammer warnt vor einer Ärzteknappheit in Wien. Nach der bevorstehenden Pensionierungswelle würden rund 300 Vollzeitstellen fehlen. Die Spitäler sind aber alles andere als attraktiv für junge Ärzte.

“Wir Spitalsärzte arbeiten derzeit am äußersten Limit und haben immer weniger Zeit für unsere Patienten”, betont Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien. “Das bedeutet, dass schon bald Patienten in Gefahr kommen könnten, medizinisch nicht mehr ausreichend versorgt zu werden.” Für Weismüller liegt dieses Bedrohungsszenario für Wien “nicht mehr in weiter Ferne”.

Patienten aus Wien und Niederösterreich

Das Problem geht aber auch über die Wiener Landesgrenzen hinaus. Etwa ein Viertel (23,6 Prozent) aller niederösterreichischen Patienten wurden 2017 in Wien behandelt, bei den Krebspatienten waren es sogar fast die Hälfte (2017: 47,8 Prozent). Weismüller: “Die aus den umliegenden Bundesländern importierte, zusätzliche Belastung verschärft die Situation dramatisch.”

Zeit zum Gegenlenken wäre für Weismüller noch genug. Allerdings gehen die Zahlen immer weiter auseinander: “Für 200.000 Patienten mehr in den letzten zehn Jahren – das entspricht der Einwohnerzahl von Linz – haben wir in etwa 17 Prozent weniger Arztstunden zur Verfügung. Wir brauchen daher jetzt mehr Personal und Investitionen in die Wiener Gemeindespitäler”, fordert Weismüller.

Ärzte wandern aus KAV ab

“Unsere Ärztinnen und Ärzte kehren den Wiener Gemeindespitälern den Rücken zu”, stellt Weismüller fest und nennt auch die Gründe dafür: “Die Spitäler und die Arbeitsbedingungen sind einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Eine veraltete Infrastruktur, überbordende Bürokratie sowie eine komplett fehlende Wertschätzung seitens des Arbeitgebers schrecken unsere jungen Ärztinnen und Ärzte vielfach ab.” Immer mehr Spitalsärzte würden demnach “nicht nur Wien meiden, sondern auch Wien verlassen”.

300 Spitalsärzte auf Vollzeitbasis fehlen

“Aufgrund des Ärztemangels, der bevorstehenden Pensionierungswelle sowie des von der Politik noch immer ungelösten ärztlichen Leistungsverlusts durch die Einführung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes brauchen wir mehr Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern”, betont Ärztekammer-Vizepräsident Wolfgang Weismüller und nennt dabei auch eine konkrete Zahl: “In Wien benötigen wir – als ersten Schritt – mindestens 300 Spitalsärzte mehr.

“Die Pensionierungswelle wird dieses Problem verschärfen”, prophezeit Weismüller, wenn er sich die demografische Entwicklung der Ärzteschaft ansieht. “In den nächsten zehn Jahren wird etwa ein Drittel aller Wiener Spitalsärzte und damit ein enormer Anteil medizinischer Leistungsträger in Pension gehen.”Lösungsansätze wären laut Weismüller ausreichend vorhanden: “Wir brauchen wettbewerbsfähige Gehälter, um national zu bestehen. Ein erster wichtiger Schritt wäre, das Grundgehalt der Spitalsärzte an die Einkommenssituation im niedergelassenen Bereich anzugleichen.” Fachärzte im Spital verdienen je nach Fachrichtung nur einen Bruchteil dessen, was ihre Kolleginnen und Kollegen in der Niederlassung erwirtschaften.

Marode Infrastruktur in Wiens Spitälern

Selbst mit ausreichend vorhandenen Kolleginnen und Kollegen müsste gemäß Weismüller aber noch “eine Erneuerung der Infrastruktur erfolgen, mit der unsere Spitalsärzte arbeiten müssen. Unsere EDV ist veraltet, die Spitäler sind als Ganzes in die Jahre gekommen, und das Krankenhaus Nord allein kann auch nicht alles auffangen”, so Weismüller.

“Wir brauchen allein für die Wiener Gemeindespitäler eine Infrastrukturmilliarde”, rechnet Weismüller, “damit unsere Ärztinnen und Ärzte auch fachgerecht arbeiten können”. Für Weismüller ist es “völlig inakzeptabel”, dass neue Software zwar angeschafft werde, diese aber auf teils völlig veralteten Geräten nicht benützt werden könne.

“Es ist ebenfalls eine Schande, dass vier Jahre nach der Einigung mit der Wiener Stadtregierung die darin enthaltenen Zentralen Notaufnahmen weiterhin nicht umgesetzt wurden”, zieht Weismüller Bilanz über die Zeit seit der Einführung des KA-AZG: “Ohne die Zentralen Notaufnahmen wird es unmöglich, den großen Patientenandrang in Zukunft zu meistern.”

 “Fortbildungstausender” für jeden Spitalsarzt

“Ausbildung und Fortbildung müssen auch in Wien wieder ernst genommen werden”, fordert Weismüller. Ein Zeichen seitens des Arbeitsgebers wäre hier die Unterstützung der Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten. Ein “Fortbildungstausender” pro Spitalsarzt jedes Jahr – so wie es in anderen Bundesländern üblich ist – ist für Weismüller eine geeignete Maßnahme, um den Standort Wien zu attraktivieren und die Qualität der Versorgung zu sichern.

Ärzte informieren auf Bim

Um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen – und auch, warum diese berechtigt sind – hat die Kammer nun eine neue Kampagne gestartet. Diese rückt die Themen “Sparkurs”, “Ärztemangel”, “Wartezeit” und “Nachwuchs” in den Fokus. Mit Plakaten, Inseraten und auch der gebrandeten Straßenbahn soll die Öffentlichkeit sensibilisiert und der Druck auf die Politik verstärkt werden. Die Warnhinweise sprechen durchaus eine deutliche Sprache. Sie sind den Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen nachempfunden.

Die Ärztekammer informiert auf einer Bim.
Die Ärztekammer informiert auf einer Bim. ©Stefan Seelig / Ärztekammer für Wie

(APA/red)

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